Am 4. März 1999 überschrieb die «New York Times» ihren Leitartikel mit der ketzerischen Frage: «Wer braucht schon Gold, wenn wir Greenspan haben?» Damals kostete die Unze Gold 280 Dollar. Zurzeit sind es 530 Dollar, so viel wie seit 25 Jahren nicht mehr. Das Edelmetall dient zur Absicherung gegen Inflation. Der hohe Goldpreis zeugt von einem Vertrauensverlust der Märkte in die Notenbanken.

Pikanterweise war der junge Alan Greenspan ein feuriger Verfechter des «Goldstandards», der einem Dollarbesitzer die Möglichkeit gab, sein Papiergeld zu einem fixen Preis in Gold umzutauschen. 1966 warnte Greenspan in einem Aufsatz: «Ohne Goldstandard gibt es keinen Weg, um die Ersparnisse vor einer Enteignung durch die Inflation zu schützen.» Seit Richard Nixon 1971 den Goldstandard aufhob, hat der Dollar 80 Prozent an Kaufkraft verloren und der Goldpreis in Dollars um das 15fache zugelegt.

Selbst wenn die US-Notenbank ihren inflationären Kurs weiterführt: Mangels Alternativen bleibt der Status des Dollars als globale Leitwährung ungefährdet. Von den weltweiten Währungsreserven entfallen zwei Drittel auf den Greenback. Das Gold kommt auf einen Anteil von neun, in den asiatischen Ländern gar von nur einem Prozent. Vor allem China, dessen Devisenreserven im letzten Jahrzehnt von 50 auf 770 Milliarden Dollar explodiert sind, könnte seine Anlagen künftig stärker diversifizieren, besonders in Gold.

Die steigende Beliebtheit von Edelmetallen illustriert auch eine Meldung von Reuters: In Mexiko steht das Parlament vor der Entscheidung, die Silbermünze wieder als Währung zu akzeptieren. Eingereicht hat den Vorstoss Hugo Salinas Price, einer der reichsten Unternehmer des Landes. Damit wolle er die Währung vor einer Entwertung schützen. In einer Umfrage des Senders TV Azteca stiess die Idee auf breite Zustimmung.

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