Die Kritik kam überraschend: Mitte Juni bekräftigte die Schweizerische Nationalbank nicht nur ihre Zinspolitik, sondern attackierte auch Credit Suisse (CS) und UBS. Das Niveau des verlustabsorbierenden Kapitals bei den Grossbanken sei gemessen an den Standards von Basel III im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich, insbesondere bei der CS, so die Währungshüter.

Credit-Suisse-CEO Brady Dougan entgegnete der Nationalbank damals, seine Bank sei eine der am besten kapitalisierten der Welt. In einem Interview sagte er zwar, dass die CS über die nächsten Jahre zusätzlich Eigenkapital bilden müsse. Aber: «Wir sind zuversichtlich dass wir dies dank unserer Gewinne bis zum Jahr 2013 schaffen werden.» Ausserdem habe man bereits genügend Eigenkapital, um jederzeit alle Vorgaben zu erfüllen.

Heute gab die CS nun bekannt, durch eine Reihe von Massnahmen noch in diesem Jahr 15,3 Milliarden Franken Kapital zu beschaffen. So wolle man jegliche Zweifel bezüglich der Stärke der Kapitalausstattung beseitigen, sagte Dougan. «Die SNB hatte wohl doch recht», so Sarasin-Analyst Rainer Skierka.

Rohner steht vor Dougan

«Das ist ein 180-Grad-Schwenk», sagt auch Banken-Experte Hans Geiger, der im Juni die CS kritisiert hatte. «Damals hiess es, die Credit Suisse habe kein Problem, jetzt stockt sie ihr Eigenkapital kräftig auf.» Geiger spricht von einer positiven Reaktion.

«Auffällig ist allerdings, dass das Communique mit einem Statement des Präsidenten beginnt, nachdem die unglückliche Kommunikation zuvor der CEO geführt hat», sagt Geiger. «Das ist schon ein Signal.»

Tatsächlich startet die Pressemitteilung der Grossbank mit einem Zitat von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Ein Zeichen der Stärke des CEO sieht anders aus. Dougan steht schon seit Monaten in der Kritik, bereits im März fragte die BILANZ angesichts miserabler Zahlen, eines gedrückten Aktienkurses und unklarer Perspektiven: «Wie lange noch?»

Und die Credit Suisse kommt nicht zur Ruhe: Erst vergangene Woche geriet sie in Deutschland unter Druck, wo es Durchsuchungen bei Kunden der Bank gab - aufgrund von Erkenntnissen über Steuerhinterziehung.

Resultat durchzogen

Die Eigenkapitalmassnahmen sollen nun die Anleger beruhigen und tun es zunächst auch: Die Aktien der Bank legten an der Schweizer Börse am frühen Nachmittag um mehr als 4 Prozent zu.

«Die Massnahmen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis sind zu begrüssen, wenngleich auch der daraus resultierende Verwässerungseffekt von bis zu 20 Prozent für die bestehenden Aktionäre nicht unerheblich ist», sagt Skierka.     

Weniger günstig beurteilt er die mitgelieferten Zahlen zum zweiten Quartal: «Das Resultat ist durchzogen, besonders im Investmentbanking.» Das Spartenergebnis sank dort gegenüber dem Vorquartal um mehr als die Hälfte. Im Inlandsgeschäft des Private Banking sei ausserdem  überraschenderweise ein Vermögensabfluss von 2 Milliarden Franken zu verzeichnen.

Neue Einsparungen, Jobs in Gefahr

Weiter verkündete die CS zusätzliche Kosteneinsparungen in Höhe von 1 Milliarde Franken. Wie viele Arbeitsplätze davon betroffen sind wollten Dougan und Rohner nicht beziffern. In der Vergangenheit sei man jedoch bei Arbeitsplatzabbau unter den Ankündigungen geblieben, sagte Rohner dem Schweizer Fernsehen. Das werde diesmal sicher nicht anders sein. 

«Ich würde nicht sagen, dass sie zittern müssen», folgerte Rohner in Bezug auf die Mitarbeiter. Für diese bleibt zu hoffen, dass die Bank nicht auch in diesem Punkt einen Schwenk vollzieht.

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