Geht es um die Wunsch-Arbeitgeber, haben Universitäts- und Hochschulabsolventen seit Jahren die gleichen Top-Favoriten: Wer Wirtschaft studiert, will zu den beiden Grossbanken oder zu Nestlé, Techniker und Wissenschaftler möchten bevorzugt bei ABB oder IBM anheuern. Dies belegt die Anfang 2005 wiederum von der schwedischen Beratungsfirma Universum durchgeführte Umfrage. 3500 Studierende von 25 Schweizer Universitäten und Hochschulen hauptsächlich im Alter zwischen 20 und 27 wurden dabei ausführlich befragt.

Im Business-Ranking verweist die UBS mit 22,76 Prozent Nennungen den Nahrungsmittelriesen Nestlé (22,69) hauchdünn auf Platz zwei. Mit auf dem Podest steht die CS, gefolgt von den Beratungs- und Revisionsfirmen PricewaterhouseCoopers und Ernst & Young. Beide haben sich gegenüber der Universum-Umfrage 2004 um mehrere Ränge verbessert. Erstmals in den Business-Top-Ten sind die Kosmetikfirma L’Oréal (6.) und das «unmögliche Möbelhaus» Ikea (8.). Novartis und das IKRK sind abgerutscht von Position 4 auf 7 beziehungsweise von 5 auf 9. Komplettiert werden die beliebtesten zehn von Procter & Gamble.

Bei den Ingenieuren und Wissenschaftlern gab es den gleichen Zieleinlauf wie 2004: ABB vor IBM. Rang drei belegt neu Novartis, die es von Position zehn im Vorjahr aufs Podest schaffte. Es folgen Nestlé, Siemens und Roche. Der zweite Pharmamulti vom Rheinknie machte den grössten Sprung nach vorne, von Position 29 auf 6. Hinter Sony rangieren drei Traditionsfirmen auf den Rängen acht bis zehn: Swisscom, SBB und das IKRK.

Wer dekoriert wird, freut sich. Melanie Nyfeler von der Medienstelle ABB Schweiz sieht «die innovativen Produkte und Technologien, das internationale Arbeitsumfeld und die fortschrittlichen Arbeitsbedingungen» als attraktive Pluspunkte für den akademischen Nachwuchs. Letztes Jahr gingen bei ABB rund 1300 Spontanbewerbungen von Uni- und Hochschulabsolventen ein, eingestellt wurden 55.

UBS-Mediensprecher Axel Langer verweist auf «Internationalität, attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten und die Bekanntheit der Marke UBS». Die Grossbank hat letztes Jahr rund 150 Hochschulabsolventen eingestellt.

Was die Medienleute von ABB und UBS hervorheben, erwarten auch die Studierenden vom künftigen Arbeitgeber. Und noch einiges mehr: Wer Wirtschaft studiert, strebt nach einer internationalen Karriere (46,5 Prozent), während Ingenieure und Wissenschaftler vor allem auf die Balance zwischen Beruf und Privatleben achten. Sie wünschen sich flexible Arbeitszeiten (46,6) – die Frauen deutlich stärker als ihre männlichen Kommilitonen. Der Drang zu einer internationalen Karriere hat für Techniker dritte Priorität. Mehr als ein Drittel der Business- und Technikstudierenden wollen anspruchsvolle Aufgaben übernehmen. Mehrfachnennungen waren möglich.

Deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Berufsfeldern gibt es auch bei den Karriereambitionen. Sofort Managementaufgaben übernehmen wollen 37,8 Prozent der Business-Studenten, aber nur 24,6 Prozent der Studentinnen. Techniker lassen es generell ruhiger angehen: Führen möchten 23,7 Prozent der männlichen Befragten, nur 11,6 Prozent der interviewten Frauen. Projektarbeit ist beiden Geschlechtern wichtiger.

Wo sehen sich die Berufseinsteiger drei Jahre später? Die drei wichtigsten Karriereziele für Business-Leute sind internationale Arbeit, anspruchsvolle Tätigkeiten und Raum fürs Privatleben. Techniker und Wissenschaftler wollen so schnell nichts anderes: Job und Privates im Einklang, international arbeiten und weiterhin Produkte entwickeln. Ein gutes Drittel der Wirtschaftsabsolventen, aber nur ein Fünftel der Techniker und Wissenschaftler planen bis in drei Jahren den Aufstieg in die Teppichetage. In beiden Kategorien zieht es weniger als zehn Prozent in die berufliche Selbstständigkeit. Unternehmerblut bleibt ein rarer Saft.

Männer sind tendenziell bereit, länger zu arbeiten als Frauen. Sie wollen dafür aber auch einen höheren Lohn: 78 000 Franken erwarten die Berufseinsteiger aus den Wirtschaftsfächern, 6000 Franken weniger ihre Kolleginnen. Techniker und Wissenschaftler geben sich bescheidener. Einen Anfangslohn von 73 700 Franken nennen die Männer, 64 300 Franken die Frauen.

Und was soll mit hinein ins Compensation-Package? Beide Kategorien geben der bezahlten Weiterbildung mit einer Quote von 75 Prozent höchste Priorität. Die Techniker wollen ihre Überstunden bezahlt und schauen bereits auf die Leistungen ihrer Pensionskasse. Den Business-Studenten sind ein leistungsabhängiger Bonus und ebenfalls bezahlte Überstunden wichtig. Das Statussymbol Firmenauto rangiert weit hinten, ebenso Optionenpläne. Da hat der letzte Börsencrash seine Spuren hinterlassen.

Und wo informieren sich die angehenden Berufsleute über mögliche Arbeitgeber? In erster Linie auf den Websites der Unternehmen, über Freunde und Bekannte in den Firmen sowie über Praktikumseinsätze. Sind Printprodukte die Informationsquelle, lesen Business-Studenten am liebsten die «NZZ», Techniker hingegen den «Tages-Anzeiger». Die BILANZ schaffte es 2005 nicht aufs Podest. Wir arbeiten daran.

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