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Unermüdlich 
Die Power-Lady Margarita Louis-Dreyfus

Die Power-Lady Margarita Louis-Dreyfus
Plant gerade mal zwei Wochen Auszeit für die Geburt: Margarita Louis-Dreyfus. Dukas

Margarita Louis-Dreyfus erwartet Zwillinge. Das hält sie nicht davon ab, ihren Konzern umzukrempeln. Mit vollem Einsatz und eiserner Hand managt sie die wichtigste Umbauphase in der Firmengeschichte.

Von Erik Nolmans
2016-03-08

In der Boulevardpresse war das freudige Ereignis schon seit längerem ein Thema, doch im Januar gab schliesslich auch ihre Firma eine Verlautbarung ab. Ja, die Präsidentin sei schwanger, liess der Agrar­handelsgigant verlauten, um gleich zu signalisieren, dass dies ihre Rolle nicht beeinträchtige. Bis zum Geburtstermin Anfang April werde sie arbeiten, dann gebe es eine kurze Pause. Ab Ende April – nach gerade mal zwei Wochen Mutterschaftsurlaub also – werde Margarita Louis-Dreyfus wieder vollumfänglich ihre Aufgaben als Präsidentin von Louis Dreyfus Commodities wahrnehmen.

Die Botschaft, die dahintersteckt, ist klar: Niemand sollte sich auch nur einen Moment lang die Illusion machen, die Chefin trete in den Hintergrund oder wolle gar Macht abgeben. Nein, die 53-jährige Russin will weiter die Fäden in der Hand behalten – Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft hin oder her.

Derlei Signale sind wichtig im Unternehmen, in dem ihr Macht­anspruch lange auf Widerstand stiess. Nach dem Tod ihres an Leukämie erkrankten ­Gatten Robert Louis-Dreyfus 2009 sahen viele in der einiges jüngeren und gut aussehenden Ehefrau nicht viel mehr als eine ­Mischung aus hübscher ­Gespielin und Heimchen am Herd. Auch ihr Gatte unterschätzte ihren Tatendrang: Seine Pläne sahen für sie nach seinem Tod vor allem die Nachlass­verwaltung im Sinne der gemeinsamen drei Söhne ­vor.

Von der liebenden Ehefrau zur «furchter­regenden Regentin»

Im Vakuum nach dem Tod des Patrons kam es aber bald zu Machtspielchen, denen die Witwe nicht einfach zusehen wollte. Aus der liebenden Ehefrau und Mutter wurde in Rekordzeit eine ­eiserne Geschäftsfrau oder, wie es ihre Biografin Elsa Conesa ausdrückt, eine «furcht­­er­regende Regentin» – ziel­strebig, un­zimperlich und knallhart.

Den mächtigen Konzernchef und Vertrauten ihres verstorbenen Mannes, Jacques ­Veyrat, bugsierte sie hinaus und setzte nach und nach Manager von eigenen Gnaden ein. Sie demonstrierte ihren Machtanspruch, als sie vor einem Jahr den ­Anteil ihrer Familien­holding Akira am Unternehmen von 65 auf 80 Prozent steigerte, indem sie Anteile der Schwestern und Neffen von Robert Louis-Dreyfus übernahm und sich damit nach eigenen Worten eine «Supermehrheit» ­sicherte.

Gut möglich, dass sie damit noch nicht zufrieden ist. Wie ein Verwaltungsratsmitglied von Louis Dreyfus Commodities der BILANZ verriet, strebe sie auch die Übernahme der restlichen 20 Prozent an.

Unermüdliche Jetterin

Dass sie nicht nur auf dem Papier die Chefin ist, zeigt sie durch ihren vollen Einsatz. Sie wohnt in Zollikon am Zürichsee, doch sie ist mindestens einmal wöchentlich in der operativen Drehscheibe der Firma in Genf, wie Vertraute berichten. Zudem jette sie unermüdlich von einem Geschäftstermin zum nächsten, um in irgendeiner Region, in der ihr ­weltumspannender Handelskonzern tätig ist, Regierungsmitglieder, Kunden oder Investoren zu treffen.

Ihren Schwangerschaftsbauch versteckt sie nicht, weder am Weltwirtschaftsforum in Davos, wo sie auch ­dieses Jahr zugegen war, noch auf der Ehren­tribüne im Fussballstadion von Olympique de Marseille, wo sie am 7. Februar beim Spiel gegen Paris Saint-Germain ­gesichtet wurde. Den französischen Topclub hat ihr fussballbegeisterter Mann einst dem Familienbesitz hinzugefügt.

Keine Zeit für Musse

Margarita Louis-Dreyfus erwartet Zwillinge, laut einem Vertrauten zwei Mädchen. Der Vater ist Ex-Nationalbankchef Philipp Hildebrand (52), heute Vize­präsident beim Vermögensverwaltungsriesen BlackRock. Er residiert in London, doch weil auch er oft unterwegs ist, trifft sich das Paar oft mal am Rande einer Geschäftsreise. Der Zeitung «Blick» schickte ein Leser im letzten November ein Bild, das die beiden bei einem Spaziergang im Central Park in New York zeigt.

