1. Home
  2. Unternehmen
  3. Charles Vögele: Endspiel

 
Charles Vögele: Endspiel

Hans Ziegler macht bei der ­Sanierung von Char­les ­Vögele wenig Fortschritte
Keine Radikalkur, kein Käufer: Hans Ziegler macht bei der ­Sanierung von Char­les ­Vögele wenig Fortschritte.

Hans Ziegler, Sanierer des Textilhandelskonzerns, sucht einen Käufer. Bislang haben C&A und Gruppo Coin abgesagt.

Veröffentlicht am 07.02.2013

Dieser Tage wird bei Charles Vögele ein neuer Verkaufschef Schweiz eingesetzt. Der Mann versteht das Modegeschäft, war er doch früher Geschäftsführer beim Konkurrenten PKZ. Ein Lichtblick an der Personalfront. Ansonsten grassiert im Headoffice und in den Filialen Unsicherheit: Mitarbeiter reichen ihre Dossiers bei Konkurrenten ein, um sich in Sicherheit zu bringen. Denn wöchentlich steigt die Spannung im Traditionshaus aus Pfäffikon SZ. Verkauf, Teilverkauf, Personalabbau, Teilschliessung – viele Optionen sind auf dem Tisch von Sanierer und VR-Präsident Hans Ziegler.

Gemäss ­BILANZ-Recherchen sucht er den Befreiungsschlag. In den letzten ­Wochen verhandelte er mit dem deutsch-belgischen Textilkonzern C&A, der vom Zürcher Zweig der Familie Brenninkmeijer dominiert wird. Im Dezember habe man auch mit dem Detailhandelskonzern Gruppo Coin aus Mailand über einen Verkauf diskutiert, heisst es. Mit der spanischen Inditex-Gruppe (Zara) dagegen habe Ziegler, anders als kolportiert, gar nie verhandelt.

Zieglers Aufgabe ist diffizil. Aktionäre wie Tito Tettamanti haben die Lust an Charles Vögele gründlich verloren und ihre Aktienpakete sukzessive abgestos­sen. Komplizierter ist es mit dem Detailhandelsriesen Migros, der 25 Prozent an der Modefirma hält und faktisch ein Vetor­echt ausübt. Ohne die Migros läuft bei Charles Vögele nichts. Mehrere Quellen sprechen davon, dass Ziegler liebend gerne verlustbringende Auslandtöchter schliessen und ­andere gesundschrumpfen würde. Die Problemfälle liegen seit Jahren in den Niederlanden und Ost­europa. Aber auch Deutschland war ein Fass ohne Boden: Vor zwei Jahren wies die Ländergesellschaft einen Verlust von 36 Millionen Euro aus, bei einem Umsatz von 257 ­Millionen.

Eine Radikalkur, wie sie Hans Ziegler vorschwebt, wäre mit massivem Personalabbau verbunden. Negativschlagzeilen und Gewerkschaftsproteste drohten. Die Mi­gros aber, die sich als sozialer Arbeit­geber versteht, schrecke aus ­Reputationsgründen vor tiefen Einschnitten zurück. «Dies schränkt Zieglers Spielraum ein», sagt ein Vögele-­Kader. Viel Zeit bleibt dem Sanierer nicht mehr. 

Anzeige