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Chef-Saläre: Ende der Geheimniskrämerei

Alpiq: Bei Alpiq waren 2015 5,9 Millionen Franken für Vergütungen vorgesehen.  Keystone

Transparenz hält Einzug in die Chefetagen. Die Berichtesaison 2016 wird das Geheimnis um die Saläre der Topmanager lüften: Wer verdient wie viel, wofür. Aktionäre blicken gespannt auf Syngenta und Co.

Veröffentlicht 15.01.2016

Die Generalversammlungen 2016 werden einige Wahrheiten über die Leistungen von Topmanagern ans Tageslicht bringen. Nachdem die Aktionäre 2014 und 2015 als Folge der Minder-Initiative über die Managerlöhne abgestimmt haben, lüftet die Berichtssaison dieses Jahres nämlich Geheimnisse bei den tatsächlichen Salärpaketen. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, wie die Chefs in der Vergangenheit gearbeitet haben.

Viele Firmen haben sich von ihren Eigentümern prospektiv, also im Vorhinein, ein Budget für die Entlöhnung ihres Topmanagements genehmigen lassen.

Nachträgliche Abstimmungen sind seltener

Laut einer Untersuchung des Beratungsunternehmens HCM, die am Freitag in Zürich vor den Medien vorgestellt wurde, haben sich rund 70 Prozent der Schweizer Unternehmen auf diese Weise die Kompensation ihrer Firmenchefs absegnen lassen. Das betrifft ungefähr 1,5 Milliarden Franken von rund 2,2 Milliarden an Gesamtvergütungen.

Nur etwa 30 Prozent der Unternehmen machen gemäss der Studie eine nachgelagerte Abstimmung über die Entlöhnung ihrer Führungsetage.

Über Details der Löhne berichten

Bei den 70 Prozent der Gesellschaften kommt nun mit der Generalversammlung 2016 allerdings der Tag der Wahrheit. Die Unternehmen müssen nämlich erstmals darüber rapportieren, wie viel Geld sie vom genehmigten Budgetrahmen konkret an ihre Führungsriege ausgezahlt haben und die Zusammensetzung sowie die Höhe der Beträge erläutern. Damit lässt sich unter anderem nachvollziehen, wie die Leistungen des Topkaders tatsächlich gewesen sind.

HCM weist während der Präsentation daraufhin, dass bei 54 Unternehmen die Performance des Managements auf der Generalversammlung direkt gelüftet werden wird. Dazu zählen etwa Alpiq (genehmigtes Gesamtbudget für die Vergütung 2015: 5,9 Millionen Franken), Balôise (10 Millionen Franken), Bossard (4,9 Millionen Franken), Clariant (14,5 Millionen Franken), Daetwyler (7,4 Millionen Franken), GAM (21 Millionen Franken), Kudelski (10 Millionen Franken), Panalpina (15,1 Millionen Franken), Partners Group (64,3 Millionen Franken), Sika (18 Millionen Franken), Syngenta (41 Millionen Franken) oder Zehnder (3,5 Millionen Franken).

Was hat das Topmanagement verdient

Insgesamt haben sich die 54 Firmen ein Gesamtbudget für die Vergütung 2015 von rund 370 Millionen Franken genehmigen lassen. Wie viel Geld davon nun tatsächlich an das jeweilige Management fliesst, gibt Rückschlüsse auf die Qualität der Leistungen des Topmanagements.

Bei Bossard wird man also zum Beispiel sehen, wie viel von den genehmigten 4,9 Millionen Franken an Gesamtvergütung tatsächlich an die Geschäftsleitung gegangen sind und warum. Auch beim Spitzenreiter der Auflistung, Partners Group, dürften die Aktionäre genauer auf die konkrete Grösse der Lohntüte schauen.

Gar Rückzahlungen sind möglich

Neben dieser Transparenz bei der Einschätzung der tatsächlichen Leistung des Managements dürfte künftig spannend werden, bei welchen Firmen möglicherweise eine Rückzahlung von bereits gezahlten Salären ansteht, weil sich die Leistungen der Chefs im Nachhinein als ungenügend herausgestellt haben. Gewisse Klauseln in den Verträgen bei einigen Unternehmen lassen eine solche Vorgehensweise mittlerweile zu.

(sda/jfr)

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