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Das haben die Schweizer Chefs 2016 verdient

2013 wurde die «Abzockerinitiative» angenommen. Was hat sie bewirkt? Nicht viel. Denn gesunken sind die Managerlöhne freilich nicht wie ein Vergleich zeigt. Von Spitzenverdienern in den Teppichetagen.

6,3 Millionen Franken: So viel haben die Chefs der wichtigsten börsenkotierten Schweizer Unternehmen 2016 verdient. Das sind fast 5 Prozent mehr als noch 2015. Mehr als die Hälfte der untersuchten Unternehmen haben die Cheflöhne erhöht.

Spitzenverdiener unter den Konzernchefs bleibt UBS-Chef Sergio Ermotti. Das zeigt ein Vergleich der Nachrichtenagentur sda unter den 28 Konzernen im Börsenindex Swiss Leader Index (SLI), die ihre Geschäftsberichte bereits veröffentlicht haben.

Ermotti erhielt zwar mit 13,7 Millionen Franken rund 4 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Doch seine Lohntüte ist erneut praller gefüllt als diejenige von Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam sowie diejenige der beiden Chefs der grössten Schweizer Phamakonzerne. Novartis-Chef Joseph Jimenez und Roche-Chef Severin Schwan kassierten 2016 jeweils knapp 12 Millionen Franken.

Weniger Boni nach schlechtem Jahr

Schlusslicht unter den SLI-Konzernkapitänen ist Aryzta-Chef Owen Killian mit 1,5 Millionen Franken. Der Backwarenkonzern-Manager musste nach miserablen Zahlen nicht nur auf seinen Bonus verzichten, sondern inzwischen auch seinen Platz räumen. Seit 2012 hat er immer wieder die Ziele verfehlt und seither keine neuen Boni mehr zugesprochen bekommen.

Auch Swatch-Chef Nick Hayek hat zumindest auf einen Teil seiner Boni verzichtet, weil es 2016 schlechter lief. Deshalb schrumpfte sein Lohn um 11 Prozent auf 6,1 Millionen Franken. Bei anderen Firmen führte ein Chefwechsel während des Jahres zu tieferen Lohnbezügen der CEOs.

Konzernleitungsmitglieder hatten das Nachsehen

Stärker als die Chefs bekamen aber die anderen Konzernleitungsmitglieder schlechtere Unternehmenszahlen im Portemonnaie zu spüren. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die durchschnittlichen Bezüge für Konzernleitungsmitglieder (ohne CEO) um 6 Prozent, während die Chefgehälter um 5 Prozent stiegen.

Ein Beispiel: Während Paul Bulcke in seinem letzten Jahr auf dem Nestlé-Chefposten dank höheren Pensionskassenzahlungen 0,4 Prozent mehr verdiente, wurden die Gehälter seiner Konzernleitungskollegen im Schnitt um 14 Prozent gekürzt.

Allerdings lassen sich die Löhne aufgrund von Wechseln im Management nicht eins zu eins vergleichen. Überhaupt ist beim Vergleich Vorsicht geboten: Ein Teil der Bezahlung erfolgt häufig in Aktien. Da diese meist für einige Jahre gesperrt sind und somit erst zeitverzögert zu Geld gemacht werden können, hängt ihr Wert von der Berechnungsmethode ab.

Minder-Intiative ohne Wirkung

Eine generelle Tendenz lässt sich gleichwohl aus den Statistiken ableiten. Diese zeigt, dass sich die Höhe der Löhne kaum substanziell verändert hat - obwohl die Schweizer Stimmbürger 2013 die sogenannte «Abzockerinitiative» des heutigen Schaffhauser Ständerats Thomas Minder angenommen haben.

Tatsächlich verdienten die SLI-Konzernchefs im Schnitt 2016 sogar mehr als 2012, im Jahr vor der Abstimmung. 13 Unternehmen zahlten höhere Cheflöhne. Bei vielen davon handelt es sich um stark gewachsene Konzerne.

Beispielsweise führt Dufry-Chef Julián Díaz heute ein Unternehmen, das mehr als doppelt so viel Umsatz und beinahe dreimal so viel Gewinn (ohne Sondereffekte) erzielt als noch 2012. Díaz' Bezüge stiegen in dieser Zeit um das Dreifache.

Der Zementriese Holcim wurde durch die Fusion mit Lafarge zu einem noch grösseren Giganten. Chef Eric Olsen verdient fast doppelt so viel wie Holcim-Chef Bernard Fontana vier Jahre zuvor.

Nur eine happige Einbusse

Auf der anderen Seite gab es leichte Einbussen bei den Topverdienern von Novartis, Roche, ABB, Nestlé und Julius Bär. Unter den langjährigen Firmenchefs musste indes nur einer eine starke Einbusse hinnehmen: Clariant-Chef Hariolf Kottmann verdient mit 5,9 Millionen Franken über ein Fünftel weniger als vier Jahre zuvor.

Kottmanns Lohn hatte vor allem im Vorfeld der Abzockerinitiative zu reden gegeben; 2012 strich der Clariant-Chef insgesamt 7,4 Millionen Franken ein. 1,5 Millionen Franken davon bekam er als Sonderzahlung für die Integration der Süd-Chemie. Ein Jahr später verzichtete Kottmann freiwillig auf eine gleich hohe zweite Tranche und verdiente somit wieder deutlich weniger.

(sda/ccr)

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