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Brexit: Wo Londons Banken Exil finden

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Frankfurt: Die deutsche Finanzmetropole gilt als Brexit-Gewinnerin.Pixabay

Nach dem Brexit brauchen Londons Banken eine Gesellschaft mit EU- Banklizenz. Entsprechend buhlen Frankfurt, Dublin und Paris nun um die Brexit-Flüchtlinge aus London. Manches ist schon entschieden.

Nach dem geplanten EU-Austritt Grossbritanniens brauchen in London ansässige Finanzinstitute eine eigene Gesellschaft mit Banklizenz in einem Land der Europäischen Union, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten vertreiben zu dürfen. Paris, Frankfurt, Dublin und andere buhlen um die Brexit-Flüchtlinge. Insbesondere Frankfurt profitiert. Unter anderem haben sich vier der fünf grössten US-Investmentbanken nach eigenen Angaben oder Informationen aus Finanzkreisen bereits entschieden, wichtige Teile ihres Geschäfts an den Main zu verlagern. Was bisher über die Planungen der Banken bekannt ist:

Wie viele Banker ziehen um?

Wie viele Arbeitsplätze verlagert werden, hängt insbesondere von den Vorgaben der Aufsichtsbehörden und der Ausgestaltung des Brexit ab. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin fordert von den Banken, bei einem Umzug auch wesentliche Teile ihres Managements von Grossbritannien nach Deutschland zu verlagern. Auch der EU-Finanzaufsicht ESMA sind Briefkastenfirmen ein Dorn im Auge, bei denen Banken nur formal ihren Sitz verlagern, aber der Vorstand, die IT und das Controlling weiter in London oder einem anderen Land ausserhalb der EU sitzen.

Der Verband der Auslandsbanken erwartet, dass durch den Brexit in den nächsten zwei Jahren 3000 bis 5000 Arbeitsplätze in Frankfurt entstehen. Der Standortvermarkter Frankfurt Main Finance rechnet damit, dass bis 2021 rund 10'000 Stellen von der Themse an den Main verlagert werden, falls auch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) von London nach Frankfurt sowie das Euro-Clearing - also die Abwicklung von auf Euro lautenden Derivategeschäften - verlagert werden.

Wer wählt Frankfurt?

Die Deutsche Bank stellt sich in ihren Brexit-Planungen auf den Extremfall ein. «Es ist wichtig, dass wir nicht bis zur letzten Minute warten», sagte Vorstandschef John Cryan vor wenigen Tagen in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter. Das Geldhaus will Teile des Wertpapiergeschäfts nach Frankfurt verlagern. Am Firmensitz soll ein Buchungszentrum entstehen, in dem grosse Teile des Europa-Geschäfts mit institutionellen und Firmenkunden verarbeitet und abgewickelt werden. Die Bank werde die Londoner Infrastruktur in Frankfurt kopieren und an dieser Doppelstruktur zumindest während einer Übergangsphase festhalten, um flexibel auf den Brexit reagieren zu können, sagte Cryan.

Er liess offen, wie viele Jobs von den Veränderungen betroffen sein werden. Vorstandsmitglied Sylvie Matherat hatte bereits im Mai eine Zahl von rund 4000 Mitarbeitern genannt, die nach dem Austritt Grossbritanniens aus der EU aus London abgezogen werden könnten. Dort arbeiten derzeit fast 8600 Menschen für die Deutsche Bank.

Die US-Grossbank Citigroup will eine bestehende Tochter in Franfurt mit einer Handelslizenz ausstatten. Bisher betreibt Citi das Handelsgeschäft über ihre britische Tochter. Für das normale Bank-Geschäft in Europa soll die irische Citibank Europe plc (CEP) zuständig bleiben. Wie viele Stellen wegen des Brexits verlagert werden, steht noch nicht fest. Unter Umständen müssten etwa 150 Jobs in der EU geschaffen werden, hiess es in einem Mitarbeiterschreiben.

Die grösste US-Bank JP Morgan wird sich wohl für Frankfurt als rechtlichen Sitz für sein Europageschäft entscheiden, da die Tochter am Main die erforderlichen Lizenzen schon besitzt. «Aber die Mitarbeiter könnten in Paris, den Niederlanden oder Madrid sitzen. Wir haben uns noch nicht entschieden», sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon am 11. Juli.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat Banklizenzen in Deutschland und Frankreich sowie Niederlassungen in weiteren Städten Europas. «In den nächsten 18 Monaten werden wir diese Standorte ausbauen, wir werden in einigen davon zusätzliche Flächen anmieten, und wir werden dort Stellen und Fähigkeiten aufbauen», sagte Europa-Chef Richard Gnodde Ende März. Die Bank beschäftigt in London rund 6000 Mitarbeiter, in Frankfurt sind es lediglich rund 200. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich die Zahl der Stellen in Frankfurt wenigstens verdoppeln werde, sagte Gnodde Mitte Juni.

