Philippe Gaydoul hat viel Zeit verloren. Kein gutes Omen im hart umkämpften Uhrenmarkt. Ende 2010 löste er seinen Freund und Mitinvestor Thomas Matter als Grossaktionär der defizitären Uhrenmarke Hanhart ab, doch drei Jahre später sieht das Ergebnis desolat aus: Ein Millionenverlust belastet die Marke. Firmenchef Thomas Morf quittierte Anfang 2013 im Zwist mit Gaydoul den Job und zog den Grossteil des Führungsteams mit sich. Seither richtet Berater und Uhrenmanager Jan Edöcs Hanhart neu aus – allerdings endet sein Vertrag mit diesem Jahr. Gaydoul braucht eine Lösung und hat zumindest eine griffbereit.

Der Denner-Erbe, der den Discounter vor Jahren losschlug, testet für Hanhart den Befreiungsschlag. Seit Wochen spricht der 41-Jährige mit verschiedenen Seiten über neue Wege für sein Uhrengeschäft. Nun hat er einen grossen Kaufinteressenten: den Schweizer Handelskonzern DKSH. Bis Weihnachten, so lautet die Wunschidee beider Seiten, soll ein Verkaufsvertrag stehen. Weder Gaydoul noch DKSH wollten dies kommentieren. So ­lädiert, wie die Uhrenmarke derzeit ist, muss sich Gaydoul beim Zuschlag für DKSH mit relativ wenig Geld zufriedengeben. Andere Interessenten allerdings dürften kaum mehr lockermachen.

Gaydoul, der rund 80 Prozent der Hanhart-Anteile hält – Thomas Matter hält etwas über zehn Prozent –, könnte immerhin mit dem Verkauf von Hanhart eine Baustelle in seinem Firmenkomplex schliessen. Überall knirscht es, die Chefs sämtlicher Marken sind abgeräumt: Bei der Strumpffirma Fogal griff der Wechsel schon 2012, bei der Schuhmarke Navyboot übernahm Gaydoul dieses Jahr gleich selbst den Chefposten, um diese neu auszurichten. Auch im Modehaus Jet Set will er eine neue Strategielinie.

Für DKSH-Chef Jörg Wolle bietet Hanhart eine Gelegenheit, auf seinem Spezialterrain zu punkten. Der Handelskonzern ist auf Asien ausgerichtet und hilft dort durch sein exzellentes Netzwerk Firmen der Luxus- und Konsumgüterbranche wie auch der Bereiche Pharma und Spezialrohstoffe beim Markteintritt oder Vertrieb.

Auch Uhrenunternehmen gehören ins DKSH-Reich. So vertreibt der Konzern etwa Breitling und Davidoff in Asien. ­Zugleich kaufte Wolle kürzlich mit DKSH Anteile an kleineren Uhrenfirmen aus der Schweiz und hält die Mehrheit an der Marke Maurice Lacroix. Hanhart hingegen wird von Kunden als deutsche Marke wahrgenommen; die Uhren werden auch in Deutschland produziert. Auf diese Historie begann der neue Hanhart-Chef Edöcs bereits wieder aufzubauen. Mit Maurice Lacroix und Hanhart unter einem Dach könnte DKSH ihren Kunden in Asien das Beste aus beiden Uhrenwelten anbieten: aus der Schweiz und Deutschland. 

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