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Die Schweiz ist bei Apples Mega-Deal aussen vor

Entwurf von Apple: So soll das Rechenzentrum in Irland aussehen.  Apple

Apple investiert gross in zwei Rechenzentren in Europa – ein ideales Projekt für die Schweiz. Doch die geht leer aus, obwohl die Vorhaben genau dem Standortprofil entsprechen. Warum?

Von Karen Merkel
25.02.2015

Es ist Apples absehbar grösstes Projekt in Europa: 1.7 Milliarden Euro will der Tech-Gigant in zwei Rechenzentren investieren. Von dort wird Apple künftig seine Cloud-Dienste in den europäischen Ländern betreiben, «Hunderte» Arbeitsplätze entstehen, wie Firmenchef Tim Cook sagt. Das Besondere: Die Datenspeicher werden vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben.

Den wichtigen Eckdaten nach zu urteilen, wäre die Eidgenossenschaft geradezu prädestiniert gewesen für die Grossinvestition. Ein solches Projekt hierzulande «wäre natürlich interessant gewesen«, sagt Franz Grüter, Geschäftsleiter des führenden Schweizer Daten-Dienstleisters Green.ch. Und bestätigt:«Klar, die Investitionen von Apple sind ein Riesendeal, davon werden jetzt alle sprechen.»

Milliardeninvestitionen an der Schweiz vorbei

Doch die Datenspeicher von Apple entstehen nicht hier, der Konzern baut sie in Irland und in Dänemark. Warum ging die Milliardeninvestition an der Schweiz vorbei?

Die Rahmenbedingungen in der Schweiz wären gut: Rechenzentren boomen hierzulande, vor allem dank ausländischer Auftraggeber. Auch der Strommix ist vergleichsweise sauber – mit einem hohen Anteil an Wasserkraft – und bezahlbar. Das haben seit der ersten umfassenden Erhebung im Jahr 2012 zum «Datentresor Schweiz» mehrere Studien bestätigt.

Rechenzentren-Dichte nur in Irland höher

Die Rechenzentren-Dichte ist in Europa nur noch in Irland höher, berichtet etwa das Marktforschungsinstitut Broadgroup. In absoluten Zahlen liegt die Schweiz 2013 auf Platz sechs, mit einer Fläche von rund 235'000 Quadratmetern. Das entspricht einer Grösse von rund 33 Fussballfeldern. Gut 150'000 Quadratmeter entfallen auf Drittanbieter, also Unternehmen, die mit der Datenspeicherung von Kunden ihr Geld verdienen.

Und der Bedarf wächst drastisch, das Datenvolumen verdoppelt sich weltweit alle zwei Jahre. E-Mails, Bankdaten, Firmenkennzahlen – in der Cloud lagern Konsumenten und Unternehmen zunehmend ihre wichtigsten und sensibelsten Informationen.

US-Konzerne legen Datenspeicher in Europa an

Dazu kommt, dass nach der Snowden-Affäre viele gewichtige US-Konzerne auch Datenspeicher in Europa anlegen. Microsoft, Google und Amazon haben es vorgemacht, Apple zieht jetzt nach. Google und Amazon wollen ausbauen. Nur hat die Schweiz hier den Anschluss verpasst: Alle Tech-Giganten bauen in anderen Ländern. IBM und Hewlett-Packard (HP) unterhalten hierzulande allerdings jeweils drei Rechenzentren, HP eröffnet Ende 2015 ein viertes.

Investitionen in diesen Bereich sind für die Schweiz wichtig, denn sie haben Einfluss auf die Gesamtwirtschaft, erläutert Institut für Wirtschaftsstudien (IWSB) in Basel, das die Datentresor-Studien durchführte.

Zum einen sind Rechenzentren kostspielig und oft mit hohen Investitionen verbunden. Die komplexe Errichtung schafft viele temporäre Arbeitsplätze und einige dauerhafte für Hochqualifizierte, so das IWSB. Datenspeicher sind Langfristprojekte und mindestens auf zehn bis 15 Jahre angelegt. Eine positive Wechselwirkung mit der Ansiedlung von Firmen-Standorten sei ausserdem zu beobachten.

«Das neue Gold der Schweiz»

Branchenkenner erhoffen sich von der Datenspeicherung so viel, dass sie vom «neuen Gold der Schweiz sprechen» und davon träumen, dass die Schweiz eines Tages nicht mehr als Finanzplatz internationalen Ruf geniesst, sondern als modernster Datentresor.

