Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte? Seit Monaten kämpfen die beiden lokalen mobilen Bezahlmodelle Twint und Paymit um die Gunst der Schweizer Konsumenten. Nun gibt es Konkurrenz aus dem Ausland – und die hat es in sich: Der US-Konzern Apple hat die Marke Apple Pay in der Schweiz registrieren lassen. Wann die Bezahlapp des Tech-Giganten tatsächlich für Schweizer Kunden verfügbar sein wird, wollte Apple Schweiz auf Nachfrage noch nicht kommunizieren.

Der Eintrag im Register des Eidgenössischen Instituts für geistiges Eigentum zeigt jedoch, dass der Konzern auf weit mehr setzen will, als Mobile Payment: «Finanzwesen; Finanztransaktionen; Dienstleistungen in Bezug auf die online-Bezahlung von Rechnungen; Bereitstellen von sicheren Handelstransaktionen; Abwicklung von Zahlungen mit Debit- und Kreditkarten; elektronische Zahlungsdienste», heisst es dort. Apple Pay soll laut dem Online-Portal Finews das Fundament für eine komplette Finanzplattform sein.

Bereits vorinstalliert

Sollte das Bezahlsystem demnächst die Schweiz erobern, dürften sich die beiden jetzigen Anbieter von Mobile Payment warm anziehen müssen. «Let the Payment war begin» («Lasst den Bezahl-Krieg beginnen»), kündigte Fintech-Experte Marc P. Bernegger auf Twitter bereits an – und fügte gegenüber handelszeitung.ch hinzu: «Der Eintritt eines globalen Riesens wie Apple würde den Markt komplett verändern.»

Apple Pay würde die Akzeptanz vom mobilen Zahlen beim Endkunden auf einen Schlag massiv erhöhen, so Bernegger. Ausserdem sei die enge Verzahnung mit dem iPhone bei Apple Pay unschlagbar, so der Experte. Bei iPhones wäre Apple Pay vorinstalliert – man bräuchte also keine eigene App mehr herunterladen, um zu bezahlen.

Apple blockiert die Konkurrenz

Dazu kommt ein technischer Aspekt der für Apple Pay spricht: Analysten der Technologieberaters Ovum sagen voraus, dass die meisten Anbieter in Zukunft die sogenannte Near Field Communication (NFC) nutzen werden, die auch bei Kontaktlos-Kreditkarten verwendet wird. Bei NFC kann via Funktechnologie also direkt an der Kasse gezahlt werden, es braucht keine eigenen Terminals.

Die Technologie ist auf den neusten Apple-Geräten installiert – Apple verweigert aber Paymit und Twint den Zugriff auf diesen Standard. Paymit setzt daher für Zahlungen auf QR-Codes, Twint auf Bluetooth und QR-Codes. Via Apple Pay könnte auf dem iPhone dann via NFC gezahlt werden. 

Da die Schweiz ein iPhone-Land ist – Comparis zufolge mit einem Marktanteil von 54 Prozent – dürfte das beim Konsumenten für Apple Pay sprechen. «NFC hilft sicher», sagt auch Experte Bernegger. «Allerdings deckt man damit noch nicht alle Smartphones ab. Deshalb ist die Verbreitung der Apps das Wesentliche.»

Konsolidierung des Marktes in Aussicht

Bedeutet der Einzug von Apple Pay also das Ende für die Schweizer Anbieter? Andreas Kubli, Group Managing Director bei der UBS und Paymit-Mitgründer, sagte noch vor einigen Tagen, er rechne damit, dass sich höchstens ein lokales Bezahlmodell durchsetzen wird. Das heisst: Auch die Macher selbst sind ob der Konkurrenz aus dem Ausland alarmiert. 

Fintech-Kenner Bernegger stimmt dem zu: «Langfristig glaube ich, dass sich maximal eine nationale Lösung durchsetzt.» Er geht sogar einen Schritt weiter: «Es ist auch nicht auszuschliessen, dass es irgendwann sogar nur noch internationale Lösungen gibt – wir haben ja auch keine lokalen Kreditkarten.»

Neben Apple könnten diese internationalen Anbieter ebenso Samsung oder Google sein, sollten sie ihre Bezahlsysteme in die Schweiz ausdehnen. Der lokale Markt dürfte sich dann konsolidieren.

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