Private Daten sind in den USA nicht ausreichend vor dem Zugriff der Behörden und Geheimdienste geschützt. Der Europäische Gerichtshof hat daher am Dienstag die sogenannte Safe-Harbour-Entscheidung der EU-Kommission zur einfachen Datenübermittlung in die Vereinigten Staaten gekippt.

Das Urteil ist ein juristischer Erfolg für den österreichischen Facebook-Kritiker Max Schrems, der das Verfahren ausgelöst hatte. Schrems hatte gegen das weltgrösste Online-Netzwerk Facebook geklagt, weil seiner Ansicht nach seine Facebook-Daten in den USA nicht vor staatlicher Überwachung etwa durch die Geheimdienste geschützt sind.

Und was kommt nun? Müssen Facebook, Google und all die anderen amerikanischen Unternehmen wirklich die Daten aller Europäer in Europa lassen?

Facebook und Google im Datenmeer

Fakt ist: Facebook und Google schhwimmen in einem Datenmeer. Google weiss, was wir tun, selbst wenn wir Google gar nicht benutzen: Jede Website, die ihren Datenverkehr mit Google Analytics auswertet (und das sind die meisten) oder die einen Google+-Knopf hat, meldet unsere Anwesenheit nach Kalifornien. Deshalb erhalten Sie auf Reiseseiten ungefragt Angebote für Hotels in Paris, wenn Sie zuvor nach den Sehenswürdigkeiten der Seinestadt gegoogelt haben.

Bei Facebook sieht es nicht anders aus: Die Profile sind so dicht, dass Facebook Ihre sexuelle Orientierung vorhersagen kann, Ihre politische Zugehörigkeit oder sogar einen Drogenmissbrauch. Das soziale Netzwerk weiss vor Ihrem Coming-out, dass Sie schwul sind und dass Sie verlobt sind, bevor Sie es den Eltern sagen. Es sind nicht nur der Massenexhibitionismus, die Milliarden von Likes und Kommentaren, die Facebook so allwissend machen: Ähnlich wie Google beobachtet die Firma den Surfer auf jeder Website mit einem «Gefällt mir»-Button, egal, ob er den Knopf drückt, egal sogar, ob er bei Facebook eingeloggt ist.

Die Währung des 21. Jahrhunderts

Google und Facebook, aber auch viele andere Internetdienste wie Twitter oder Instagram mögen gratis sein in dem Sinne, dass man für ihre Nutzung kein Geld bezahlt. Dafür bezahlt man mit Daten. «Wenn etwas umsonst ist, sind Sie nicht der Kunde. Sie sind das Produkt!», schreibt Bruce Schneier, Autor von «Data and Goliath».

Es sind gewaltige Datenmengen, die da anfallen. Bereits sind über 10 Milliarden Geräte im Internet, mehr, als die Erde Bewohner hat. 2020 sollen es 30 Milliarden sein. Dieses Jahr werden 76 Milliarden Exabyte über das Netz geschickt (ein Exabyte ist eine Milliarde Terabyte, eine heute gängige Festplattengrösse). Gespeichert werden sie in riesigen Rechenzentren, von denen Google und Facebook die grössten haben sollen. «Viele sammeln erst mal alle Daten, aber wissen noch gar nicht, was sie damit machen sollen», sagt ETH-Professor Ernst Hafen.

Mehr zum Thema Datenhandel und wie Firmen die Datenspur ihrer Kunden verfolgen und Kapital daraus schlagen, lesen Sie in der neuen «BILANZ», erhältlich am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

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