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SNB-Entscheid 
Der Euro-Mindestkurs ist Geschichte

SNB: Die Nationalbank überrascht die Märkte.   Keystone

Paukenschlag bei der Schweizer Nationalbank: Die SNB hebt den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro überraschend auf. Der Euro fiel vorübergehend auf unter 1 Franken.

Veröffentlicht 15.01.2015

Der Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken ist Geschichte. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die im September 2011 eingeführte Untergrenze am Donnerstag überraschend per sofort aufgehoben. Die Devisenkurse reagierten stark und die Schweizer Börse erlebte einen massiven Taucher.

Die SNB begründete das Aus für den Euro-Mindestkurs unter anderem mit dem Erstarken des US-Dollars. Die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume hätten sich in letzter Zeit markant verstärkt und dürften sich noch weiter akzentuieren.

Der Euro habe sich gegenüber dem Dollar deutlich abgewertet, wodurch sich auch der Franken zur US-Währung abgeschwächt habe, schreibt die SNB in ihrem Communiqué. Die Nationalbank sei daher zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sei.

SNB: Wirtschaft konnte sich einstellen

Der Franken bleibt nach Ansicht der SNB zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert. Die Wirtschaft habe diese Phase nutzen können, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Die Währungshüter verteidigten rückblickend die Massnahme: Der Mindestkurs sei in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und grösster Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt worden. "Diese ausserordentliche und temporäre Massnahme hat die Schweizer Wirtschaft vor schwerem Schaden bewahrt", hält die SNB fest.

Im Kampf um die Durchsetzung des Mindestkurses hat die SNB wiederholt in den vergangenen Jahren am Devisenmarkt intervenieren müssen. Daher sind die Devisenbestände der SNB auf gegen 500 Mrd. Fr. angeschwollen. Zuletzt profitierte sie von der Aufwertung der Dollar-Anlagen, was ihr einen Jahresgewinn von 38 Mrd. Fr. bescherte. Nun drohen aber markante Verluste auf den Euro-Beständen.

Finanzmärkte reagieren heftig

Die Finanzmärkte reagierten heftig: So stürzte der SMI innert Minuten um über 600 Punkte ab. Wenige Minuten nach der Ankündigung sackte der Schwergewichte-Index SMI der Schweizer Börse am Donnerstag teilweise um bis zu 7 Prozent ab. Um 11.45 Uhr notierten SMI und SPI gar um über 8 Prozent tiefer.

Der Kurs des Euro zum Franken ist nach der Freigabe des Mindestkurses von 1,20 Fr. pro Euro durch die SNB zwischenzeitlich unter die Parität gefallen.

Der Euro fiel kurzzeitig unter die Parität zum Franken. Danach wurde er wieder leicht über dem Gleichstand zu 1,05 Fr. gehandelt. Auch der US-Dollar hat sich zur Schweizer Währung verbilligt. Er stürzte von rund 1,02 Fr. kurzfristig auf bis gegen 70 Rappen. Danach erholte er sich etwas auf 0,86 Rappen.

Händler am Devisenmarkt zeigten sich überrascht und fürchteten um die Glaubwürdigkeit der Notenbank. Ihm "fehlten die Worte", meinte ein Händler. "Das, was nicht passieren durfte, ist eingetreten - die Spekulanten haben gegen die Nationalbank gewonnen", kommentierte er. Damit sei die Glaubwürdigkeit der SNB dahin.

Zinssenkung

Die SNB will nach eigenen Angaben bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv bleiben. Damit die Aufhebung des Mindestkurses nicht zu einer unangemessenen Straffung der monetären Rahmenbedingungen führt, senkte die SNB zudem die Zinsen deutlich. Der Zins der Bankguthaben auf den Girokonten wurde um weitere 0,5 Prozentpunkte auf -0,75 Prozent reduziert.

Das Zielband für den Leitzins, den Dreimonats-Libor, verschiebt sie damit weiter in den negativen Bereich auf -1,25 bis -0,25 Prozent. Die SNB hatte im Dezember angekündigt, Negativzinsen einzuführen.

Was die internationalen Medien zum Entscheid sagen, sehen Sie in der Bildergalerie unten.

(sda/ccr)

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