Die US-Investmentbank Morgan Stanley will einem Insider zufolge ihren Standort in Frankfurt ausbauen. Künftig sollten 400 Banker am Main angesiedelt sein, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Bislang arbeiten dort 200 Menschen für das US-Institut.

Die britische Grossbank Standard Chartered will den Standort Frankfurt zu ihrer Europa-Basis ausbauen. «Die Wahl ist wie selbstverständlich auf Frankfurt gefallen, da wir dort eine Niederlassung haben und da auch das Euro-Clearing machen», begründete Chairman Jose Vinals im Mai die Entscheidung. Bislang hat das Geldhaus in Frankfurt rund 100 Mitarbeiter. Wie viele Beschäftigte das Institut am Ende in der Main-Metropole haben wird, hängt vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen ab.

Die Grossbank Mizuho Financial will den Wertpapierhandel in der Europäischen Union künftig vom Main aus steuern. Die Bank hat angekündigt, die dafür nötige Lizenz für eine neue Tochter zu beantragen.

Das japanische Institut Sumitomo Mitsui Financial Group will eine eigene Tochter in Frankfurt gründen. Wie viele der rund 1000 Sumitomo-Financial-Mitarbeiter in London an den Main umziehen, ist noch offen.

Auch die japanische Investmentbank Nomura hat sich für Frankfurt als künftigen EU-Standort entschieden. Sie hat eine Lizenz für eine neue Tochtergesellschaft am Main beantragt. Nomura zählt 3000 Beschäftigte in Europa, die meisten davon in London. Die Bank wollte sich nicht dazu äussern, wie viele Jobs nach Frankfurt verlagert werden. Die meisten Banker dürften aber auch nach dem Brexit in London bleiben.

Der japanische Wertpapierhändler Daiwa Securities will ebenfalls eine neue Tochter am Main gründen und eine entsprechende Lizenz in Deutschland beantragen. Das Unternehmen zählt etwa 450 Beschäftigte in Grossbritannien. Unklar ist bislang, wie viele Mitarbeiter nach Frankfurt wechseln, wo Daiwa bereits seine Sparte Investmentbanking angesiedelt hat.

Wer will nach Paris?

Das Institut HSBC will bei einem «harten» Brexit, bei dem Grossbritannien seinen freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt verliert, rund 1000 Jobs nach Paris verlagern. Die britische Grossbank beschäftigt 43'000 Menschen in ihrer Heimat.

Das französische Geldhaus Societe Generale könnte rund 400 Jobs aus dem Investmentbanking und den Firmenkundengeschäft (CIB) aus London verlagern, die meisten davon nach Paris, sagte Vorstandschef Frederic Oudea am 11. Juli. In London zählt Societe Generale bislang 2000 Beschäftigte in diesen Sparten.

Die französische Grossbank BNP Paribas könnte einem Insider zufolge bis zu 300 Investmentbanker aus London nach Frankreich verlagern. Ende 2016 zählte BNP Paribas gut 3100 Beschäftigte in der Investmentbank in London.

Das französische Institut Credit Agricole könnte nach eigenen Angaben rund 100 seiner 1000 Jobs in London nach Paris verlagern.

Wer geht nach Dublin?

Die britische Grossbank Barclays will ihren Standort in Dublin ausbauen. Sie spricht mit den Aufsichtsbehörden, um ihre Produkte auch künftig in den verbleibenden 27 EU-Länder anbieten zu können, wie Barclays Mitte Juli mitteilte. In der irischen Hauptstadt hat das Institut bereits eine Tochter mit Banklizenz, die bislang aber nur bestimmte Produkte anbieten darf. Die Barclays Bank Ireland zählt rund 100 Beschäftigte.

Die US-Grossbank Citigroup hatte ihre Tochter in Dublin bereits im vergangenen Jahr ausgebaut. Die irische Citibank Europe plc (CEP) beschäftigt inzwischen fast die Hälfte der Citi-Mitarbeiter in der EU. Darüber will Citi auch künftig das normale Bank-Geschäft in Europa betreiben, für das Handelsgeschäft soll dagegen eine Tochter in Frankfurt zuständig sein. 

(reuters/ccr)

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