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Markteintritt 
CNNMoney: «Wir sehen grosses ­Potenzial»

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Andrew Morse: Luxus ist ein wichtiger Fokus von CNNMoney.  Keystone

Der US-Nachrichtensender ­startet in der Schweiz höchst ehrgeizig, aber mit eher ­unbekannten ­Moderatorinnen. Wer zum illustren Kreis gehört und worauf die Zuschauer sich freuen können.

Von Holger Alich
27.06.2017, Aktualisiert am 23.07.2017

Mister Morse, CNN ist 
einer der weltgrössten Nachrichtensender. 
Für die Expansion von 
CNNMoney in ­Europa starten Sie ausgerechnet in der Schweiz. Warum?
Andrew Morse*: Das hat eine Reihe von Gründen. CNN­Money ist unser globales Wirtschafts­portal, dort behandeln wir Wirtschaftsthemen, aber weniger finanzmarktlastig als andere Sender und Digitalplattformen. Wir legen zum Beispiel grossen Wert auf Themen wie Luxus. Und hier sitzen viele Anbieter in der Schweiz. Darüber hinaus verfügt das Land über sehr viele interna­tionale Grosskonzerne. Aus den Gesprächen mit CEOs wissen wir, dass Topmanager eine englischsprachige, international vernetzte Berichterstattung mit Schweiz-Bezug vermissen, etwa bei der Analyse der Folgen des Brexit. Ausserdem haben wir mit MediaGo den richtigen Partner, der den lokalen Markt gut kennt.

Sind weitere Expansionsschritte geplant?
Wenn wir die richtigen Partner finden, bestimmt. Denn wir wollen aus CNNMoney eine weltweite Marke machen. Das Ziel 
ist, Marktführer in der Wirtschafts­bericht­erstattung zu werden. In den USA sind wir derzeit Nummer fünf und liegen bereits vor Bloomberg und dem «Wall Street Journal». Die Marke CNN ist stark und weltweit bekannt, das Potenzial ist also da.

Marktführer? Geht es nicht eine Nummer kleiner?
Schauen Sie, wir werden die «Financial Times» und das «Wall Street Journal» ­sicher nicht auf ihrem Kerngebiet, den ­Finanz- und Unternehmensnachrichten, schlagen. Wir wenden uns eher an ein jüngeres Publikum, um diesem Wirtschaft näherzubringen und zu erklären, was es mit seinem Geld machen kann. Wir sehen da eine Nische.

Jüngere für Wirtschaft zu begeistern, 
versuchen viele Player seit Jahren. Was wollen Sie da ­besser ­machen?
Wir setzen stärker auf Interaktion und Ver­netzung. Zudem wollen wir den persön­lichen Bezug herstellen und erklären, was Ereignisse wie der Brexit für den Einzelnen ganz konkret bedeuten.

In der Schweiz umfasst Ihre Zielgruppe jene vier Millionen Menschen, die 
Englisch sprechen. Ist dieser Markt gross genug, um einen TV-Sender und einen Digital­kanal zu tragen?
Wir zielen nicht nur auf klassische TV-Werbung. Ein grösserer Teil der Einnahmen wird aus dem Sponsoring kommen. Formate wie unsere Tech-Show sind sehr interessant für Werbekunden, um gezielt eine Partnerschaft einzugehen. Und dank CNNMoney Switzerland kann man das ganze Land erreichen. Für Kunden wie Air China ist das sehr interessant, wenn die Airline zum Beispiel eine neue Flugverbindung vom Genfer Flughafen aus bewerben will. Denn in der Schweiz gibt es keine landesweiten Medien. Das macht CNN­Money Switzerland auch für potenzielle Interviewpartner interessant. Wenn ein CEO mit der «Bilanz» spricht, erreicht er die Deutschschweiz, redet er mit «Le Temps», die Westschweiz. Mit CNNMoney Switzerland erreicht ein CEO gleichzeitig die Schweiz und die ganze Welt.

Dennoch geht CNN sehr vorsichtig vor. Durch das Konstrukt mit MediaGo 
ist CNN nicht einmal an der Betreibergesellschaft CNNMoney Switzerland AG beteiligt.
Das stimmt, diese Betreibergesellschaft wird vom Management um Christophe Rasch und MediaGo kontrolliert. Mit CNN besteht eine Lizenzvereinbarung über zehn Jahre, um die Marke CNNMoney in der Schweiz gemeinsam zu entwickeln.

