Es war alles so schön ruhig in der CS-Führungsetage. Und dann das: Mit einem Interview im «SonntagsBlick» riss der frisch ausgeschiedene Private-Banking-Chairman Walter Berchtold alte Wunden auf. Er wäre gern CEO der CS geworden und hätte «viele Ideen gehabt, die CS weiterzubringen».

Nur – die CS hat einen CEO: Seit 2007 leitet Brady Dougan die Bank. Auch wenn Berchtolds Aussagen bei der CS-Führung vor allem als Werbespruch in eigener Sache gewertet wurden, so erinnern sie doch daran, dass es vor einiger Zeit tatsächlich Bewegung in der CEO-Frage gab. Angesichts des sinkenden Kurses kumulierte vor einem Jahr die Kritik an Dougan – der Verwaltungsrat prüfte laut Insidern Alternativen.

Dougan liess sich nicht beeindrucken, baute weiter auf ein starkes Investment Banking und straffte die Konzernleitung. Der Milliardengewinn des ersten Quartals war Wasser auf seine Mühlen. Heute steht der CEO so stark da wie nie zuvor. Grosse Stücke sollen die Grossaktionäre aus dem arabischen Raum auf Dougan halten. Die Zusammenarbeit mit dem Management ist eng: So stützten die Olayan Group und der Staatsfonds von Katar die Bank im Krisenherbst 2008 mit einer Kapitalspritze in Höhe mehrerer Milliarden. Im Sommer 2012 tauschte Olayan 1,73 Milliarden Dollar dieses Kapitals vorzeitig in CoCos, eine Form von bedingten Pflichtwandelanleihen. Die Saudis erhalten dafür einen Zins von 9,5 Prozent. Katar wird im Oktober 2013 CoCos für umgerechnet über vier Milliarden Franken übernehmen, für einen Zins von 9 bis 9,5 Prozent – für Schweizer Verhältnisse sehr stattlich. Die Risiken sind für die Grossaktionäre überschaubar, haben sie als Vertreter im VR doch Gelegenheit, die Kapitalstärke der Bank mitzubestimmen.

Eng ist Dougan auch mit Ex-Präsident Walter Kielholz, der ihn 2007 zum Chef erhoben hat. Kielholz, der inzwischen von Urs Rohner abgelöst wurde, zieht sich 2014 aus dem VR zurück. Der Abgang seiner wichtigsten Bezugsperson könnte Dougan dazu veranlassen, die Bank zu verlassen, wird im Umfeld des Amerikaners befürchtet. Dies umso mehr, als Dougan im kleinen Kreis kundgetan hat, dass die Amtsdauer eines CEO idealerweise nicht länger als sieben Jahre betragen solle. Für den VR wäre dies eine grosse Herausforderung. Denn Hauptresultat des Werweissens um den CEO-Job vor einem Jahr war, dass es für Dougan keine überzeugende Alternative gibt. 

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