Die Klassenkampf-Rhetorik mit Neidgeschmack passt noch in die Links-rechts-Kennung, die bei der Lancierung vor vier Jahren dem Thema eigen war, auch wenn sie damals schon nicht stimmte.

Dass Minder jetzt seine Initiative zurückziehen will, wenn seine Anliegen in die Aktienrechtsrevision einfliessen, zeigt eindrücklich, wie mehrheitsfähig das Thema längst geworden ist. Als vor acht Jahren das 148-Millionen-Abgangspaket des ABB-Lenkers Percy Barnevik die erste Welle der Entrüstung auslöste, war die Schweiz hilflos: Sie hatte keine Abwehrinstrumente. Die Lohnhöhe der Chefs war ein gut gehütetes Geheimnis, das selbst die Eigentümer – die Aktionäre – nicht kannten, geschweige denn festlegten. Barneviks Pensionsdeal wurde nur durch eine Indiskretion publik.

Seitdem ist viel passiert. Zuerst mussten die Unternehmen die Gesamtentschädigung der obersten Führungsebene bekanntgeben, dann folgte der Lohn des bestverdienenden VR-Mitgliedes und vor drei Jahren auch die Offenlegung des Lohns des bestverdienenden Geschäftsleitungsmitgliedes. Seit der Finanzkrise sind zudem immer mehr Schweizer Weltkonzerne wie Nestlé, Credit Suisse oder neuerdings selbst Novartis dazu übergegangen, ihre Aktionäre über die Vergütungen abstimmen zu lassen. Ein derartiges Votum bildet sich immer mehr zum internationalen Standard heraus.

Dass die Initiative jetzt die Transparenz erhöhen und die Löhne der Geschäftsleitungsmitglieder offenlegen will, wie es in England, Deutschland oder Frankreich längst gängige Praxis ist, ist genauso zu begrüssen wie die verpflichtende Abstimmung über die Bezahlung. Nicht alle Details des Blocher-Minder-Pakts mögen überzeugen, doch in diesen zwei Kernpunkten ist die Reform zu begrüssen. Klagen über den gelähmten und führungsschwachen Bundesrat sind derzeit wieder an der Tagesordnung. Dass ein verbissener Kleinunternehmer, der in seiner Freizeit am liebsten Vögel beobachtet, eine solch starke Bewegung in Gang setzen kann, demonstriert jedoch eindrücklich, woher die Führung in der direkten Demokratie zum Glück kommt: aus dem Volk.

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