In der Schweizer Wirtschaftsgeschichte lassen sich 66 Rekorde zählen: Vom ältesten existierenden Unternehmen bis zur bestverdienenden Managerin - ein landesweiter Überblick:

Schnellstwachsender Detailhändler: Lidl

Der Schweizer Detailhandel stagniert. 2014 setzte er gemäss neuesten Zahlen des Marktforschers GfK 97,6 Milliarden Franken um. Das sind 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. In den letzten fünf Jahren kam der Detailhandel auf keinen grünen Zweig, er steckt in einer Null-Wachstums-Phase.

Zu den Profiteuren der Entwicklung gehörten 2014 die Discounter, die überproportional stark gewachsen sind. Lidl ist mit fast zehn Prozent Wachstumsgewinner und kommt auf einen Umsatz von 800 Millionen Franken. Zusammen mit Aldi (+2,9 Prozent) erreichen die beiden deutschen Discounter einen Marktanteil von 2,6 Prozent. Denner als Marktleader unter den Discountern schaffte ein Plus von 1,7 Prozent. Der Dorfladen-Spezialist Volg gehört mit plus 4,4 Prozent zu den grossen Gewinnern. Coop und Migros erzielten achtbare Werte mit 0,9 respektive 1 Prozent Wachstum.

Teuerste Übernachtung: «Hotel President Wilson»

Die teuerste Übernachtung in einem Schweizer Hotel ist in Genf zu haben. Die Suite Royal Penthouse im Hotel President Wilson an den Gestaden des Genfersees gibt es für 60'000 Franken pro Nacht. Dafür erhält die wohlbetuchte Kundschaft 1800 Quadrat­meter, zwölf Schlaf- und Badezimmer, eine gigantische Dachterrasse, schusssichere Fenster und Türen, einen Steinway-Flügel, einen Billardtisch und einen eigenen Fitnessraum.

Aussergewöhnlichste CEO-Wahl: Haufe-umantis

Eine Chefwahl der besonderen Art: Beim Freiburger Personalführungsexperten Haufe-­umantis wählen die Mitarbeiter den CEO. Im Januar bestätigten die Angestellten den amtierenden CEO Marc Stoffel mit einer deutlichen Mehrheit von 85 Prozent. Stoffel ist seit 2013 Unternehmenschef.

Der Kundenkartenkönig: Supercard

Eine Karte hier, eine Karte dort. Unangefochtene Kundenkartenkönige sind die beiden grössten Schweizer Detailhändler. Coop hat mehr als vier Millionen Supercards im Umlauf, rund 3,4 Millionen gelten als aktiv. Dagegen hat die Migros mit ihren 2,8 Millionen Cumulus-Karten das Nachsehen. 2,2 Millionen gelten als aktiv.

Ältestes existierendes Unternehmen: H. Rüetschi AG

Im tiefsten Mittelalter, im Jahr 1367, entstand das schweizweit älteste heute noch bestehende Unternehmen, die Glockengiesserei Rüetschi in Aarau. Heute bietet die H. Rüetschi AG alles vom Glockenguss und von der Glockenstuhl-Konstruktion über das Uhrwerk bis zur Elektrotechnik für den Glockenantrieb und der Elektronik für die verschiedenen Glockengeläute.

Ganz schön alt ist auch Orell Füssli. 1519, vier Jahre nach der Schlacht bei Marignano, wurde das Unternehmen als Staatsdruckerei gegründet. Auch die Werke Ulrich Zwinglis wurden verlegt. Seit 1908 druckt Orell Füssli die Schweizer Banknoten.

Bestverdienende Managerin: Nayla Hayek

Meist steht der Bruder und Konzernchef Nick im Fokus. Schwester Nayla Hayek präsidiert den Swatch-Konzern. Seit 2013 ist sie zudem Konzernchefin der akquirierten Schmuckmarke Harry Winston. Das macht sie zur bestbezahlten Schweizer Managerin. 2014 verdiente sie 4,9 Millionen Franken. Das ist zwar nicht annähernd so viel wie bei Joseph Jimenez. Der Novartis-Lenker kassierte im selben Jahr fast 13 Millionen. Allerdings prasselte auf die Familie Hayek ein schöner Dividendenregen von fast 95 Millionen Franken nieder.

