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Dany Bahar: Enge Kurve

Gefeuert: Lotus-CEO Dany Bahar

Der Schweizer Lotus-Chef wurde vom neuen Besitzer rüde auf die Strasse gestellt – für die verlustreiche britische Sportwagenfirma wird's eng.

Von Stefan Barmettler
12.06.2012

Dany Bahar (40) hat schon ein paar Schwergewichte überlebt: Unter Dietrich Mateschitz, dem legendären Red-Bull-Besitzer, war er Marketingverantwortlicher, unter Luca di Montezzemolo, dem allmächtigen Ferrari-Patron, agierte er als Retail-Chef. Nun aber ist Lotus-CEO Bahar an den malaysischen Tycoon Syed Mokhtar Al-Bukhary geraten. Seit der hemdsärmelige Milliardär vor wenigen Wochen die Aktienmehrheit an der ­Lotus-Mutter Proton übernahm, fliegen die Fetzen. Zuerst wurde Bahar als Abzocker diffamiert, dann freigestellt und Anfang Juni fristlos entlassen.

Doch der Schweizer lässt sich nicht unterkriegen: Dieser Tage reichte er am Londoner High Court Klage wegen ungerechtfertigter Kündigung ein. Es geht um viel Geld. Bahars Vertrag läuft bis 2016 und beinhaltet ein jährliches Lohnpaket von umgerechnet 1,8 Millionen Franken.

Das Intro im Kampf Al-Bukhary vs. Bahar eröffnete der Malaysier: Bahar habe mit dem knappen Geld von Lotus um sich geschmissen, habe sich den Umbau seiner Villa (480 000 Franken) aus der Lotus-Kasse bezahlen lassen und pro Jahr 1,5 Millionen Franken mit Privatjets und Helikoptern abgeflogen.

Nun müssen sich Richter um Vertrag und Spesen kümmern. Klar ist: Die Chefs von Proton hatten bei der angestrebten Lotus-Sanierung gross angerichtet. Zuerst lockten sie Bahar von Ferrari zum serbelnden britischen Sportwagenbauer; dieser wiederum holte ein Dutzend Automobil-Cracks an den Firmensitz nach Norwich. Gemeinsam sollte die Automarke mit 700 Millionen Franken in die Gänge gebracht werden. 2015 sollte Break-even, 2016 die Gewinnzone ­erreicht werden.

Sollte. Seit Al-Bukhary die Proton samt Lotus besitzt, ist alles anders. Mit verheerenden Folgen: Jüngst wurde 35 Topleuten gekündigt, darunter Lotus-Berater Bob Lutz. Die Banken strichen die Kreditlinien, Liquiditätsengpässe führen zu unbezahlten Lieferantenrechnungen, die Produktion kam fast zum Erliegen. Das Ergebnis 2012 wird tiefrot.

Und jetzt noch Zoff mit dem ehemaligen CEO. Dieser scheint gute Karten zu haben: Bahar, der im Bündnerland aufwuchs, pocht auf Verträge. Zudem hat er die ihm vertraglich zugesicherten Renovationskosten seines Hauses bereits letztes Jahr übernommen, freiwillig. 

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