Die EU-Verantwortlichen wissen nur zu gut: Ein Zerbrechen des Euro ist keine ­Option. Würden sich die Sorgenstaaten Griechenland, Irland, Portugal oder sogar Spanien mit ­eigenen Währungen vom Euro abspalten, wären die Folgen verheerend. Schon der Start der neuen Währungen wäre hochkomplex. Drei Jahre brauchte die Einheitswährung, ­bevor sie 2002 eingeführt wurde. Das Prägen der Münzen, das Drucken der Geldscheine, die Neuprogrammierung von Bankensoftware und Geldautomaten wären zeitraubend, und die Übergangsphase wäre ein Albtraum: Die bevorstehende Abwertung der neuen Währungen würde zu einer Kapitalflucht führen, welche die angezählten Banken in den betroffenen Ländern weiter schwächen würde. Selbst die zunehmend EU-skeptische Lokomotive Deutschland hat kein Interesse am Ende der Einheitswährung: Als grösste Kreditgeberin der Sorgenstaaten würde sie eine derartige Abwertung teuer bezahlen. Zudem hängt der starke Aufschwung ihrer Exportindustrie am schwachen Euro. Es kann also auch im neuen Jahr für die EU-Staaten nur heissen: weiter wie bisher.

Die Schweizer Verantwortlichen wissen nur zu gut: Eine Anbindung des Frankens an den Euro ist keine Option. Denn damit wäre das tiefe Zinsniveau der Schweiz mit einem Schlag Geschichte, und die Probleme der Eurozone würden ins Land schwappen. Andere Lösungen gibt es nicht. Der Versuch der Nationalbank, den Euroniedergang mit ­eigenen Mitteln zu bremsen, scheiterte kläglich. Hier heisst das Weiter-so: nichts tun.

So bleibt den Firmen in den EU-Sorgenstaaten und der Schweiz nur das gleiche ­Rezept: die Eurokrise als gigantische Fitnesskur zu begreifen. Die Firmen im Süden des Kontinents müssen die Kosten und Löhne senken, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Die Schweizer Firmen müssen sich ständig verbessern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch sie agieren aus einer Position der Stärke, die Südeuropäer aus einer Position der Schwäche. Das ist der grosse Unterschied.

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