Chefs mit den meisten Followern auf Twitter: Jean-Claude Biver

Der Obertwitterer unter heimischen CEOs ist sowohl in der digitalen als auch in der analogen Welt zu Hause. In der Schweizer Mediendatenbank tauchen unter dem Namen Jean-Claude Biver für die letzten zwölf Monate 479 Artikel auf. Auf Twitter kommt der Leiter des Uhrengeschäfts von LVMH und Chef der Uhrenmarke Hublot auf 6606 Follower.

Auf Rang zwei folgt NZZ-Chef Veit Dengler mit 3311 Followern, auf Platz drei steht ABB-CEO Ulrich Spiesshofer mit 2997 Followern. Biver ist unter den Top drei allerdings am schreibfaulsten mit bloss 160 abgesetzten Tweets. Aktiv ist NZZ-Chef Dengler mit rund 4400 Tweets, Spiesshofer kommt auf 900.

Seilbahn, die am meisten Gäste transportiert: Skymetro

Sie sieht nur wenig Tageslicht, die meistfrequentierte Schweizer Seilbahn. Doch mit jährlich sieben Millionen Passagieren ist die Skymetro im Flughafen Zürich die landesweit meistbenutzte und auch teuerste Seilbahn. Die von einem Stahlseil gezogene, auf einem Luftkissen schwebende Bahn verbindet seit 2003 das Hauptgebäude des Flughafens mit dem 1,1 Kilometer entfernten Aussendock.

Gefolgt wird die Flughafenbahn von der Standseilbahn von Lugano-Città zum Bahnhof mit mehr als drei Millionen Passagieren. Auf Platz drei fährt die Polybahn in Zürich mit 1,6 Millionen Fahrgästen pro Jahr. Erst ab Rang vier folgen klassische Wintersport-Seilbahnen wie die Funitel Croix des Ruinettes - Les Attelas in Verbier (1,4 Millionen Passagiere), die Gondelbahn Engelberg - Trübsee (1,3 Millionen), die Gondelbahn Zermatt - Furi (1,2 Millionen) und die Sesselbahn Seebli - Sternen im Hoch-Ybrig-Gebiet (1,1 Millionen).

Teuerste Firmenpleite: Das Swissair-Grounding

Jahrzehntelang galt Swissair als grundsolide und finanzstark, ja als fliegende Bank. Bis die Flugzeuge mit dem weissen Kreuz auf rotem Grund am 2. Oktober 2001 am Boden bleiben mussten; in den Kassen fehlte das Geld fürs Flugbenzin. Es war der Höhepunkt einer völlig verfehlten Expansionsstrategie.

Unter ihrem Chefpiloten Philippe Bruggisser kaufte die nationale Airline in den neunziger Jahren zahlreiche Beteiligungen an Konkurrenten - zu weit überhöhten Preisen. Nach saftigen Abschreibern und schweren Verlusten schmierte die Swissair endgültig ab und hinterliess einen gewaltigen Schuldenberg von 17 Milliarden Franken.

Für den zweitgrössten Konkurs in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte war die Familie Erb besorgt. Der Untergang des Auto- und Kaffeehandels-Imperiums hinterliess 2003 einen Haufen Schulden von 6,5 Milliarden Franken. Den zweifelhaften Titel des drittgrössten Milliardenpleitiers darf Finanzjongleur Werner K. Rey für sich in Anspruch nehmen.

Teuerste Akquisition: Novartis kauft Alcon

2010 hat Novartis unter der Ägide Daniel Vasellas von Nestlé die letzten Aktien des auf Augenheilmittel spezialisierten US-Unternehmens Alcon gekauft. Die Akquisition liess sich der Basler Pharmakonzern insgesamt 49,7 Milliarden Dollar kosten. Das war die teuerste Übernahme in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Nur etwas weniger, nämlich 46,8 Milliarden Dollar, kostete der Kauf von Genentech durch Roche.

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