1. Home
  2. Unternehmen
  3. Der Ehrgeiz des Patrons

Schindler 
Der Ehrgeiz des Patrons

Schindler
Enge Vertraute: Der neue Präsident Silvio Napoli (l.) und Patron Alfred Schindler sehen es gleich: Ein Going Private wäre wünschenswert, aber sehr teuer.Quelle: Keystone .

Die stete Stärkung des Aktienanteils und neu Going-Private-Ideen zeigen: Alfred ­Schindler strebt nach der bedingungslosen Macht.

Erik Nolmans
Von Erik Nolmans
04.08.2018

Es war Silvio Napoli, der 2017 Alfred Schindler als Präsident ersetzte und das Lieblingsthema seines Vorgängers anheizte: «Ein Going Private ist eine Option. Es würde uns viel Freiheit zurückgeben», liess er in einem Interview wissen. Damit sprach er dem Patron aus dem Herzen, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass ihm ein Rückzug von der Börse am liebsten wäre. Napoli relativierte aber, dass dies im Moment extrem teuer wäre. Konkrete Pläne gebe es nicht.

Doch der Wunsch passt gut zum Ziel, das Alfred Schindler schon seit Jahren verfolgt: der Griff nach der bedingungslosen Macht. Heute halten die in einem Pool vereinten Familien Schindler und Bonnard mit 71,1 Prozent bereits eine beachtliche Mehrheit. Ein intimer Kenner des Unternehmens hat BILANZ vor fünf Jahren verraten, dass sich der 69-Jährige das Langzeitziel gesetzt habe, allein – also ohne die Aktien anderer Familienmitglieder – über 50 Prozent der Stimmrechte zu erlangen. Nicht wegen Dissonanzen im Pool, sondern wegen seines Willens zur Kontrolle.

Über das Stimmenverhältnis im Pool schweigt sich Schindler aus. Auffallend ist aber, dass er – in kleinen Schritten – ­seinem Ziel immer näher kommen dürfte. Erstens hat das Unternehmen in den ­letzten Jahren durch Aktienrückkaufprogramme die Stimmkraft von Alfred Schindler indirekt gestärkt, denn im kleiner gewordenen Korb ist das relative Gewicht seiner Aktien gestiegen. Zweitens kauft der Familienpool als Ganzes weiter zu: Die Anzahl der Aktien stieg von 47 655 782 Ende 2016 auf 47 661 559 Ende 2017. Verfügten die Familien Schindler und Bonnard vor fünf Jahren noch über 67,3 Prozent der Stimmen, so sind es heute 71,1 Prozent.

Das Bestreben nach der Mehrheit steht aber im Gegensatz zur immer noch ungeklärten Nachfolge in seinem Zweig. Weder Tochter Caroline noch Sohn Paul wird das Format nachgesagt, in die Fussstapfen des Vaters zu treten, der den Liftbauer in den letzten Jahrzehnten zu einem internationalen Schwergewicht geformt hat. Paradoxerweise ist es der Bonnard-Zweig, der gleich mehrere vielversprechende Sprösslinge im Unternehmen beschäftigt, etwa Carole Vischer und Tobias Staehelin im Gruppen-Verwaltungsrat.

Anzeige