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Die Schweiz muss ihre Stromlücke schliessen

Strom: Schweiz muss in diesem Winter wohl mehr als sonst importieren. Keystone

Die Schweiz muss in diesem Winter wohl mehr Strom als sonst importieren. Doch Importe aus Frankreich dürften wegen des Stillstands zahlreicher AKWs zurückgehen.

Veröffentlicht 04.11.2016

Durch den temporären Ausfall der Atomreaktoren Beznau I und Leibstadt wird die Schweiz im kommenden Winter wohl auf zusätzliche Stromimporte angewiesen sein. Importe aus Frankreich dürften wegen des Stillstands zahlreicher französischer Atomkraftwerke jedoch zurückgehen.

«Wie die Situation im Winter 2016 aussehen wird, ist schwer abschätzbar», sagte Axpo-Sprecher Ueli Walther auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Aber derzeit könne Frankreich an sehr kalten Wintertagen die eigene Stromnachfrage nur knapp decken. Das werde sich entsprechend auf die Exportmengen auswirken.

Frankreich ist der wichtigste Partner der Schweiz für Stromimporte. Weil derzeit aber wegen Wartungsarbeiten mehr als ein Drittel der 58 französischen Atomreaktoren stillstehen, steigen die Preise stetig an.

Zwei AKWs ausser Betrieb

Normalerweise kommt rund 40 Prozent des in der Schweiz produzierten Stroms aus Atomkraftwerken (AKW). Doch Beznau I und Leibstadt sind derzeit ausser Betrieb. Ihr Stillstand hat einen Ausfall von rund 40 Prozent des in der Schweiz produzierten Atomstroms zur Folge.

Leibstadt fällt wegen Problemen im Reaktorkern voraussichtlich bis im Februar 2017 aus. Während der Jahresrevision waren Oxidablagerungen auf Brennstäben entdeckt worden. Beznau I ist bereits seit März 2015 vom Netz. Der Reaktor soll frühestens Ende Jahr wieder laufen. Der Grund sind Materialfehler im Reaktordruckbehälter.

Das Energieunternehmen Axpo, das die Kernkraftwerke Beznau und Leibstadt betreibt, will diesen Ausfall durch Importe kompensieren. Der Energiekonzern Alpic, der ebenfalls an der Betreibergesellschaft des AKW Leibstadt beteiligt ist, will den Ausfall mit dem Strom des Kernkraftwerks Gösgen sowie Stromkäufen ausgleichen.

Marktpreise bestimmen

Laut dem Energieversorger BKW liegen die Schweizer Strompreise derzeit leicht höher als die französischen. Das würde diesen Winter für weitere Importe aus Frankreich sprechen. Wenn die Ausfuhrmenge Frankreichs jedoch weiter zurückgehe, könnten im kommenden Winter die Strompreise anderer Länder günstiger ausfallen.

Bei Stromeinfuhren werden laut BKW nicht bestimmte Länder bevorzugt. Den Ausschlag gebe lediglich der Marktpreis. Je nach Angebot und Preisen an der Strombörse wird Strom aus Deutschland, Frankreich, Österreich und selten auch aus Italien importiert. Bei der Axpo stammten etwa im September 2016 die Importe mehrheitlich aus Deutschland, während im Jahresmittel 2015 die grösste Menge aus Frankreich importiert wurde.

Beim Importstrom handelt es sich gemäss Axpo in den meisten Fällen um sogenannten Graustrom, also um Strom mit undeklarierter Herkunft. Allerdings ist bekannt, dass in Frankreich rund 70 Prozent des Stroms in Atomkraftwerken produziert wird, in Deutschland stammt bis zu 50 Prozent aus Kohlekraftwerken. «Wind- und Solarenergie aus Deutschland wird wegen fehlender Stromnetze derzeit nur sehr beschränkt in den Süden transportiert und steht damit kaum als Strom an der Grenze für den Import bereit», so die Axpo.

Swissgrid optimistisch

Die Netzbetreiberin Swissgrid zeigt sich für die kurzfristige Prognose optimistisch. «Swissgrid zählt, vor allem an der Nordgrenze, auf eine leicht höhere Kapazität als im letzten Jahr, trotz des längeren Ausfalls von Leibstadt», schreibt Swissgrid. Die Situation sei deshalb entspannter.

Eine «erhebliche Herausforderung für das Übertragungsnetz» würde hingegen ein Ja zur Atomausstiegsinitiative Ende November bedeuten, wie Swissgrid in einer Mitteilung schrieb. Die Initiative sieht fixe Laufzeiten für alle Atomkraftwerke vor. Beznau I und II sowie Mühleberg müssten bereits im nächsten Jahr herunterfahren.

(sda/ccr)

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