Eine Ausnahme ist Ottmar Hitzfeld. Der Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft hielt während ­seiner Auszeit fast jede Woche einen Vortrag vor Führungskräften und ist heute ­Geschäftspartner von Swiss Life und Credit Suisse. Wie Hitzfeld erfolgreiche Teams bildet, interne Konflikte löst oder höchste Ziele unter enormem Druck erreicht, ist für die Managerwelt von grösstem Interesse (siehe rechts). Überraschend etwa: Hitzfeld will von jedem Spieler alles über sein Privatleben wissen – nur wenn er die gesamte ­Persönlichkeit kennt, kann er die Spieler richtig motivieren.

Hitzfeld steht vor einer grossen Aufgabe. Kein Sportereignis der Welt erreicht über das TV so viele Menschen wie die Fussball-WM. Jedes Jahr verlieren Sportübertragungen durchschnittlich etwa fünf Prozent der TV-Zuschauer. Selbst grosse Ereignisse wie Olympia, Super Bowl oder das Finale der Champions League können die Zuschauerzahlen bestenfalls halten. Nur die Fussball-WM legt als einzige grosse Sportveranstaltung zu. Laut dem Londoner Forschungsinstitut Initiative werden dieses Jahr fünf Prozent mehr Menschen vor den TV-Schirmen sitzen als noch vor vier Jahren. Der Erfolg liegt vor allem darin begründet, dass die WM im Gegensatz zu anderen Sportereignissen breite Bevölkerungsschichten erreicht, so auch Junge (ein Drittel der WM-TV-­Zuschauer ist zwischen 16 und 34 Jahre alt) und Frauen (schon bei der letzten WM ­waren 41 Prozent der Zuschauer weiblich). Fussball macht damit ein Land für wenige Tage, bestenfalls Wochen, zu einer grossen Familie und bietet damit das letzte grosse nationale Gemeinschaftsereignis im globalisierten, atomisierten Internetzeitalter.

In der Schweiz wird dieses Familiengefühl gemäss Roche-Lenker Franz Humer jedoch nicht lange anhalten. Der Wahlschweizer prophezeit ein Aus der Schweiz in der Vorrunde. Er hält die Familienwerte im Weltkonzern auf seine Art hoch. Das beinhaltet auch ein langfristiges Fördern von Schlüsselleuten. Der neue Novartis-Chef Joe ­Jimenez, seit drei Jahren im Pharmageschäft aktiv, wäre bei ihm nicht Chef geworden: «Ich bin überzeugt, dass man im Pharmabusiness das Geschäft sehr gut kennen muss.»

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