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Das bedeutet der Abgang von Rajiv Jain für Vontobel

Vontobel: Star-Fondsmanager Jain verlässt die Schweizer Bank. Keystone

Star-Fondsmanager Rajiv Jain war für Vontobel ein Geldmagnet. Nun verlässt der Anlageprofi die Bank. Für Vontobel dürfte er schwer zu ersetzen sein - doch der Abgang könnte auch positiv sein.

Veröffentlicht 08.03.2016

Star-Fondsmanager Rajiv Jain verlässt die Schweizer Bank Vontobel Ende Mai. Nach 22 Jahren bei dem Zürcher Institut wolle Jain eigene unternehmerische Pläne verfolgen, teilte Vontobel am Montagabend mit. Nachfolger werde sein bisheriger Stellvertreter Matthew Benkendorf.

Die Stars auf den Finanzmärkten

Fondsmanager wie Rajiv Jain sind die Stars auf den Finanzmärkten. Für Von­tobel war der in der Vergangenheit erfolgreiche Anlageprofi ein Geldmagnet und dürfte schwierig zu ersetzen sein. Experten zufolge leistete er einen grossen Beitrag zum im Branchenvergleich überdurchschnittlichen Wachstum der Bank Vontobel in den vergangenen Jahren. Zuletzt verwaltete sein Bereich mit knapp 70 Mitarbeitern rund 48 Milliarden Dollar oder über ein Drittel des Gesamtbestandes der Bank.

Welche Folgen der Abgang eines prominenten Fondsmanagers auf die verwalteten Vermögen eines Instituts haben kann, zeigt das Beispiel der Allianz-Tochter Pimco. Dort hatten sich die Abflüsse nach dem Weggang des Fonds-Gründers Bill Gross im September 2014 beschleunigt.

Namentlich managte Jain aus den USA heraus zwei der grössten Fonds des Hauses. Der Vontobel Fund Emerging Markets Equity ist inzwischen 5,4 Milliarden Dollar schwer. Mit dem Vontobel Global Equity Fund hat die Bank mittlerweile 1,7 Milliarden Dollar eingesammelt. Bei Vontobel klingelt die Kasse. Allein mit Jains Emerging-Markets-Fonds kassiert das Haus jährlich Gebühren in Höhe von 114 Millionen Dollar. Durch seinen globalen Fonds kommen noch einmal 28,5 Millionen dazu.

Nicht nur Einnahmequelle, auch grosser Kostenfaktor

Der Abgang von Jain könnte aber auch positiv für Vontobel sein. Denn mit Jain hatte ­Vontobel nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch einen grossen Kostenfaktor an sich gebunden. «Wird der Star nicht fürstlich belohnt, macht sich der schnell selbständig und nimmt gleich einen Teil der Kunden mit», bemerkte der Fondsexperte Martin Bürki bereits im Dezember gegenüber der «Bilanz», der bei der UBS das Fondsresearch aufbaute.

Über das Gehalt von Jain wird wild spekuliert. Die Schätzungen reichen von 20 bis 70 Millionen Dollar im Jahr. Bei «einfachen» Fondsmanagern liegen die Gehälter unter einer Million. «Will man Star-Fonds­manager binden, müssen bis zu 20 Prozent der Gebühren als Gehalt fliessen, und das ohne Deckel nach oben», sagt Bürki.

Einem Insider zufolge kam Jain auf ein Gehalt, das die 3,2 Millionen Franken von Konzernchef Zeno Staub um ein Vielfaches übertraf. Damit dürften sich die Kosten der Bank nun spürbar verringern.

(ccr, mit Material von Reuters)

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