An Elon Musk scheiden sich die Geister. Halten Skeptiker den Unternehmer für einen überschätzten Tüftler mit schwachem Geschäftssinn, lassen seine Anhänger keine Kritik zu: Vielen gilt er als Visionär, der die Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Brennstoffen senken will. Seinem grossen Ziel kommt Musk nun einen wichtigen Schritt näher: In Nevada eröffnet Tesla in dieser Woche die – bereits heute – Dimensionen sprengende Gigafactory.

5 Milliarden Dollar kostet die nach Fertigstellung flächenmässig grösste Fabrik der Welt, in der noch in diesem Jahr die ersten Lithium-Ionen-Batteriezellen für die Elektroautos von Tesla produziert werden sollen. Rund um die Uhr sind 1000 Arbeiter im Einsatz, um die Vision in der amerikanischen Wüste Realität werden zu lassen. Das berichten US-Medien, denen Tesla am Dienstag erste Einblicke in die neuen Produktionshallen gewährte.

Energiebilanz auf Null

Beteiligt an dem Grossprojekt ist Teslas Partner Panasonic. Die Japaner bauen ihrerseits in dem nur zwei bis vier Stockwerke hohen Gebäude Produktionskapazitäten und investieren insgesamt rund 1,3 Milliarden Dollar. Heute ist das 13 Quadratkilometer fassende Gelände zu etwa einem Sechstel fertiggestellt, bis zum Jahr 2020 will Tesla die volle Kapazität erreicht haben. Auf dem Dach installierte Solarzellen sollen dann Sonnenenergie speichern und dafür sorgen, dass die Energiebilanz der Fabrik auf Null sinkt.

Der Bau der Batterieproduktion läutet Teslas Eintritt in den Massenmarkt ein. Nachdem das Model S bereits seit 2012 im Handel ist, wird das mit auffälligen Flügeltüren ausgestattete Model X in den USA seit vergangenem Herbst ausgeliefert. Beide Modelle befinden sich in der oberen Preiskategorie und starten bei rund 70'000 Franken. Sie werden in ihrer Zielgruppe gut nachgefragt, das Unternehmen schreibt aber nach wie vor rote Zahlen. Das soll mit dem Model 3 anders werden, für das wesentlich höhere Stückzahlen geplant sind und das langfristig Gewinne einfahren soll.

Tesla kann Nachfrage nicht bedienen

Der «Tesla für alle» soll deutlich günstiger werden, der Preis bei rund 35'000 Dollar liegen. Offenbar wurden bereits fast 400'000 Fahrzeuge vorbestellt. Weil Tesla diese Nachfrage heute aber noch nicht bedienen kann, wächst die Kritik. Entsprechend steht der Autobauer unter Druck, die Schlagzahl deutlich zu steigern.

Der Plan: Nach und nach steigt das Produktionsvolumen, bis ab Ende 2018 aufs Jahr hochgerechnet rund 500'000 Fahrzeuge vom Band gehen können. Zum Vergleich: In der ersten Hälfte 2016 wurden gerade mal 30'000 Autos produziert. Um aber eine halbe Million Teslas fahren zu lassen, würde das Unternehmen eigenen Angaben zufolge den weltweiten Jahresaustoss an Lithium-Ionen-Batterien benötigen. Entsprechend soll die gigantische Gigafactory die Fahrzeugflotte bestücken und etwaigen Engpässen vorbeugen.

Kosten für Batterie sollen um 30 Prozent sinken

Weil die Fabrik noch grösser wird als zunächst angenommen, sollen auch mehr Jobs entstehen. In drei bis vier Jahren könnten 10'000 Arbeiter auf dem Gelände beschäftigt sein, sagte Musk in Nevada. Zunächst lag die Schätzung bei lediglich 5000 oder 6000 Jobs. Dank der grossen Skaleneffekte sollen die Kosten für die Batteriepakete in den kommenden Jahren um 30 Prozent sinken.

So könnte das Model 3 in den kommenden Jahren Umsätze von jährlich 20 Milliarden Dollar generieren, so Musk am Dienstag gegenüber den anwesenden Journalisten. Der Bruttogewinn könnte dann bei 5 Milliarden Dollar liegen. Gleichzeitig betonte Musk die Wichtigkeit der Batterien für stationäre Speicher.  Mit der Haushaltsbatterie Powerwall, die Tesla ebenfalls herstellt, kann produzierter Strom lokal gespeichert werden und muss nicht ins Netz eingespiesen werden.

Super-exponentielle Wachstumsrate bei stationären Speichern

Das Geschäft mit diesen stationären Batteriepaketen werde langfristig so gross wie das Autogeschäft, kündigte Musk an. «Das Wachstum von stationären Speichern ist wirklich unterschätzt», so Musk. «Da gibt es eine super-exponentielle Wachstumsrate», zitierte CNBC den Amerikaner. Für seine Anhänger dürften diese Worte ein weiterer Beleg für die Visionskraft des Unternehmers sein.

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