Als sich der CS-Verwaltungsrat am 9.  Dezember in New York traf, ging es wieder einmal um die Frage der Fragen: Wer ist unser Chef?

Die erste Entscheidung überraschte nicht: Präsident Hans-Ulrich Doerig, erst im März von Walter Kielholz zu ­dessen Nachfolger erkoren, bekam die Erlaubnis, auch nach dem 70.  Geburtstag das Präsidium zu leiten. Doerig feiert seinen Siebzigsten Ende Februar 2010.

Die zweite Entscheidung war jedoch überraschend und kaum nach Doerigs Gusto. Vize Urs Rohner übernimmt im April 2011 dessen Posten. Vor allem der frühe Zeitpunkt der Verkündung erstaunte: fast eineinhalb Jahre vor Amtsantritt – wenig üblich in der ­Branche und auch nicht bei der CS. Nur Lukas Mühlemann hatte unter den letzten fünf ­Nominierungen eine längere Vorlaufzeit. Doch der war immerhin schon CEO (siehe Tabelle im Anhang).

«Für uns ist das Zeichen einer kon­sistenten, langfristigen Nachfolgeplanung», betont CS-Sprecher Andres Luther. Gleichzeitig ist es aber auch Beleg, dass das einfache VR-Mitglied Kielholz weiter der starke Mann ist – und seinen Protégé Rohner durchsetzen konnte.

Die Situation für den Vize war unangenehm. Er wurde 2004 von Kielholz von ProSiebenSat.1 zur CS geholt, zunächst als Chefjurist. Doch Kielholz hatte ihm Höheres versprochen. Als CEO konnte Kielholz den Juristen ohne Fronterfahrung im Bankgeschäft zwar 2006 nicht durchsetzen. Brady Dougan machte das Rennen. Kielholz sparte sich Rohner für eine Rolle im VR auf. Im März 2009 sollte es so weit sein. Einen im Banking relativ unerfahrenen Neuling an die Spitze der Bank zu setzen, war im Nachgang der Finanzkrise jedoch ­wenig opportun. CS-Urgestein Doerig sprang als Übergangsgslösung ein.

Doch Rohner wurde zuletzt offenbar immer ungeduldiger. Nicht nur schien Doerig keine vorzeitigen Rückzugspläne zu hegen («Ich bin für drei Jahre gewählt»), es traten auch neue Konkurrenten auf, etwa Noch-Finanzchef ­Renato Fassbind. Rohner soll in den vergangenen Wochen hart gespielt und vor allem Ziehvater Kielholz eindrücklich an die lange zuvor gegebenen Versprechen erinnert haben. Beim jetzigen Beschluss soll Kielholz denn auch eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nicht nur aus machtpolitischen, sondern auch aus pekuniären Gründen freut sich Rohner: In guten Jahren verdiente der Präsident der CS bis zu 14 Millionen Franken jährlich.

CS-Chef Dougan dürfte der Nominierung mit gemischten Gefühlen begegnen. Er weiss, dass er mit Rohner professionell zusammenarbeiten kann. Doch es kratzt am Ego, wenn ein ihm Unterstellter zum Vorgesetzten wird. Von der Bank of America, vertreten durch die Headhunterfirma Russell Reynolds, hat Dougan zwar eine Anfrage als CEO bekommen, aber erst mal abgesagt. Zu verbunden fühlt er sich der CS, und zudem wartet dort Ende März ein üppiges Bonuspaket. Dann läuft die Sperrfrist für ein Beteiligungsprogramm aus, das die CS vor fünf Jahren eingeführt hat und Dougan bei einem Aktienkurs von über 30 Franken (heute liegt er über 50) Aktien im Wert von mehr als 30 Millionen zusichert. Das kann die noch immer unter Staatseinfluss stehende Bank of America derzeit nicht bieten.

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