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Die Zukunft der Air-Berlin-Tochter Belair ist ungewiss

Air-Berlin-Flieger mit HB-Immatrikulation: Formal eine Maschine der Belair. Andy Mitchell/Wikimedia/CC

Air Berlin muss abspecken. CEO Stefan Pichler wird den Hub Zürich weiterhin nutzen wollen. Aber die Schweizer Produktionstochter Belair braucht er dazu nicht.

Von Dirk Ruschmann
04.10.2016

Noch wabert viel Rauch um die Zukunft von Air Berlin, gerade auch um die Flüge ab Zürich. Doch offenbar zeichnet sich eine Dreiteilung der Fluggesellschaft ab: Gut die Hälfte der derzeit 136 Flieger würde bei Air Berlin bleiben und Flüge von und zu den Drehscheiben Berlin und Düsseldorf bestreiten. Ein Teil würde an Lufthansa verchartert, und das Geschäft mit Touristikstrecken, rund 35 Flugzeuge betreffend, will Air-Berlin-Chef Stefan Pichler in eine eigene Einheit auslagern.

Hier sollen Gespräche mit dem Reisekonzern Tui über eine Zusammenlegung laufen. So würde Pichler einige Flieger los, die er bis anhin teuer von Tui gemietet hat, und mit deren Flugtochter Tuifly, die ihrerseits an hohen Produktionskosten leidet, entstünde ein neuer Machtfaktor in der Urlaubsfliegerei.

Berlin und Düsseldorf sind lukrativsten Schweizer Strecken

Was heisst das für die Schweiz? Branchenexperte Thomas Jaeger, CEO der Beratungsfirma CH-Aviation, geht «nicht davon aus, dass sich Air Berlin aus Zürich zurückziehen wird». Zumal die Verbindungen aus Zürich nach Berlin und Düsseldorf Branchengeflüster zufolge zu den lukrativsten Schweizer Strecken der Fluggesellschaft gehören; die wird Pichler auch künftig im Haus behalten wollen.

In der Schweiz betreibt Air Berlin bis jetzt acht Maschinen: zwei Airbusse A319 und sechs grössere A320, die bis auf einen in Zürich stationiert sind – ein A320 operiert aus Basel. Sie werden mit dem Schweizer AOC (eine Art Betriebsgenehmigung) der Belair betrieben. Nur dank diesem können von Air Berlin Schweiz / Belair Flüge nach Ägypten, Mazedonien oder in die Türkei angeboten werden – allerdings sind das eher darniederliegende Märkte.

«Schweizer Produktionstochter macht keinen Sinn»

Für die touristischen Rennstrecken aus Zürich, etwa nach Mallorca oder Alicante, braucht Air Berlin das Schweizer AOC nicht. Unter diesen Umständen, bestätigt Jaeger, «macht es für eine deutsche Airline eigentlich keinen Sinn, eine Schweizer Produktionstochter zu unterhalten». Zumal ein neu formierter Urlaubsflieger diese Strecken wohl zu tieferen Kosten betreiben könnte als die Schweizer Belair. Die Zukunft der Belair ist also fraglich.

Bisher gilt von Air Berlin eine grundsätzliche Zusage, den Sommerflugplan 2017 tatsächlich 
ab­zufliegen. Sollte die Airline dennoch Kapazitäten in Zürich reduzieren, stehen Interessenten bereit: Air Berlin hat frühmorgens und spätabends Flugzeiten (Slots) in Zürich, die sowohl für Swiss und deren dichte An- und Abflugwellen hoch attraktiv sind als auch für Billigflieger wie Vueling oder EasyJet, die sich in Zürich längst ausbreiten wollen.

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