Man hat den Eindruck, es findet ein Umdenken statt. Wenn auch sehr, sehr langsam. Zwei Wochen nach dem Entscheid des Ständerates für eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs auf zwei Wochen, tut sich auch in der Wirtschaft je länger je mehr etwas. So etwa bei Manor. Der Detailhandelskonzern gewährt frischgebackenen Vätern neu drei Wochen Vaterschaftsurlaub, nachdem sie bisher lediglich eine Woche erhalten haben.

15 Tage Papi-Zeit. Immerhin. Das ist deutlich mehr als der Gesetzgeber vorsieht, für den eine Geburt aus der Sicht des Vaters ebenso sehr ins Gewicht fällt wie ein Umzug: Gerade mal einen Tag haben die Väter nach der Niederkunft Anspruch auf zusätzliche Zeit mit dem Neugeborenen.

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Der Grund: Der bezahlte Urlaub für die jungen Väter, wie er in anderen europäischen Ländern längst üblich ist, gilt als zu teuer. Die direkten Kosten von zwei Wochen Papa-Zeit schätzt das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) auf rund 230 Millionen Franken. Bei Müttern liegt der gesetzlich vorgeschriebene Mutterschaftsurlaub bei immerhin 14 Wochen.

Firmen sind unterschiedlich grosszügig

Trotz der Kosten tasten sich immer mehr Grosskonzerne und Firmen an eine mehrmonatige Elternzeit heran. Die geringen Vorgaben auf Gesetzesseite führen dazu, dass viele Unternehmen eigene Bestimmungungen hinsichtlich Vater- und Mutterschaftsurlaub haben.

Ihre Grosszügigkeit schwankt dabei jedoch gewaltig. Während Migros, Coop, Swisscom und Zurich wie Manor ebenfalls einen 15-tägigen bezahlten Vaterschaftsurlaub anbieten, sind es bei Novartis ganze 90 Tage – bei voller Bezahlung. Der Phamakonzern gewährt damit «nicht-gebärende Elternteilen» eine genauso lange Auszeit wie Müttern.

Andere Firmen zeigen sich da deutlich knausriger, wie etwa Nestlé. Fünf Tage können Väter, die beim Lebensmittel-Multi arbeiten, bei Töchterchen oder Sohnemann bleiben, ebenso viel bzw. wenig wie beim Warenprüfkonzern SGS, Stellenvermittler Adecco oder beim Stromkonzern Alpiq.

Familienfreundliche Angebote

Doch die Angebote der Firmen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich des Vater- und Mutterschaftsurlaubes voneinander, sondern auch in den Optionen, die für Eltern langfristig interessant sind. Bei ausgewählten Unternehmen und SMI-Konzernen nachgefragt, zeigt sich: Fast alle der Befragten bieten flexible Arbeitsmodelle an wie Job-Sharing, Teilzeitarbeit und Homeoffice sowie die Möglichkeit eines unbezahlten Urlaubes. Manche Firmen unterstützen überdies bei der Organisation der Kinderbetreuung. So übernehmen LafargeHolcim, die Post und der Versicherer Zurich zum Beispiel anteilig die Betreuungskosten.

Eine Übersicht über die Angebote von Schweizer Firmen sehen Sie in der Bildergalerie: