Der Staat bekämpft die Gesundheitskosten. So dürfen viele Operationen nur noch ambulant durchgeführt werden. Kann so noch Geld verdient werden?
In der Tat hat sich unsere Profitabilität in den letzten Jahren verschlechtert. Lag im Vorjahr die Ebitda-Marge bei 18,3 Prozent, so sind es heute noch gut 16 Prozent.

Wie reagieren Sie darauf?
Unter anderem mit Kosteneffizienz.

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Dann leidet die Qualität.
Nein. Viele Einsparungen betreffen Verwaltungskosten. Die Beurteilung der Behandlungsqualität durch die Patienten ist nach wie vor ausgezeichnet. Das Beispiel der ­ambulanten Behandlungen zeigt, dass dieser medizinische Trend ­richtig ist: Die Leistungen sind nicht schlechter, aber günstiger.

Daniel Liedtke

Daniel Liedtke: Der 49-jährige Doctor of Business Administration ist seit Januar 2019 CEO der Privatklinikgruppe Hirslanden. Die Gruppe umfasst 18 Kliniken in 11 Kantonen und zählt 10 400 Mitarbeitende.

Quelle: Judith Stadler & André Uster

48,7 Prozent Ihrer Patienten sind allgemein versichert. Wäre es nicht lukrativer, sich auf Privatpatienten zu konzentrieren?
Die Behandlung allgemein versicherter Patienten ist ein Beitrag an die Lebensqualität der Bevölkerung. Ich kann mir nicht vorstellen, nur noch Patienten zu behandeln, die es sich leisten können. Dafür ist unsere Aufgabe zu wichtig.

Wie bitte? Sie sind eine private Gruppe, müssen für den Aktionär, Mediclinic, Geld verdienen.
Mediclinic unterstützt unsere ­Positionierung und hat kein ­Interesse an einer kurzfristigen Investitionsstrategie. Nur wenige Prozent des Gewinns gingen in den letzten Jahren als Dividende an die Aktionäre.

Als reiner Privatanbieter wäre das Profil schärfer.
Für uns sind beide Segmente wichtig und zukunftsträchtig. Ich vergleiche uns gerne mit einer Qualitätsairline: Da gibt es auch First, Business und Eco.

Goldstandard im Krankenhaus

Business-Suiten, Gourmetmenus, Limousinenservice: Neben Privatkliniken umgarnen auch öffentliche Spitäler die Privatversicherten mit allen Annehmlichkeiten von Luxushotels. Mehr vom Goldstandard im Krankenhaus lesen Sie hier.

Müsste man als privater Klinikbetreiber nicht vor allem auf ­reiche Patienten aus dem Ausland setzen?
Bei uns bewegen sich internationale Patienten im einstelligen Prozentbereich. Es gibt gar nicht so viele, die gewillt sind, zu reisen, die meisten wollen primär vor Ort betreut werden, wo auch die Familie ist. Aber wir bieten weltweit stärker digitale Leistungen an, wie beispielsweise in der Telemedizin.

Wie funktioniert das?
Indem etwa Krebsbestrahlungen in Dubai von unserem Onkologie-Board hier besprochen und analysiert ­werden. Solche Leistungen werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen.