In den Boomjahren vor der Krise war sie das Mantra der Finanzindustrie: die ­Eigenkapitalrendite. 20 bis 30 Prozent sollten es schon sein, die Banken versuchten sich gegenseitig zu übertrumpfen. Dann kam die Krise, und die Rendite­jäger wurden kleinlauter – die einseitige Gewinnorientierung wurde als Mitgrund der Krise identifiziert.

Doch nun fühlte sich CS-Chef Brady Dougan bemüssigt, das Thema in Erinnerung zu rufen. In einem Interview mit der «Financial Times» gab er Mitte September seiner Hoffnung Ausdruck, «in guten Zeiten» eine Eigenkapitalrendite von bis zu 20 Prozent zu erreichen. Doch vor dem Hintergrund des stark gewachsenen Eigenkapitals sind das sehr ehrgeizige Ziele – auf dem Eigenkapital von 42 Milliarden, das die CS im ersten Halbjahr ausweist, wäre dies ein Gewinn von 8,4 Milliarden Franken. Von solchen Werten war die CS zuletzt weit entfernt – 2011 und 2012 lag der Jahresgewinn bei nicht mal zwei Milliarden Franken.

Vor der Krise waren solche Gewinne einfacher: 2006 erwirtschaftete die CS eine Rendite von 27,5 Prozent. Derlei könne nur für einen Bullenmarkt gelten, die CS strebe «tiefere, dafür nachhaltigere» Werte an, so Dougan heute. Auch in schwierigen Zeiten hofft er aber auf zweistellige Zahlen. Auf die Frage, ob dies bedeute, dass die CS auch in schlechten Zeiten keine Verluste machen werde, antwortet Dougan, dass dies seine Hoffnung sei. 2008 hatte die CS einen Verlust von acht Milliarden Franken zu verbuchen.

Der für seine ­optimistische Grundhaltung bekannte Dougan bolzte unmittelbar danach wieder Wachstum, wurde von den Märkten aber ausgebremst. Seither hat die CS ihre Risiken reduziert und ihre Investmentbank gestrafft. Die guten Resultate des ersten Halbjahres haben den vorsichtigen Kurs bestätigt. 

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