Jeden Tag schreiben sich 700  000 neue Nutzer ein, mehr, als Zürich, Bern und Basel zusammen Einwohner haben. Der Papst, die Queen und selbst Nordkorea nutzen Facebook. Das Netzwerk erreicht alle Bevölkerungsschichten, und das rund um den Globus: Hinter dem Heimatland USA mit 146 Millionen Nutzern liegt Indonesien mit 33 Millionen auf dem zweiten Platz, die Türkei bringt es bereits auf 24 Millionen, und die Schweiz erreicht mit 2,3 Millionen eine höhere Penetration als Deutschland mit seinen 14 Millionen Nutzern. Jeder ist der Nachbar und potenzielle Freund von jedem, die Distanz ist tot. Doch so sehr das soziale Netzwerk die Bürger verbindet, so weit driften ihre Regierungen auseinander. «Ist die Globalisierung auf dem Rückzug?», fragte unlängst die «Financial Times» und erklärte die Frage zum wichtigsten Thema des Jahres 2011. Die Signale sind in der Tat besorgniserregend: Weil die westliche Welt die Wirtschaftskrise deutlich schlechter verarbeitete als die Schwellenländer, sind nationale und protektionistische Tendenzen auf dem Vormarsch. In der Schweiz lässt sich mit Abstimmungen gegen Ausländer punkten, die deutschen Politiker profilieren sich mit EU-Bashing, die Amerikaner rüsten sich mit Zöllen gegen chinesische Einfuhren. Dafür finden sich leider auch in der Ökonomie immer mehr Fürsprecher: Die lange unantastbare Einsicht, dass Protektionismus den Wohlstand verringert, wankt. Zölle und andere Einfuhrbarrieren könnten durchaus wohlstandsfördernd sein, wie China belege, behaupten namhafte Volkswirtschaftler. Das schadet auch der Schweizer Wirtschaft. Mehr als 200 Massnahmen, welche die Schweiz diskriminieren, zählt die Datenbank Global Alert – Tendenz steigend. Da müssen Lieferungen nach Italien neu dem Fiskus gemeldet werden, oder die deutschen Behörden erschweren die Konditionen für neue Ausschreibungen. Kleine Sachen gewiss, doch in der Summe aller Staaten hochgefährlich – besonders, wenn die führenden Wirtschaftsmächte USA und China sich daran beteiligen, anstatt entschlossen dagegen vorzugehen.
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