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Porträt 
Das bewegte Leben des Jorge Paulo Lemann

Jorge Paulo Lemann: Von Brasilien in die Schweiz, der Sicherheit wegen.   zvg

Hinter der Fusion von Heinz und Kraft steht Jorge Paulo Lemann. Der Sohn eines Emmentaler Auswanderers kehrte nach einem missglückten Entführungsversuch in die Schweiz zurück. Und hatte Erfolg.

Veröffentlicht 26.03.2015

Es ist die Hochzeit zweier Branchenriesen: Die US-Lebensmittelkonzerne Heinz und Kraft werden verschmolzen. Mit dem Zusammengehen entsteht die Nummer drei auf dem US-Lebensmittelmarkt und die Nummer fünf weltweit. Dabei mischt ein Schweizer an vorderster Front mit. Jorge Paulo Lemann.

Ursprünglich stammt er aus dem Emmental, sein Vater, ein Käsehändler, wanderte in den 1920er-Jahren nach Brasilien aus. Er wuchs in Leblon, einem schicken Stadtteil von Rio de Janeiro, auf, besuchte die American School und begann 7-jährig mit Tennis. Als Teenager stand er auf dem Court, auf dem Surfbrett oder war an Partys.

Vielversprechende Tenniskarriere

Nach dem Studium ging er nach Genf, wo er einen Praktikumsplatz bei der Credit Suisse erhielt. Doch er blieb nur ein paar Monate. Die Firmenkultur war ihm zu hierarchisch, die Arbeitsabläufe zu starr.

Viel lieber tummelte er sich auf dem Tennisplatz; er wurde Schweizer Meister und schaffte es 1962 ins Davis-Cup-Team, spielte in Wimbledon und in Paris am Roland Garros Grand Slam. Doch auf das Podest brachte er es nicht.

«Rainmaker» im Börsenhandel

«Als ich realisierte, dass ich es nicht unter die zehn Besten schaffe, gab ich meine Tenniskarriere auf.» Er kehrte nach Brasilien zurück, heuerte bei der Kommerzbank Invesco an und war schon bald einer der «Rainmaker» im Börsenhandel. Nach ein paar Jahren schaffte Invesco mit Starhändler Lemann bereits die Hälfte des Umsatzes der Börse von Rio.

Der Jungstar schrieb eine Börsenkolumne in der Sonntagsausgabe des «Jornal do Brasil» und verdiente Millionen. Mit 27 Jahren stürzte der Highflyer ab. 1966 kaufte die Familie Lutterbach, ebenfalls ausgewandert aus der Schweiz, die Banco Ipiranga. Lemann verlor viel Geld.

Entführungsversuch und Rückkehr

Ein nächster Wendepunkt brachte der 9. März 1999. Kidnapper lauerten drei seiner Kinder auf dem Weg zur Schule auf und wollten sie entführen. Sie schossen 15 Mal auf den gepanzerten VW Passat, doch dem Fahrer gelang die Flucht.

Anderntags flog der Investmentbanker mit Kind und Kegel in die Schweiz. Über all die Jahre hatte er seinen Schweizer Pass behalten, zudem ist er in zweiter Ehe mit Susanna, einer Zürcherin, verheiratet. Die Familie zog in ein modernes Anwesen am Zürichsee bei Rapperswil-Jona. Zur Hand geht ihm in juristischen Fragen seit Jahrzehnten Peter Nobel, Wirtschaftsanwalt in Zürich.

Taktgeber bei 3G Capital

Heute ist der Financier, der weiterhin am Zürichsee lebt, Taktgeber beim brasilianischen Finanzinvestor 3G Capital, jene Firma die nun Kraft gekauft hat und mit dem Ketchup-Hersteller H.J. Heinz zusammenführen will.

Der brasilianische Fonds hatte Heinz bereits im Jahr 2013 gemeinsam mit Warren Buffetts Fonds Berkshire Hathaway für 23 Milliarden Dollar gekauft und sorgte damit für internationale Schlagzeilen.

Burger King und Anheuser Busch

Mit der von ihm gegründeten 3 G Capital verfolgt Leman heute eine aggressive Kaufstrategie. Der Fonds besitzt auch die US-Fastfood-Kette Burger King, die wiederum im vergangenen Jahr den kanadischen Konkurrenten Tim Hortons übernahm. Doch reich wurde der 75-jährige Lemann mit Bier: Er machte Anheuser Busch mittels Zukäufen zum weltgrössten Bierkonzern.

Die Beteiligung am Konzern brachte Lemann laut Bilanz allein im letzten Jahr 5 Milliarden Franken Vermögenszuwachs. Insgesamt besitzt der Brasilien-Schweizer rund 26 Milliarden Franken und ist damit der drittreichste Schweizer.

(gku/ccr mit Agenturmaterial)

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