Zwar war die Stimmung gegenüber der Finanzwelt noch immer kritisch, als BILANZ vor einem Jahr das erste Schweizer Banker-Ranking lancierte. Dennoch fand die Rangliste unter den Lesern und natürlich innerhalb der Bankenwelt grossen Anklang und löste zahlreiche Diskussionen aus.

Die rege Anteilnahme bekam BILANZ-Autor Erik Nolmans dieses Jahr lange vor der definitiven Festlegung der 100 wichtigsten Geldmanager zu spüren: PR-Berater schickten ihre Klienten ins Rennen, Kommunikationschefs lobbyierten für eine bessere Platzierung ihrer Chefs. Unsere neue Liste zeigt nicht nur die hohe Wettbewerbskraft des Schweizer Finanzplatzes – wir haben 23 neue Banker in die Liste aufgenommen. Sie ­belegt auch, dass Banking für unser Land ein höchst erfolgreicher Exportartikel ist: Ob bei Deutscher Bank, Goldman Sachs oder HSBC – überall finden sich Schweizer in Top-Positionen.

Die ungebrochene Vitalität des Finanzplatzes ist auch einer der Gründe für die Robust­heit der Schweizer Wirtschaft. Selten war der Zustand der Weltwirtschaft so uneinheitlich wie heute, und so lassen sich für Aufschwungs- und Apokalypse-Szenarien ­genauso viele hochkarätige Experten finden wie für Deflations- oder Inflationsgemälde. Amerika fürchtet eine neue Rezession, Indien und China boomen, Japan verharrt in der Depression, und selbst in der Eurozone könnten die Perspektiven kaum unterschiedlicher sein: Deutschland profitiert vom tiefen Euro und seiner starken ­Exportwirtschaft, Spanien ächzt unter dem Immobilienkollaps, Italien ist hoch ­verschuldet und überaltert.

Natürlich kann sich auch die Exportnation Schweiz nicht von diesen Unsicherheiten abkoppeln. Doch die Stagnation vieler Euroländer hat sie nicht zu befürchten. Die Prognosen sind einheitlich positiv: Die Wachstumsvorhersagen für 2011 schwanken zwischen 1,2 Prozent (Credit Suisse) und 2,1 Prozent (UBS). Starke Grosskonzerne, vitale KMU, flexible Arbeitsmärkte und tiefe Verschuldung sind für die meisten Schweizer längst eine Selbstverständlichkeit. Andere Länder beneiden uns darum.

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