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Detailhandel 
Diese Ketten haben 2018 am meisten Filialen geschlossen

Personen vor einem Schaufenster mit der Aufschrift "alles muss raus" in der Altstadt Luzern, fotografiert am Dienstag, 26. Juni 2018. Der Detailhandel in der Stadt Luzern leidet. Viele Traditionsgeschaefte und Firmen haben in den letzten Monaten ihren Betrieb geschlossen oder die Stadt Luzern verlassen...(KEYSTONE/Alexandra Wey)
Ein Ladenlokal in der Luzerner Altstadt im letzten Sommer.Quelle: © KEYSTONE / ALEXANDRA WEY

In Schweizer Städten verschwinden mehr und mehr Geschäfte. Ketten wie H&M, Ex Libris und Calida schlossen zahlreiche Filialen. Ein Überblick.

Bastian Heiniger
Von Bastian Heiniger
03.04.2019

Längst sterben die Läden nicht nur im ländlichen Raum. Auch in den Schweizer Städten verschwinden mehr und mehr Geschäfte. Wie sich die Zahl der Läden entwickelt hat, zeigt der neue «Retail Marktbericht 2019» der Beratungsfirmen Van Dijk Consultancy und Immocompass.

Die 200 grössten Ketten im Nonfood-Bereich schlossen insgesamt 541 Filialen. Auf der anderen Seite kamen durch gewisse Expansionen 170 neue Geschäfte dazu. Unter dem Strich bleibt aber ein Minus von 371 Filialen. Oder anders: Das Netz der Nonfood-Ketten schrumpfte insgesamt um 5,8 Prozent auf 6410 Läden.

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Am meisten dazu beigetragen hat der gescheiterte Expansionsversuch der italienischen Modekette OVS. 2017 baute sie die übernommenen Charles-Vögele-Läden um, bereits letztes Jahr schloss OVS sämtliche 140 Filialen.

Abgebaut hat aber auch Migros: Tochter Ex Libris schloss 42 Filialen – womit sich das Netz um zwei Drittel reduzierte; jede dritte Stelle fiel weg. Weiter schloss die Migros 13 Melectronics-Läden sowie 13 Filialen der Modekette Schild, die in die Marke Globus integriert wurde.

Das Filialnetz reduziert haben zudem der Schuhändler Vögele Shoes, der 26 Läden abbaute, und die Modekette Benetton, die 10 Läden schloss.

Salt eröffnete 15 neue Filialen

Auf Expansionskurs hingegen sind laut Marktbericht etwa Telekomanbieter Salt mit 15 Eröffnungen, Sportartikelhändler Decathlon (8), Kindermode-Kette Okaïdi (6) sowie die Frauen-Modekette Only (6) und der Unterwäschehändler Hunkemöller (5).

In der schwierigen Bekleidungsbranche wagen offenbar nur noch spezialisierte Geschäfte einen Ausbau. Kein anderes Segment ist derart vom Ladensterben betroffen wie die Bekleidungsbranche, fast die Hälfte aller geschlossenen Läden entfielen auf sie.

Sogar H&M baute zurück

Selbst grosse Marken reduzieren ihr Netz, weil sie gegen den wachsenden Online-Handel noch immer keine Antworten haben. Online-Riese Zalando ist in der Schweiz innert sieben Jahren von Null an zum grössten Modehändler aufgestiegen. Vergangenes Jahr kam hierzulande das Berliner Unternehmen auf einen Umsatz von 800 Millionen Franken. Selbst Branchengigant  H&M, der stets gewachsen war, reduzierte sein Netz um drei Filialen auf 93 Läden.

Auf dem Rückzug ist ebenfalls die Schuhbranche, in der 68 Filialen schlossen, gefolgt von Bücher und Spielwaren mit 52 Filialen.

Am stärksten vom Ladensterben betroffen sind kleinere Städte. Sie haben zudem das Problem, dass expandierende Ketten kleinere Orte nicht im Blick haben. Die Folge ist eine Abwärtsspirale: «Mit weniger Geschäften kommen weniger Kunden und so kommen die verbleidenden Geschäfte unter Druck», heisst es in dem Bericht.

Kleine Städte am stärksten betroffen

Vom Abbau am stärksten betroffen ist Solothurn. In der Stadt mit 17’000 Einwohnern schlossen allein vergangenes Jahr acht Geschäfte.

Die Kantonshauptstadt verlor Exlibris, OVS, Schild, Landi, Manor-Food sowie die Modehändler Caroll, Biba und die Bijou les Boutiques. Ähnlich betroffen sind Oftringen und Davos mit je sieben Filialen sowie das jurassische Porrentruy mit fünf Läden.

Unter Druck sind zwar auch die grossen Innenstädte, allerdings profitieren sie von den expandierenden internationalen Ketten und Trendformaten im Dienstleistungs-, Gesundheits- und Gastrobereich. Einen solchen Ausgleich gibt es in kleinen Städten nicht. Finden sie nicht bald eine Antwort, droht ihnen die Verödung.