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Coops Geschäft mit dem schrägen Gemüse

Coops Geschäft mit dem schrägen Gemüse
Ünique: Coop setzt beim Vermeiden von «Food Waste» den Trend. Coop

Unter dem Label «Ünique» verkauft Coop dreibeinige Rüebli oder krumme Gurken - und das mit Erfolg. Denn pro Tag kaufen die Schweizer inzwischen gegen zwei Tonnen schräges Gemüse, Tendenz steigend.

Von Christian Bütikofer
19.08.2016, Aktualisiert vor 17 Stunden

Jedes Jahr werfen die Schweizer 2'000'000 Tonnen einwandfreie Lebensmittel weg. Das ist ein Drittel der für den hiesigen Markt hergestellten Esswaren, zeigt eine Masterarbeit der ETH Zürich. Der Detailhandel wird meist als Hauptverschwender an den Pranger gestellt, doch dort gehen nur 5 Prozent der Nahrung verloren.

Viel wichtiger sind die Privathaushalte, die 45 Prozent – oder 900'000 Tonnen – jedes Jahr verschleudern. Danach kommt die Verarbeitung: In der Produktion gehen 30 Prozent verloren – 600'000 Tonnen jedes Jahr. Das sind Früchte und Gemüse, die zwar geschmacklich einwandfrei sind, auf dem Feld aber trotzdem liegenbleiben, weil sie zu klein, gross, unförmig sind oder durch äussere Schäden nicht mehr den optischen Ansprüchen der Kunden genügen (etwa bei Hagelflecken).

Umsätze steigen seit Beginn

Hier setzt Coop mit dem Label «Ünique» seit 2013 an – für einen Preisabschlag verkauft der Konzern auch dreibeinige Rüebli, krumme Gurken oder Aprikosen mit kleinen Flecken.

Nach drei Jahren denkt man bei Coop nicht ans Aufhören: Im Gegenteil: «Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Ünique gemacht. Die Umsätze wachsen im dritten Jahr in Folge», sagte Coop-Sprecherin Andrea Bergmann. 2014 waren es 180 Tonnen Karotten und 36 Tonnen Birnen, gab der Grossverteiler bekannt. «Letztes Jahr haben wir bereits über 690'000 Kilogramm verkauft», sagt sie weiter. Damit wurde der Nettoumsatz mehr als verdoppelt, im Schnitt gingen schweizweit täglich gegen zwei Tonnen Ünique-Gemüse an die Kunden.

«Der Anteil von Ünique am gesamten Früchte- und Gemüsesortiment ist eher gering. Der limitierende Faktor ist das Angebot, wir könnten durchaus noch mehr Ünique-Gemüse verkaufen», sagte Bergmann.

Man wolle aber kein Ünique-Gemüse produzieren lassen, man richte sich hier ganz nach den Launen der Natur. Dieser Tage sind wieder viele Ünique-Aprikosen in den Gestellen zu finden. Welche Läden sie im Sortiment führen, entscheiden die jeweiligen Geschäftsführer selbst. «Wir fördern die Bestellung der Ünique-Produkte, indem wir unsere Verkaufsstellen aktiv über Neuheiten informieren», sagt Andrea Bergmann. Rund 230 Verkaufsstellen, also rund ein Drittel aller Läden, haben inzwschen Ünique-Produkte durchgehend im Sortiment, meinte sie. Das Angebot wechselt saisonal sehr stark.

Wall-Mart zieht nach

In der Schweiz hat Coop mit «Ünique» ein Alleinstellungsmerkmal. Der grösste Konkurrent Migros hat nichts Vergleichbares im Angebot, ebensowenig Denner, Lidl oder Aldi. Auch weltweit gehört Coop zu den Pionieren bei den Bemühungen, «Food Waste» zu vermindern.

Das Beispiel macht Schule: Diesen Sommer kündigte mit Wal-Mart der weltweit grösste Arbeitgeber an, in 300 Läden Floridas Äpfel mit Wetterschäden verbilligt anzubieten. Stimmen die Absatzzahlen, dürften weitere Verkaufsstellen folgen. Der US-Kongress schätzt, dass die Amerikaner jedes Jahr Esswaren im Wert von 29 Milliarden US-Dollar wegwerfen.

Auch in Grossbritannien ist das Thema Lebensmittelverschwendung in den Supermärkten angekommen: Wal-Mart-Tochter Asda verkauft in den Läden seit 2015 «wonky veg» – schiefes Gemüse – mit Hilfe des Starkochs Jamie Oliver.

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