Nur wer neue Ideen findet und diese auch umsetzt, wird dauerhaft Erfolg haben und Wohlstand schaffen. Innovation trägt heute in der westlichen Welt bereits mehr als die Hälfte zum Produktivitätswachstum bei, und der Anteil steigt stetig.

Doch was zeichnet Innovatoren aus? BILANZ porträtiert deren zwei, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben: Steve Jobs, den legendären Apple-Gründer aus dem Silicon Valley, der mit seinen Produktideen vom Macintosh bis zum iPhone das elektronische Zeitalter prägte wie neben ihm nur Bill Gates (Seite 54). Und Rainer-Marc Frey, den scheuen Milliardär aus Pfäffikon am Zürichsee, der die Bedeutung von Hedge Funds schon erkannte, als die Banken das Wort kaum schreiben konnten (Seite 30). So unterschiedlich diese Männer und vor allem ihre Industrien auch sein mögen, sind doch deutlich Parallelen in ihrem Erfolg zu erkennen.

Beide verweigern sich herkömmlichen Denkmustern und gehen ihren eigenen Weg. «Think different» lautete lange Jobs’ Slogan, und das stellte er mit seinen Erfolgsprodukten mehrfach unter Beweis: Der Computer mit der grafischen Benutzer­oberfläche wurde erst verspottet und dann imitiert, das digitale Downloaden von Musik mit dem iPod entwickelte sich vom Nischen- zum Massengeschäft. Frey entzog sich früh traditionellen Anlagekategorien und entwickelte einen eigenen Investmentstil. Dabei setzte er auch auf gefallene Helden: So arbeitet er eng mit John Meriwether zusammen, der nach dem Zusammenbruch von dessen Hedge Fund LTCM vor zehn Jahren zur Unperson der Finanzwelt wurde – bloss nicht für Rainer-Marc Frey.

Eine zweite Parallele: Beide konzentrieren sich auf wenige Projekte. «Sich zu fokussieren, heisst, Nein zu sagen zu all den anderen 100 Ideen, die wir haben», betont Jobs. Bei Freys operativem Geschäftsführer Daniel Schweizer klingt das so: «Wir fokussieren uns einzig aufs Investment Management. Wir wollen uns nicht verzetteln.» Gute Ideen zu haben, ist eben nur der Anfang. Die wenigen wirklich geschäftsträchtigen herauszufiltern und sie konsequent umzusetzen – erst das macht den dauerhaft erfolgreichen Innovator aus.

Und schliesslich: Beide haben die Balance gefunden zwischen Eigenantrieb und Delegation. Die Tiraden gegen angeblich unfähige Mitarbeiter sind längst Teil des Jobs-Mythos, und auch Frey geht schon mal ein «bullshit» über die Lippen, wenn die Arbeitspapiere mancher Mitarbeiter nicht seinen Anforderungen genügen. Doch beide haben längst die Bedeutung von Schlüsselmitarbeitern erkannt und wissen, dass Topleute ihren Freiraum brauchen. Das heisst jedoch nicht, dass die Pioniere nicht klar führen. Sie setzen auf kleine Einheiten und flache Hierarchien, und die Kontrolle geht bis in die Details. Die Montagssitzungen bei Apple, in denen Jobs jedes einzelne Geschäft minutiös auseinandernimmt, sind noch immer gefürchtet.

Dirk Schütz, Chefredaktor BILANZ

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