Der Kampf von Thomas Jordan um die Kontrolle über den Wechselkurs des Schweizer Franken zeigt, wie unerbittlich die Devisenmärkte sein können. Erstmals seit April letzten Jahres hat der Franken in zwei aufeinanderfolgenden Monaten - Mai und Juni – gegenüber dem Euro nachgegeben. Doch das hält die Devisenhändler keineswegs davon ab, auf die nächste Rally der eidgenössischen Währung zu lauern. Optionspreise belegen, dass nach wie vor gute Chancen auf eine Aufwertung bis zur Parität im kommenden Jahr bestehen. Am Dienstag dieser Woche notierte der Franken bei 1,06 Euro.

Die Hartnäckigkeit, mit der auf einen starken Franken spekuliert wird, stellt den Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank auf eine harte Probe. Selbst mit negativen Zinssätzen und Interventionskäufen ist ihr schwer beizukommen. Andere Notenbanken, die ihre Wechselkurse durch die Anbindung an fremde Währungen kontrollieren wollen – wie die dänische – oder durch Obergrenzen – wie die tschechische – haben hier ein warnendes Beispiel vor Augen.

«Macht einer Zentralbank ist offensichtlich begrenzt»

«Wir haben von der SNB gelernt, dass die Vorstellung, eine Zentralbank habe unbegrenzte Macht, eine starke Währung zu verhindern, offensichtlich falsch ist», sagte Petr Krpata, Devisenstratege bei der ING Groep in London. «Sie können offensichtlich nicht unbegrenzt intervenieren.» Krpata rechnet damit, dass der Franken binnen sechs Monaten die Parität zum Euro erreicht.

Die unerwünschten Folgen der Frankenstärke wurden Jordan vergangenen Freitag vor Augen geführt, als die SNB für das erste Halbjahr einen Verlust in Rekordhöhe vorlegte. Spekulationen, wonach der Notenbank die Munition ausgehe, um weitere Kursgewinne zu bekämpfen, trieben den Frankenkurs vorübergehend weiter nach oben.

Inverventionen wirken nur auf Zeit

Die SNB kann durch den Verkauf von Franken deshalb nicht unbegrenzt intervenieren, weil dabei ihre Bilanz durch Fremddevisenbestände aufgebläht wird. Werden diese Fremddevisen irgendwann verkauft, entsteht Aufwertungsdruck für die eigene Währung, argumentiert die Commerzbank AG.

«Vielleicht können sie die Frankenstärke auf kurze Sicht eindämmen, aber wir wissen, dass ihnen das nicht auf Dauer gelingen wird», sagte Thu Lan Nguyen, Strategin bei der Commerzbank in Frankfurt, die die Parität zum Jahresende erwartet. «Sie müssten dann wieder anfangen zu intervenieren und wären wieder zurück im Teufelskreis. Sie intervenieren, die Bilanzsumme nimmt zu, das wollen sie nicht und sie hören wieder auf. Und Euro-Franken bricht wieder ein.»

Franken hat am stärksten aufgewertet

Jordan sagte im Juni, der Franken sei überbewertet und er werde wenn nötig intervenieren. In den vergangenen beiden Monaten hat sich die Währung in die gewünschte Richtung bewegt. Die Nachfrage nach einem sicheren Hafen ging zurück als ein neues Rettungsprogramm für Griechenland näher rückte, und der Franken gab gegenüber dem Euro 2,7 Prozent nach. Seit September 2011 hat der Franken in zwei Monaten nicht mehr in diesem Umfang abgewertet. Damals führte die SNB den Mindestkurs ein, nachdem Investoren auf der Flucht vor der europäischen Schuldenkrise den Franken bis auf ein Prozent unter die Parität zum Euro trieben.

Dennoch wird der Franken immer noch 12 Prozent über dem mittlerweile aufgegebenen Mindestkurs gehandelt. Seit Jahresbeginn hat keine wichtige Währung stärker aufgewertet als der Franken.

«Der Markt vergibt nie»

Aus Optionspreisen ergibt sich nach Bloomberg-Daten eine Wahrscheinlichkeit von 52 Prozent dafür, dass der Franken innerhalb der nächsten zwölf Monate auf Parität zum Euro steigt. Streckt man den Zeithorizont auf zwei Jahre, klettert die Wahrscheinlichkeit sogar auf 69 Prozent.

Seit die SNB den Mindestkurs aufgegeben hat, nehmen die Investoren die Obergrenze der tschechischen Republik unter Beschuss. Tschechien musste in den vergangenen Wochen intervenieren, um die Währung schwächer als 27 Kronen je Euro zu halten. Das Beispiel Schweiz zeigt, was auf dem Spiel steht. Der starke Franken hat dazu beigetragen, die eidgenössische Volkswirtschaft an den Rand ihrer zweiten Rezession innerhalb von sechs Jahren zu treiben.

«Der SNB scheint im Kampf gegen die Frankenstärke die Kraft auszugehen», sagte Ipek Ozkardeskaya, Strategin bei der London Capital Group, die für die kommenden sechs Monate mit einem Frankenkurs zwischen 1,03 und 1,05 rechnet. «Der Markt vergibt nie. Sobald er einen Schwachpunkt identifiziert, nutzt er ihn aus. Das ist die Regel in diesem Spiel.»

(bloomberg/ccr)

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