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Charles Vögele: Plan A oder Plan B

Falls der Plan A von Chefsanierer Hans Ziegler nicht fruchtet, droht Charles Vögele der Totalausverkauf.

Die Beratungsfirma Roland Berger sollte einen Käufer für den defizitären Moderetailer Charles Vögele suchen.

Von Stefan Barmettler
02.10.2012

Charles Vögele, dem traditionsreichen Modehaus, bleibt nichts erspart. Eben ist mit Frank Beeck der zweite CEO ­innert zwölf Monaten verabschiedet worden, was den angestrebten Turn­around und die Stimmung im Haus kaum befördert. Die Rendite- und ­Umsatzzahlen senden ohnehin seit ­Monaten bedrohliche Signale aus.

Verständlicherweise steigt bei den Vögele-Aktionären Migros, Tito Tettamanti, Bestinver und BlackRock die Nervosität. Bei der Migros – mit 25 Prozent stärkster Aktionär – ist das Vögele-Investment umstritten: Eine forsche Truppe in der Konzernzentrale drängt auf eine Übernahme; die Genossenschafter, die ein Blutbad befürchten und nichts mit den defizitären Auslandtöchtern am Hut haben, stemmen sich gegen eine Akquisition. Deshalb wird die Beteiligung seit Monaten als «reines Finanzinvestment» bezeichnet.

Ein ziemlich schlechtes. Die Buchverluste belaufen sich für die Migros auf 30 bis 80 Millionen Franken, schätzen Analysten. Migros-Finanzchef Jörg ­Zulauf: «Ich kann ­bestätigen, dass der Buchverlust innerhalb dieser Bandbreite liegt.» Allerdings habe man die Verluste «teilweise durch Optionsgeschäfte und in den ­Anfängen durch ­Dividendenerträge» real kompensiert.

Ein Trauerspiel

Die Investoren setzen auf rasche ­Remedur. Oder auf einen Ausstieg. Kürzlich hat der Vögele-VR gemäss BILANZ-Recherchen die ­Beratungsfirma Roland Berger angegangen. Der Auftrag: Best Ownership. Konkret sollte Roland Berger einen Käufer suchen. In den letzten Tagen aber hat Vögele-Chefsanierer Hans Ziegler diese Suche wieder abgeblasen. Firmensprecherin Nicole Borel: «Wir haben kein Beratungsmandat an Roland Berger vergeben.»

Die Annullierung des Suchauftrags könnte darauf hindeuten, dass Ziegler mit Plan B (Verkauf) doch noch zuwarten will und vorläufig auf Plan A (Sanierung) setzt. In diesem Fall müssten möglichst rasch die defizitären Tochterfirmen in Deutschland, Österreich und den Benelux-Ländern abgestossen werden. Vielleicht war der eben geschasste Beeck – ein Marketing- und Sales-Experte – der falsche Mann für einen ruppigen Devestitionskurs.

Ein Trauerspiel. Derzeit wird Vögele an der Börse mit 127 Millionen Franken bewertet. Dabei ist allein das Immobilienportfolio – 15 Liegenschaften in der Schweiz – rund 130 Millionen wert. 

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