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Das Schweizer Illy-Label: Der wunde Punkt von Ernesto

Der Triester Illy-Kaffee ist in der Schweiz nur unter der Marke Amici Caffè zu haben. Wie es dazu kam.

Veröffentlicht 29.09.2004

An der Gründung des Triester Kaffeehauses waren ursprünglich drei Familien beteiligt: Illy, Hausbrandt und Seitz. Die Familie Seitz zog nach Thalwil ZH, um von dort aus den Schweizer Markt zu erobern. Als sich Ernesto Illy in den Sechzigerjahren aus der Schweiz zurückzog, um sich ganz auf seine Aufgabe im Triester Stammhaus zu konzentrieren, wurde die Firma aufgeteilt. Illycaffè in Triest bekam die Rechte am Markennamen für den weltweiten Markt – mit Ausnahme der Schweiz. Dass seither in der Schweiz unter dem gleichen Namen und dem gleichen Firmenlogo ein Kaffee verkauft wird, der nicht aus seiner Rösterei kommt, ist für Ernesto Illy ein wunder Punkt. Zwar ist auch sein Kaffee wieder in der Schweiz im Handel, allerdings unter der Marke Amici Caffè. Ernesto Illy möchte das ändern, aber die Chancen stehen nicht so gut.

Eine wichtige Rolle spielte Carlo Seitz (95). Er war in den Sechzigerjahren Ernesto Illys Geschäftspartner und ist seit 1969 alleiniger Inhaber der Kaffeerösterei Illy in Thalwil. Sohn Riccardo Seitz, Jurist, und der Kaufmann Erich Isler sind Teilhaber und leiten heute erfolgreich die Rösterei, welche in allen Landesteilen der Schweiz aktiv ist: Die Filiale in Pully betreut die Romands, über die Firma Cavis wird das Tessin bearbeitet.

Mit der Familie Illy in Triest stehe man «sporadisch in Kontakt» und tausche gegenseitig Informationen aus, sagt Riccardo Seitz. «Diesen informellen Know-how-Transfer mit unserem Mitwettbewerber schätzen wir sehr.»

Weder Riccardo Seitz noch Erich Isler können sich an die Zusammenarbeit von früher erinnern: «Wir haben darüber aus Erzählungen Kenntnis», sagen sie, «wir leben als junge Generation jedoch nicht vergangenheits-, sondern zukunftsgerichtet.»

Mit 30 Mitarbeitern konnte Illy Schweiz letztes Jahr einen Umsatz von zehn Millionen Franken und einen Cashflow von zehn Prozent erzielen. 600 Tonnen Kaffee wurden an 1500 Gastronomie- und 4000 Privatkunden geliefert. Acht Prozent des Umsatzes gehen unter den Markennamen Bonsol und Beletage in Exportländer wie die USA, Deutschland, Südkorea, Singapur, Israel und Spanien.

Die Triester Illycaffè wäre an einer Kooperation, ja gar an einem Zusammenschluss interessiert – ein Thema für Illy Schweiz? Nein, sagen Riccardo Seitz und Erich Isler übereinstimmend. Eine Kooperation ist für sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht entscheidend: «Die Arbeitsplätze, die wir geschaffen haben, wollen wir weiterhin im Rahmen unseres unternehmerischen Auftrags ausbauen und sichern.»

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