Zeit für Musse hat Margarita Louis-Dreyfus derzeit allerdings wenig – in ihrer Firma steht eine entscheidende ­Umbauphase an. Ende Januar berichtete das Newsportal Bloomberg, Louis Dreyfus Commodities wolle sich vor allem auf die Kernaktivitäten konzentrieren und für die anderen Bereiche strategische Partner suchen. Bisher war zwar bereits von der Suche nach Partnern zu lesen gewesen, doch dies hatte sich stets auf eine mögliche Beteiligung am Gesamtkonzern bezogen und nicht auf die Business Units.

Der Plan würde sehr gut ins Denkschema von Margarita Louis-Dreyfus passen, kann sie so doch Partner und ­frisches Geld an Bord holen, ohne ihre Gesamtmacht zu mindern. Louis Dreyfus Commodities wollte auf Anfrage der ­«Bilanz» keine Stellung nehmen.

Der Konzern will sich neu positionieren

Bloomberg berichtet mit Bezug auf mehrere interne Quellen, der 1851 ge­gründete Handelskonzern wolle sich auf die Einheiten Getreide, Ölsaaten, Baumwolle, Zucker und Kaffee fokussieren. Die als «non-core» identifizierten Bereiche Milchprodukte, Dünger, Orangensaft und Metall sollen in Partnerschaften eingebracht werden. Plausibel ist dies auch deshalb, weil gewisse Bereiche schon abgetrennt wurden, etwa der Metallhandel, der als eigenständige Einheit ­geführt wird. All dies sei Teil eines grossen Plans, intern «Vision 2015» genannt.

Klar ist, dass sich der Konzern grundsätzlich neu positionieren will. Denn der Kampf in der Branche ist hart. Rund ein Drittel des weltweiten Handels mit Agrarrohstoffen von jährlich mehr als 1000 Milliarden Dollar wird von den vier «ABCD-Unternehmen» kontrolliert. Die Buchstaben stehen für Archer Daniels Midland (ADM), Bunge, Cargill und Louis Dreyfus Commodities. Mit rund 22'000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 65 Milliarden Dollar ist Louis Dreyfus Commodities die kleinste der vier. Das Unternehmen gilt zwar als kapitalstark, doch bei der Gewinnmarge hatten ADM und Bunge zuletzt die Nase meist vorn.

Im September 2015 besetzte Margarita Louis-Dreyfus den lange verwaisten CEO-Sitz mit einem Mann ihres Vertrauens. Er heisst Gonzalo Ramirez Martiarena und war zuvor Leiter des Asien­geschäfts. Der Neue soll nun Gas geben und die Konkurrenten wieder abhängen. Sie selber, bislang Präsidentin der Louis Dreyfus Holding, übernahm auf diesen Zeitpunkt hin auch bei Louis Dreyfus Commodities das Präsidium.

Schnelle Auffassungsgabe

In der Welt der Grosskonzerne hat sich Margarita Louis-Dreyfus schnell zurechtgefunden. Dies auch deshalb, weil sie Informationen regelrecht aufsaugt und zudem auf erfahrene Player in ihrem Umfeld hört, wie ein Ver­waltungsrat gegenüber ­«Bilanz» ­betont.

Zu den wichtigen Stützen gehört auch Philipp Hildebrand, den sie am WEF im Januar 2013 kennen gelernt hat. Laut der Zürcher Hotelbesitzerin Ljuba Manz, einer engen Freundin der Russin, ist Hildebrand für Margarita Louis-Dreyfus auch in geschäftlichen Fragen ein Rat­geber. Mit seiner Schlüsselposition in der Finanz­industrie verfüge Hildebrand ja auch über die ­nötige ­Urteilsfähigkeit in derlei Fragen.

Unter den Reichsten der Schweiz

Dabei achte er aber akribisch darauf, keinerlei Interessenkonflikt zwischen ­seiner Tätigkeit bei BlackRock und der Beziehung mit Margarita Louis-Dreyfus aufkommen zu lassen. Kein Wunder: Hildebrand ist ein gebranntes Kind, waren es doch die Devisengeschäfte seiner Ex-Gattin Kashya (54), die ihn als Chef der Nationalbank in ein schlechtes Licht rückten und letztlich dazu führten, dass er sein Amt 2012 räumen musste.

Laut Zeitungsberichten lebt er seit Mai 2013 von seiner Gattin getrennt. Er hat aus dieser Ehe eine Tochter, die 15-jährige Natalia. Margarita Louis-Dreyfus hat aus der Ehe mit Robert drei Söhne: Eric (23) sowie die Zwillinge Maurice und Kirill (18). Mit 2,5 bis 3 Milliarden Franken Vermögen gehört sie zu den 300 Reichsten der Schweiz. Das Vermögen von Philipp Hildebrand liegt – geschätzt – im tiefen zweistelligen Millionenbereich.

 

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