CNN investiert also keinen Penny?
Wir investieren etwas viel Wertvolleres: unsere Marke. Zudem hat CNNMoney Switzerland Zugang zu allen Inhalten von CNN und zum weltweiten Korrespondenten-Netzwerk.

Ihr Partner MediaGo ist aber kein ­Journalistenbüro, sondern eine Mediaagentur, die auch für die ­Wirtschaft ­arbeitet. Ist bei diesem ­Konstrukt 
die journalistische Unab­hängigkeit ­gewahrt?
Alles, was Sie bei dem neuen Sender und dem Digitalkanal sehen werden, wird zu 100 Prozent den Qualitätsansprüchen von CNN entsprechen. Das Schweizer Team umfasst zum Start 30 Mitarbeiter, 15 davon sind Journalisten, sie werden alle bei CNN in den Vereinigten Staaten geschult. Wir haben eine eigene Abteilung, welche die Qualität und Unabhängigkeit der Inhalte überwacht. Dort arbeiten Medienspezialisten, Journalisten und Juristen. Nennen Sie mir ein Schweizer Medienhaus, das solch einen Aufwand zur Qualitätskontrolle betreibt.

Und was wird bei CNNMoney Switzerland zu sehen sein?
Wir senden täglich drei Stunden live von 18 bis 21 Uhr. Vier Stunden Programm ­werden zuvor aufgezeichnet. Shows wie «CNN­Money Switzerland Tech» oder «CNN­Money Education» dauern rund 13 Minuten, das Material dazu stammt aus der Schweiz oder aus dem CNN-Netzwerk. Ziel ist dabei, den ­Inhalten einen lokalen Bezug zu geben, etwa mit Schweizer Gästen.

Und wer moderiert?
Wir haben vier Moderatorinnen engagiert. Am bekanntesten dürfte in der Schweiz Martina Fuchs sein. Die 34-jährige Schweizerin war bisher die einzige ausländische Reporterin beim chinesischen Staatsfernsehen CCTV, wo sie Wirtschaftsnachrichten präsentiert. Amanda Kayne stösst von Julius Bär zu uns, zuvor war die 36-jährige Britin Reporterin bei BBC und CNBC. Die 43 Jahre alte spanisch-amerikanische Doppelbürgerin Ana Maria Montero hat viele Jahre für CNN in den USA gearbeitet und lebte bereits die vergangenen fünf Jahre in der Schweiz. Die Vierte im Bunde ist die 39-jährige Britin Hannah Wise, die vom französischen Sender France 24 zu CNNMoney Switzerland stösst. Ihre Karriere begann sie als Reporterin bei BBC.

Wäre es aus Marketing-Gesichtspunkten nicht interessant gewesen, einen Schweizer TV-Star abzuwerben?
Wir brauchen Moderatoren, die mit unserer Art, Nachrichten-Sendungen zu produzieren, vertraut sind. Wir senden jeden Tag drei Stunden live und auf Englisch, das ist schon ein besonderes Anforderungsprofil. Ferner glaube ich, dass unser Zielpublikum der Business-Community sich vom Anwerben eines Schweizer TV-Moderators nicht beeindrucken liesse.

CNN scheint ein Lieblingsgegner von US-Präsident Trump zu sein. Hilft Ihnen solche Publicity beim Start in der Schweiz?
Darüber denken wir nicht viel nach. Wir machen unseren Job und schauen den Mächtigen auf die Finger, egal, welcher Präsident gerade im Weissen Haus sitzt.

Glauben Sie denn, dass Trump seine Amtszeit durchhalten wird?
Dazu möchte ich mich nicht äussern.

* Andrew Morse begleitet als Leiter 
internationale Partnerschaften das Schweiz-Projekt von CNN. Der 43-jährige TV-Journalist begann seine Karriere als Desk Assistant im ­Washingtoner Büro des US-Senders ABC. Andrew Morse berichtete für ABC über interna­tionale Krisen wie den Krieg in Afghanistan, später leitete er das Büro in Asien. Bei ABC verantwortete er auch das Digitalgeschäft. Bloomberg machte ihn dann zum US-Chef des hauseigenen TV-Senders, wo er die Expansion ins ­digitale Videogeschäft vorantrieb. Auch bei CNN verantwortet Morse heute die globalen Digitalaktivitäten sowie die internationalen Partnerschaften. In den USA untersteht zudem die wichtige Berichterstattung von CNN aus Washington seiner Aufsicht.

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