Neuer Präsident der Credit Suisse wird mit dem 68-­jährigen Hans-Ulrich Doerig ein Mann, der vor 13 Jahren schon einmal Chef der Kreditanstalt war. Neuer Vizepräsident der Swiss Re wird mit Mathis Cabiallavetta ein Mann, der ebenfalls vor 13 Jahren bereits einmal Chef der UBS war. Dort übernimmt jetzt mit dem 68-jährigen Kaspar Villiger ein Mann das Präsidium, der vor 20 Jahren Bundesrat wurde.

Für seine Lohnfestsetzung drehte Villiger die Zeit sogar noch weiter zurück. Er orientierte sich an der Bezahlung der drei Nationalbank-Direktoriumsmitglieder. Die Höhe ihres Lohns hatte der damalige Nationalbank-Präsident Fritz Leutwiler Mitte der siebziger Jahre bestimmt, und als Massstab diente das Salär eines Generaldirektors einer Grossbank. Das betrug damals 300  000 Franken, real haben die Notenbanker mit ihrem heutigen Salär von 850  000 Franken in den letzten 35 Jahren also keine Lohnerhöhung erhalten – anders als die Grossbankenchefs mit ihren zeitweilig zweistelligen Millionenpaketen. Jetzt sorgt Villiger dafür, dass die Präsidenten von Grossbank und Nationalbank wieder gleich viel verdienen – der Beitrag des Staatsdieners zur Lohnhygiene.

Einfache Tugenden wie Anstand und Ehrlichkeit, die in Boomzeiten am ehesten verloren gehen, verkörpern die reanimierten Chefs glaubwürdig. Zudem haben sie ihre Schiffe durch schwere Krisen gelotst, und diese Erfahrung verleiht ihnen Gelassenheit im heftigsten Sturm. «Je schlimmer die Lage, desto ruhiger der Ossi», sagte der langjährige Nestlé-Lenker und CS-Vizepräsident Peter Brabeck über einen anderen prominenten Rückkehrer, den neuen UBS-Chef Oswald Grübel (siehe Seite 30). Ein weiterer Vorteil: Die älteren Herren haben ihre Vermögensbildung abgeschlossen, und Karriere müssen sie auch nicht mehr machen. Sie können sich voll der Sache widmen.

Und schliesslich: Sie sind alle topfit und damit Symbol für den so viel beschriebenen demografischen Wandel. Seit Jahren wissen wir, dass unsere Rentensysteme kollabieren, wenn immer weniger Junge für immer mehr Alte zahlen müssen. Die beste Lösung ­leben diese Männer vor: Sie arbeiten länger.

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