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Charles Vögele: Abschied von der Renommiermeile

Charles Vögele: Nach 36 Jahren will das Modehaus den Top-Standort offenbar aufgeben.   Keystone

Der Schweizer Kleiderhändler Vögele ist arg gebeutelt. Nun steht das Unternehmen offenbar kurz vor dem Auszug aus seiner grössten Filiale an der Zürcher Bahnhofstrasse. Eine letzte Hürde bleibt noch.

Von Philipp Albrecht
06.04.2016

Dieser Standort ist Gold wert. Seit 36 Jahren betreibt Vögele quer zur Zürcher Bahnhofstrasse gegenüber dem Jelmoli auf drei Stockwerken eine 2200 Quadratmeter grosse Filiale. Trotz Traumlage ist es an der Sihlstrasse 3 in den letzten Jahren ruhig geworden. Die Kunden shoppen lieber bei den internationalen Billighändlern H&M und Zara in der Nachbarschaft. Auch der Umbau zu einem Flagship Store vor sechs Jahren brachte nicht die erhoffte Wende.

Jetzt will das Unternehmen offenbar ausziehen und die Räumlichkeiten weitervermieten, wie die «Bilanz» erfahren hat. Nachfolgerin soll die deutsche Drogeriekette Müller werden, die vor fünf Jahren von Jelmoli wegen Platzansprüchen auf die Strasse gestellt wurde und seither in der Stadt Zürich nicht mehr präsent ist.

Spekulation um Verkauf

Auf Anfrage antworten beide Unternehmen ausweichend: «Wir bitten um Verständnis, dass wir diesbezüglich noch keine Auskunft geben können», heisst es bei Müller. Die Vögele-Sprecherin Nicole Borel schreibt: «Es ist nichts entschieden.»

Zögert Vögele etwa wegen einer anstehenden Übernahme? Laut «Finanz und Wirtschaft» steht der Kleiderhändler vor dem Verkauf. Die Rede ist auch von einem geplanten Börsenrückzug. Genannt wird der Aspen Trust mit Sitz in Zypern, der seit kurzem rund 15 Prozent der Vögele-Aktien hält. Dieser agiert möglicherweise im Auftrag eines internationalen Händlers, der neue Absatzkanäle suche und darum Interesse an Vögeles Immobilien habe. Mit 759 Standorten kann sich dieses Portfolio sehen lassen.

Verschwiegenes Modehaus

Die Filiale in der Zürcher Innenstadt ist unbestritten das Filetstück. Das Gebäude gehört zwar dem Zürcher Frauenverein (ZFV), doch die Räumlichkeiten wurden dem Modehaus im Baurecht überlassen. Welcher Interessent sich hinter Aspen Trust versteckt, lässt sich bislang nicht in Erfahrung bringen. Laut Gerüchten handelt es sich nicht um einen Anbieter aus der Modebranche. Vögele will vor der Publikation des Jahresabschlusses am 26. April zu den Übernahmegerüchten keine Stellung nehmen.

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