Um Apple zu überzeugen, hat es vorerst allerdings nicht gereicht. Der Konzern hat hierzulande 500 Mitarbeiter, in Irland 4100. Eines ist sicher: Während in Irland und Dänemark Hunderte Jobs entstehen, ist Apple hierzulande mit keinem einzigen Angestellten in Rechenzentren engagiert.

Dänemark konnte punkten

Der Standort Irland mag dabei für den US-Konzern konkurrenzlos gewesen sein: Apple hat dort seine Europazentrale, ausserdem ist das Land als Datenstandort führend.  Mit Dänemark dagegen sollte die Schweiz mithalten können – in Sachen Standortattraktivität rangiert das Land deutlich weiter hinten. Der Data Center Risk Index sieht die Schweiz im Jahr 2013 weltweit auf Platz 11, Dänemark schafft es nicht unter die ausgewiesenen Top 30. Der Index bewertet die Standortattraktivität für Rechenzentren.

Dennoch punktete Dänemark. «Zum einen liegt das Land klimatisch günstig, es ist im Sommer zum Beispiel kühler dort als in der Schweiz, was den Stromverbrauch für die Kühlung senkt», erläutert Christian Grasser, Geschäftsführer des Schweizer Telekommunikationsverbandes Asut. Die Kühlung ist eine der grössten Herausforderungen beim Betrieb eines Rechenzentrums. Darüber hinaus liegt der Standort in Viborg in Dänemark «günstig, weil das Rechenzentrum direkt an ein Fernwärmenetz angeschlossen werden kann», so Grasser. «Insgesamt wäre es in der Schweiz eventuell schwierig geworden, vergleichbare Rahmenbedingungen zu finden.»

Aktuelle Belastungen für den Standort Schweiz

Zumal der Standort Schweiz aktuell von weiteren Faktoren belastet wird. Wie das Bankenwesen lebt auch das Geschäft mit den Daten in hohem Masse von Vertrauen und macht Zuverlässigkeit über lange Zeiträume nötig. In der ersten Schweizer Branchenstudie von 2012 wurde dieser Punkt noch deutlich als Standortvorteil herausgestrichen. Doch heute sieht es anders aus: mit der Masseneinwanderungsinitiative steht die Zukunft der Bilateralen in den Sternen, die abrupte Aufgabe des Euro-Franken-Mindestkurses sorgt für neue erhebliche Unsicherheiten.

Zwei weitere Rahmenbedingungen fallen ebenfalls ins Gewicht. Wenn die Energiestrategie 2050 umgesetzt werde, bedeutet das den graduellen Ausstieg aus der Kernkraft, sagt Green.ch-Chef Grüter. Er fürchtet im Zuge dessen steigende Energiepreise. «Das wäre der absolute Killer für die Branche.»

«Staatliche Überwachung darf nicht ausgeweitet werden

Ausserdem ist die Schweiz auf dem Weg, ihr restriktives Datenschutzgesetz aufzuweichen, das bislang ebenfalls als wichtiges Plus für die Ansiedlung von Rechenzentren gilt. Im Frühjahr will der Ständerat sich mit dem Vorhaben befassen, ob die Vorratsdatenspeicherung von sechs auf zwölf Monaten ausgeweitet werden soll. Für Unternehmen bedeutete eine längere Laufzeit nicht nur höhere Kosten, sondern ein grösseres Sicherheitsrisiko.

Das wäre eine Zumutung für Unternehmen, die etwa Mailserver in der Schweiz halten wollen, sagt Grüter, der als Präsident der SVP Luzern derzeit für den Kantonsrat kandidiert. Für diesen Fall läge eine Gegen-Initiative schon in der Schublade. Er sagt: «Die staatliche Überwachung darf nicht ausgeweitet werden.»

Grüter ist an sich von der Schweiz als prosperierendem Standort für Rechenzentren überzeugt. Doch er sagt: «Wenn diese Rahmenbedingungen verändert werden, belastet es das Wachstum des Datenstandortes in der Schweiz.» Ob Apple letztlich über das Vorhaben auch mit der Schweiz gesprochen hat, ist nicht bekannt – aber vor allem die Vergabe nach Dänemark ist ein Signal, wie schnell der Druck im internationalen Wettbewerb steigt.

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