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Überraschung 
CS: Ex-Grossverdiener wird Chef des Vergütungskomitees

Kai Nargolwala: Neuer Vorsitzender des Vergütungsausschusses. Keystone

Einst machte Kai Nargolwala 
als Sinnbild für Salärexzesse Schlagzeilen. 
Die Credit Suisse ­hat nun ausgerechnet ihn zum Chef ­ihres ­Vergütungsausschusses bestimmt.

Von Erik Nolmans
22.05.2017

Es war eine veritable Überraschung, damals in der Finanzkrise, als die CS in ihrem Vergütungsbericht von 2009 nicht etwa CEO Brady Dougan oder Investment-Banking-Chef Paul Calello als bestverdienenden Manager der Bank auswies, sondern einen Mann, von dem kaum einer je gehört hatte: Kai Nargolwala. Stolze 20,83 Millionen Franken strich der damalige Chef der Region Asien-Pazifik für 2008 ein – ein Jahr, in dem die Bank einen Milliardenverlust auswies.

Dass ein derlei exzessiver Lohn vor dem Hintergrund der grössten Branchenkrise seit Jahrzehnten einiges an Erklärungsbedarf verursachte, war auch der Bank klar, die den Kontakt zur Presse suchte, um die Rekordzahlung zu erklären. Der Grund für das enorme Salär sei eine Einstellungsprämie, mit der Nargolwala aus seinem alten Vertrag bei der Bank Standard Chartered herausgekauft werden musste. Das sei üblich bei derart begehrten Cracks.

Umso erstaunter waren viele, als Dougan den teuren Neueinkauf bereits nach zwei Jahren auf dem nicht-exekutiven Posten eines Chairman der Region Asien entsorgte. 2011 verliess Nargolwala die CS gänzlich, um sich als Verwaltungsrat bei Prudential anzudienen.

Comeback in 2013

Doch schon 2013 trat er wieder in die Dienste der Schweizer: diesmal als Verwaltungsrat. 2014 kam er in den Vergütungsausschuss, zunächst als einfaches Mitglied.

Nicht, dass er in dieser Funktion geglänzt hätte, im Gegenteil: Im vierköpfigen Ausschuss war er mitverantwortlich für die Festsetzung der Millionensaläre für das Management um Tidjane Thiam und damit auch für die jüngste Posse, als die Bank nach der Kritik bedeutender Aktionäre die grosszügigen Boni des operativen Managements um 40 Prozent reduzierte. «Unprofessionell» war noch der freundlichste Kommentar von Branchenkennern.

Kein Wunder, gehörte Kai Nargolwala zu jenen CS-Verwaltungsräten, deren Wiederwahl gewichtige Aktionärsvertreter wie Glass Lewis ablehnten – ohne Erfolg allerdings. All dies bekümmert CS-Präsident Urs Rohner wenig: Fortan darf der Mann, der als Sinnbild des Exzesses gilt, als neuer Chef des Vergütungsausschusses die Salärpolitik bestimmen.

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