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Das Erfolgsrezept des chinesischen Whatsapp

WeChat: Mit der chinesischen App lässt sich neben Nachrichten auch Geld verschicken.  Picasa

Im Bezug auf die Nutzer liegt Whatsapp klar vorne. Dennoch schauen die Amerikaner zum chinesischen Konkurrenten WeChat auf, denn deren App kann entscheidend mehr. Was macht den Erfolg möglich?

Von Gabriel Knupfer
08.01.2016

Als der chinesische Internetgigant Tencent 2011 seine Chat-App fürs Smartphone startete, gab es den amerikanischen Konkurrenten Whatsapp schon seit zwei Jahren. Seither hat WeChat eine rasante Aufholjagd hingelegt. Auch dank der geschützten Stellung in China kommt der Dienst inzwischen auf 650 Millionen aktive Nutzer. Neben Kurznachrichten verschicken User heute mit WeChat nicht nur Audionachrichten, Bilder und Videos, sondern auch Geld.

Damit hat Tencent etwas erreicht, was Facebook weder mit Whatsapp noch mit dem hauseigenen Messenger geschafft hat. Die Einführung der WeChat-Bezahlfunktion 2013 habe die App für Millionen Chinesen zum Zentrum ihrer gesamten Onlineaktivitäten gemacht, schreibt das «Wall Street Journal». Egal ob für den Einkauf, ein (Geld-)Geschenk an Freunde oder einen Arzttermin, WeChat ist Begleiter in allen Lebenslagen.

Wo Nutzer viel Zeit verbringen

Die erfolgreiche Verknüpfung von Nachrichten mit Shopping und Dienstleistungen hat die US-Konkurrenz aufgescheucht. «Im Silicon Valley wird im Moment keine andere Technologie genauer untersucht und diskutiert als Kurznachrichtendienste», bestätigt Jenny Lee von GGV Capital gegenüber dem «Wall Street Journal». Die Dienste sind aus Analystensicht ideale Zentren für andere Angebote, weil ein grosser Teil der Nutzer viel Zeit mit ihnen verbringt.

Weltweit führend in der Branche ist Facebook. Der Social-Media-Gigant besitzt mit Whatsapp und dem eigenen Messenger die beiden beliebtesten Dienste mit 900 Millionen respektive 700 Millionen regelmässigen Nutzern. Kein Wunder, dass sich die Amerikaner nach eigenen Angaben WeChat genau ansehen und ein ähnliches System kreieren wollen, indem die Nutzer die eigenen Dienste nicht mehr verlassen müssen. Ob aber in den USA und in Europa auch die kulturellen Voraussetzungen dafür gegeben sind, ist eine andere Frage.

Unterschiedliche Voraussetzungen

In China hätten Messaging-Apps eine weit grössere Bedeutung als im Westen, wo die Dienste hauptsächlich als billige und leistungsfähigere Alternative zum SMS genutzt werden, so das «Wall Street Journal». Das hängt einerseits damit zusammen, dass SMS in China nie dieselbe Bedeutung wie bei uns erlangt haben und sich deshalb auch die Messenger nicht als Konkurrenz zum alten System, sondern als etwas neues und eigenständiges entwickelt haben.

Die Mehrheit der Chinesen geht mit mobilen Geräten wie Smartphones ins Internet und nicht mit einem Computer. Zwar entwickelt sich die Tendez zum mobilen Internet auch im Westen, doch in China ist der Wechsel viel schneller und extremer erfolgt. Die Umstellung ging auch darum so rasch, weil die Preise für traditionelle Kurznachrichten in China durchschnittlich um das 26-fache höher liegen als in den USA.

Tradition findet Eingang ins Virtuelle

Dazu kommen noch weitere Eigenheiten Chinas, die sich nicht einfach übertragen lassen: Einen riesigen Erfolg feiert WeChat beispielsweise mit den virtuellen Hong Bao – roten Briefumschlägen, in denen Geldgeschenke zum Geburtstag, zur Hochzeit oder zu chinesischen Festen überreicht werden. Eine chinesische Tradition, die damit in das digitale Zeitalter übersetzt wurde.

Diese Bräuche lassen sich in den USA und Europa wohl kaum kopieren, dennoch arbeiten Facebook und Co. an der Verknüpfung von Chat-Apps mit allerlei anderen Diensten. Uber hat beispielsweise erst im Dezember angekündigt, in den USA mit dem Facebook Messenger zusammenzuarbeiten. Die hartnäckigen Bemühungen haben einen Grund: Das Potenzial der Nachrichtendienste ist gewaltig. Laut der Beratungsfirma Activate sind inzwischen rund 2,5 Milliarden Menschen bei mindestens einem Chat-Dienst registriert. Bis 2018 soll die Zahl der Nutzer auf 3,6 Milliarden steigen. Das wären 90 Prozent der internetbefähigten Menschen auf der Welt.

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