Die Sorgen in der deutschen Autobranche sind gross. Vor allem die kürzlich noch gefeierten Schwellenländer bereiten Probleme: Russland erwägt ein Importverbot für westliche Autos. Galt das Land einst als Hoffnungsträger, lahmen die Verkäufe nun: Mit 81’000 Fahrzeugen lag das Absatzvolumen im Juli 23 Prozent unter dem Vorjahresniveau. 2014 wurden in Russland bislang fast zehn Prozent weniger Autos verkauft.

Hinzu kommen schmerzhafte Sanktionen in China: Die dortigen Wettbewerbshüter Kartellbehörden werfen mehreren Herstellern vor, zu hohe Preise für Ersatzteile, Service oder die Autos selbst zu verlangen. Betroffen sind unter anderem Mercedes Benz und Audi. Strafen von mehreren hundert Millionen Euro stehen im Raum.

VW will bis 2017 rund fünf Milliarden Euro einsparen

Doch die Absatzschwierigkeiten mehren sich rund um den Globus: Wie das Car-Institut der Uni Duisburg-Essen jüngst prognostizierte, könnte sich das Wachstum bei den weltweiten Autoverkäufen von fünf Prozent  im ersten auf ein Prozent im zweiten Halbjahr abschwächen. Entsprechend hart wollen Konzernlenker wie VW-Boss Martin Winterkorn und Daimler-Chef Dieter Zetsche gegensteuern. Europas grösster Autokonzern Volkswagen gab nun die Marschroute aus, bis 2017 rund 5 Milliarden Euro einsparen zu wollen.

An den Börsen sorgten diese Negativmeldungen bei den Autobauern zuletzt für mittelschwere Turbulenzen. In Geiselhaft stehen die Schweizer Zulieferer: So ging es etwa bei Georg Fischer seit dem Juli-Hoch um 10 Prozent bergab, bei Autoneum in der Spitze sogar um etwa 20 Prozent.

Schweizer Zulieferer wurden verschont - bislang

Dabei drohen die realen Probleme erst noch. Denn bislang standen die Schweizer Zulieferer bei Kostensenkungsprogrammen dieser Art kaum im Fokus der Autokonzerne. Damit dürfte nun Schluss sein. Die anstehenden Sparrunden werden erstmals auch «mit harten Einschnitten für die Schweizer Zulieferer verbunden sein», analysiert die Beratungsfirma Staufen.

Bislang ging es den deutschen Autobauern wie VW, Daimler und Porsche noch vorranging um Innovationen, bei denen die Schweizer Branche mit ihren 24'000 Mitarbeitern glänzen konnte. Jetzt aber sollen die Kosten runter. «Und hier haben gerade Schweizer Unternehmen im Gegensatz zu ihren deutschen Konkurrenten noch Potenziale, wurden sie bisher von den sogenannten Zulieferer-Entwicklungsprogrammen doch verschont», sagt Alexander von Jarzebowski, Geschäftsführer von Staufen Schweiz.

Handeln, bevor der Druck von aussen kommt

Und die veränderte Welt der deutschen Autobauer wird hierzulande auch Jobs kosten: Rund drei bis sechs Prozent der Arbeitsplätze in der Schweizer Zuliefererbranche sind wegen des Sparkurses laut der Unternehmensberatung gefährdet. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich abgebaut werden müssen, hängt davon ab, wie viel die Schweizer Firmen zur Wertschöpfung der Autos beitragen und ob sie neben den Fahrzeugbauern noch ausreichend Kunden aus anderen Branchen haben.

Seiner Analyse zufolge lassen sich bei Schweizer Automobilzulieferern noch Produktivitätssteigerungen von 30 Prozent realisieren, «die Durchlaufzeiten können um 30 bis 50 Prozent verringert werden, wenn die Prozesse effizienter gestaltet werden». Deshalb empfiehlt Staufen Schweiz den hiesigen Autozulieferern, ihre Prozesse selbst auf den Prüfstand zu stellen – bevor der Druck von aussen zunimmt.

Nur so liesse sich vermeiden, dass die deutschen Manager selbst in die Schweiz kommen und den Rotstift schwingen.

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