Das vor einem Jahr noch völlig Undenkbare ist am Mittwoch eingetreten: Eine Aktie der Credit Suisse konnte erstmals für weniger als eine Zehnernote gekauft werden. Wer von einem Jahr zum Amtsantritt von Tidjane Thiam als CEO bei der CS zugegriffen hat, musste noch rund 26 Franken für eine Aktie hinlegen. Und Marktbeobachter schliessen nicht aus, dass die Papiere weitere neue Tiefs ausloten werden.

Um 10.15 Uhr haben sich die Aktien der Grossbank wieder leicht erholt und liegen bei 09,96 Franken und damit nur ganz knapp unter der «magischen» Marke. Zuvor war der Kurs bis auf 9,91 Franken abgesackt, dem neuen Rekordtief. Der Wertverlust für die CS-Aktionäre liegt in diesem Jahr bei satten 51 Prozent.

Auch andere Titel verlieren

Die CS ist nicht die einzige Bank, die am Mittwoch an den Börsen abgestraft wird. Das Brexit-Votum lässt Geldinstitute auf dem ganzen Kontinent wanken. Darunter die UBS, die Deutsche Bank oder die Unicredit. Verstärkt wurde die Verunsicherung zuletzt durch die Krise des italienischen Bankensektors, der auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzt.

Händler berichten zudem mit Blick auf die Credit Suisse von Verkäufen von Fonds aus Grossbritannien und aus dem arabischen Raum. Zudem sollen sich unbestätigten Gerüchten zufolge derzeit Grossaktionäre in «grossen Mengen» von den Papieren trennen. Deshalb werde ein anhaltender und bedeutender Angebots-Überhang in den CS-Aktien befürchtet. Mit dem unter 10 Franken gesunkenen Kurs der Credit Suisse sei eine Art «Worst Case Szenario» eingetreten, so Marktteilnehmer weiter.

Es droht der Abstieg aus dem Stoxx Europe 50

Nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg droht der Credit Suisse damit der Abstieg aus den Stoxx Europe 50. Infolge der Kursturbulenzen, die das Brexit-Votum ausgelöst habe, sei die CS-Aktie wie jene der Deutschen Bank in dem für die Index-Zugehörigkeit entscheidenden Ranking weit zurückgefallen, schrieb Analyst Uwe Streich in einer Studie vom Mittwoch.

Die Aktien seien auf die Plätze 85 und 86 durchgereicht worden. Sollten sie es bis zum 30. Juli nicht zurück in die Top 74 schaffen, würde ein Abstieg via Fast Exit folgen. Unmöglich erscheine der Verbleib zwar nicht, einfach werde es aber wohl auch nicht. Umgesetzt würden der oder die Wechsel mit Wirkung zum 8. August. Die Aktien des Baukonzerns Vinci und des Versorgers Iberdrola wären dann aussichtsreichste Nachrückkandidaten.

(reuters/awp/ccr)

Lesen Sie in der aktuellen «Bilanz»: Die Talfahrt der Credit Suisse nimmt kein Ende, doch die Grossaktionäre halten still. Und die Schweizer Wirtschaftselite blickt geniert zur Seite. Warum passiert nichts? Keiner fühlt sich verantwortlich, keiner greift ein. Die Bank des legendärden Gründers Alfred Escher taumelt - und alle schauen zu. Erhältlich seit Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

 

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