Bei der UBS bleibt kein Stein auf dem ­anderen. Nicht so bei der CS: Dort wurde das dritte Quartal für andere Zwecke ­genutzt – für die Zementierung des ­Status quo.

Die Quartalsberichterstattung war Wasser auf die Mühlen von CEO Brady Dougan. Der Bereich Investment Banking legte gute Zahlen vor. Die Erträge stiegen zweistellig – trotz reduzierten Risiken. Die Vermögens­verwaltung aber, jener Teil, der in der Schweiz als der Vorzeigebereich gilt, machte mit stagnierenden Erträgen und geschrumpfter ­Profitabilität von sich ­reden. Hatte Dougan intern wie extern nicht stets davor gewarnt, das Investment ­Banking vorschnell abzuschreiben? Und wäre es nicht eher risikoreich, die Bank zum Vermögensverwalter umzubauen – denn auch dort lagern offensichtlich ­einige Probleme?

«Let’s stick to the plan», lautet einer der Lieblingssätze von Dougan. Radikale Veränderungen sind nicht Sache des Amerikaners: Seit 2007 leitet er die Credit Suisse operativ. Auch wenn risikoreiche Assets in Milliardenhöhe abgebaut und das Kapital gestärkt wurde, ist die CS im Kern die gleiche Bank wie damals. Und sie ist es nach diesem ­dritten Quartal weiterhin. Ganz im Gegensatz zur UBS, die sich zum Wealth Manager ­umbaut, dem die – wenigen – Investment Banker zudienen.

Dabei waren im Vorfeld auch bezüglich der CS die Spekulationen über einen Umbau ins Kraut geschossen. Nun aber hat Dougan die Zahlen dazu genutzt, das Standing des Investment Banking zu stärken und den Finger auf das Private Banking zu legen. Aus der Führungsetage der Bank verlautet, der Druck auf Private-Banking-Chef Hans-Ulrich Meister sei gezielt erhöht worden. Meister, der noch vor ­kurzem als möglicher Nachfolger von Dougan galt, muss nun sinkende Margen in seinem Sektor erklären.

Die Chance, seine Botschaft unbelastet von der Forderung nach dem strategischen Neuaufbruch zu platzieren, hat der Verwaltungsrat dem CEO gewährt. Es habe zwar im Vorfeld der Quartalsberichterstattung eine VR-Sitzung gegeben, doch über Strategie sei nicht gross diskutiert worden, heisst es aus dem Gremium.

Das letzte Mal grundsätzlich über strategische Neuerungen diskutiert habe der Verwaltungsrat Ende August am Strategiemeeting in Singapur. Diese jährlichen VR-Treffen führte Rohner nach seinem Antritt als Präsident 2011 ein. Auffällig ist: Seit diesem Meeting stehen mehrere strategische Projekte im Raum – umgesetzt wurde bislang keines davon. Dabei wird hinter den Kulissen aktiv gewerkelt. Etwa an der Neupositionierung des Geschäftsmodells, verbunden mit der Aufhebung des Asset Managements, dem kleinsten der drei Geschäfts­felder, und dessen Eingliederung ins ­Private Banking. Doch auch da nichts Neues: «Wir stehen zum Asset Management», so Dougan anlässlich der Quartalsberichterstattung.

Diskutiert wurde auch die Ausgliederung von risikobehafteten Aktiven in eine Art «Bad Bank», wie sie nun die UBS vollzieht. Vorgemacht hatte dies Anfang September schon die Deutsche Bank, und Urs Rohner liess im kleinen Kreis wissen, er halte viel von der Idee. Verbunden damit wäre aber eine Zurückstutzung des Investment Banking.

Unschweizerische Bank. Die Gedankenspiele von Rohner waren sogar den Kollegen von der Konkurrenz zu Ohren gekommen. Eine Zeit lang herrschte bei der UBS die Befürchtung, die CS werde sich als «First Mover» in strategischen Fragen profilieren, fand die Quartalsberichterstattung der CS doch mehrere Tage vor jener der UBS statt. Die Erleichterung bei der UBS war gross, als dies nicht geschah.

Nun ist es die UBS, die den Markt mit ihrem Tatendrang beeindrucken darf: Der Aktienkurs stieg im Umfeld der Spekulationen um die Neustrukturierung um fast zehn Prozent, während bei der tatenlosen CS wenig Fantasie in den Kursen spürbar ist – sie stagnieren weiter.

CEO Dougan stammt aus dem Investment Banking, er leitete den Bereich von 2004 bis 2007, sein persönliches Umfeld ist davon bis heute geprägt. Längst stellen die Angelsachsen und Investment Banker in der Geschäftsleitung die Mehrheit. Neben Dougan gilt vor allem dessen engster Vertrauter, Finanzchef David ­Mathers, als starke Figur im Gremium.

Nicht nur der CEO wirkt bremsend auf den strategischen Eifer des Präsidenten, auch im VR sind radikale strategische Schritte offenbar nicht vorgesehen. Längst ist die CS keine Schweizer Bank mehr, die Mehrheit der Aktien ist in ausländischer Hand. Dominant sind neben den institutionellen Inves­toren aus dem angelsächsischen Raum vor allem Grossaktionäre aus dem ­Mittleren Osten, wie die saudi-arabische Olayan Group mit 17 Prozent der Aktien oder der Staatsfonds von Katar mit 6,2 Prozent.

Die Fixierung auf eine CS als Vermögensverwalter und die Ablehnung des ­Investment Banking sei eine sehr schweizerische Sicht, heisst es aus dem Verwaltungsrat. Die Zusammensetzung des VR spiegle diese Haltung nicht. Olayan etwa ist seit über dreissig Jahren Grossaktionär und hat den Aufbruch der Bank ins US-amerikanische Investment Banking durch den Kauf von First Boston von der ersten Stunde an mitgetragen. Den Staatsfonds Katar hat der Investmentbank-Chef und Dougan-Vertraute Eric Varvel ins Boot geholt. Zu den grossen amerikanischen Fonds hat auch Dougan selber bis heute exzellente Kontakte.

Rohner muss also vorsichtig agieren, will er einen Konsens erreichen. Noch kann Dougan das Momentum der günstigen Märkte für sich nutzen. Doch ein Grossteil des Aufschwungs im Investment Banking liegt an den Stimulanzien der Zentralbanken. Wie nachhaltig die Erholung ist, muss sich noch zeigen. Noch immer hat die CS zudem eine weit höhere Leverage Ratio – also wenig ­Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme – als viele Konkurrenten, das Risiko eines starken Rückschlags ist stets präsent. Sollte sich der UBS-Umbau als Erfolg erweisen, dürfte die strategische Zögerlichkeit der CS mit anderen Augen gesehen werden. Der Markt wartet schon seit langem auf ein Signal.

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