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Boni-Banker: Auf Rekordkurs

Boni-Banker: Auf Rekordkurs

Im Jahr eins nach der Finanzkrise sind die Bonustöpfe wieder übervoll. Für Topverdiener wie CS-Chef Brady Dougan locken gar Rekordsummen von 50 Millionen Franken.

Von Erik Nolmans
29.01.2010

Dieser Tage schielt CS-Chef Brady Dougan noch öfter auf den Aktienkurs seiner Bank als sonst schon. Denn mit ­jedem Franken, den der Kurs der Credit-Suisse-Papiere derzeit hochklettert, ­schwillt sein Bonuspaket um über eine Million an.

Grund für die erwartungsvolle Vorfreude Dougans ist ein vor fünf Jahren lanciertes Bonusprogramm, das Ende März zur Auszahlung gelangt – und ihm zu aktuellen Kursen rund 35 Millionen Franken einbrächte (siehe «Die CS-Geldmaschine» unter 'Weitere Artikel'). Dies wohlverstanden zusätzlich zum eigentlichen Jahressalär für 2009, das dank neuen Milliardengewinnen der Bank rund 15 Millionen erreichen dürfte. Damit fliesst für dieses Jahr also eine Gesamtsumme von 50 Millionen Franken in die Taschen von Dougan.

Der bisherige Rekordhalter, Daniel ­Vasella von Novartis, der es nach Marktwerten auf 40 Millionen brachte, wird damit abgehängt. Brady Dougan aber, der Spross einer einfachen Eisenbahner­familie aus dem grauen Industriestädtchen Murphysboro nahe Chicago, betritt endgültig den Olymp der Grossverdiener. Der gelernte Aktienhändler, der schon seit 19 Jahren bei der CS wirkt, darf die Früchte seines Einsatzes ernten und setzt um, was sein ehemaliger Vorgesetzter, Joggingpartner und Förderer Allen Wheat, Investment-Banking-Chef der CS bis 2001, einst ganz offen als das wichtigste Ziel eines Bankers bezeichnet hat: «So viel Geld wie möglich verdienen.»

Doch nicht nur CEO Dougan winkt der grosse Reibach, sondern auch einzelnen Spartenleitern: Private-Banking-Leiter Walter Berchtold und Investment-Banking-Chef Paul Calello dürfen sich auf je rund 25 Millionen Franken freuen.

Dass es ausgerechnet die Banker sind, die diesen Frühling neue Höchstmarken setzen, hätte vor einem Jahr niemand zu prophezeien gewagt. Nach Milliardenverlusten, staatlichen Rettungsaktionen und Entlassungen versank die Branche weltweit in Unsicherheit.

Heute befinden sich die Gewinne vieler Banken auf alten Höhen (siehe «Aus dem Gröbsten heraus» im Anhang). Die Bonustöpfe sind übervoll. 224 Milliarden Franken haben die grössten europäischen und amerikanischen Banken in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres für Löhne und Salärleistungen zurückgestellt. Angesichts des guten vierten Quartals im Finanz­wesen dürfte sich diese Summe für das Gesamtjahr auf rund 300 Milliarden Dollar erhöhen – so viel wie in den Boomjahren. An der Wall Street werden die ­Boni für 2009 um rund 40 Prozent steigen – und den Rückgang des Krisenjahrs 2008 von 53 Prozent zum Teil wieder ausgleichen (siehe «Die Gier ist zurück» im Anhang).

UBS: wieder mehr Bonus. Sogar bei der Krisenbank UBS greift man wieder tüchtig in den Salärtopf. ­Wurde der Bonuspool im letzten Jahr noch von zehn auf zwei Milliarden Franken reduziert, dürfte sich die Summe für 2009 auf rund drei Milliarden erhöhen. Der Verwaltungsrat der Bank entscheidet in diesen Tagen über den endgültigen Betrag. Dabei sollte er nicht aus den Augen verlieren, dass die UBS nach wie vor Verluste schreibt: Vier Milliarden Franken waren es in den ersten neun Monaten. Auch der erwartete Gewinnbeitrag des guten vierten Quartals dürfte kaum ausreichen, um den Konzern aus den roten Zahlen zu hieven. Damit steht die UBS deutlich schlechter da als ihre Konkurrentin CS, bei der die Analysten von einem Gesamtgewinn für 2009 von rund 7,5 Milliarden ausgehen.

Geld zum Verteilen wäre bei der CS ­also vorhanden. Doch die Bank befindet sich in einem Dilemma. Einerseits hat sie sich in Vergütungsfragen immer wieder in der Vorreiterrolle gefallen und positive ­Signale gesetzt. Anderseits verzerrt die schiere Höhe der Beträge, die Dougan & Co. einstreichen, das Bild.

Die Credit Suisse hat angekündigt, ­ihren weltweiten Bonuspool im Vergleich mit 2008 um fünf Prozent zu reduzieren. Damit soll vor allem die Sondersteuer, welche die britische Regierung auf Boni über 25  000 Pfund erhebt, finanziert werden. Zudem hat die Bank beschlossen, ­ihrem Topkader vor Ort in London die Boni gar um 30 Prozent zu kürzen. Die CS zeigt damit, dass sie die Anliegen der Regulatoren ernst nimmt. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Banken in der City, die ihren Leuten einfach die Grundlöhne heraufgesetzt haben, um die Sondersteuer auszugleichen.

Per Ende September 2009 hat die Credit Suisse insgesamt 12,5 Milliarden Franken für Löhne und Boni zurückgestellt, verglichen mit 13,3 Milliarden im Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr dürften für Boni schätzungsweise sieben bis acht Milliarden Franken bereitstehen. Die genaue Zahl gibt die Bank nicht bekannt.

Um das Geld in den Töpfen wird jeweils in der zweiten Januarhälfte gefeilscht. Dann treten die Banker bei ihren Chefs zum Bonusgespräch an. Dabei ist Selbstbewusstsein angesagt – wer mit einem kleinen Bonus abgespeist wird, gilt bei den Kollegen als Verlierertyp. Die Chefs machen beim Spiel inzwischen wieder bereitwillig mit. Alleine die grossen Investmentbanken dürften in den kommenden Wochen fast 70 Milliarden Franken an Boni auszahlen.

Kein Wunder, platzt angesichts dieser Entwicklung so manchem der Kragen. Für US-Präsident Barack Obama sind die Banker schlicht «schamlos». Ihre Un­einsichtigkeit treibt ihn an, das Tempo für eine fundamentale Neuordnung der ­Bankenwelt zu forcieren. Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde will angesichts der «extravaganten Boni» dem Beispiel der Briten folgen und eine Sondersteuer einführen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel echauffierte sich über die Banker, die «bereits wieder eine dicke Lippe» riskierten.

Auch in der Schweiz sind Politiker von links bis rechts empört: «Eine Sauerei» sei das Ganze, sagte FDP-Nationalrat Philipp Müller, und selbst der eher nüchterne ­Peter Siegenthaler, Leiter der Eidgenössischen Finanzverwaltung, liess in einem Interview verlauten, er sei ratlos und hoffe, dass die Branche zu «normaleren Verhältnissen» zurückkehren werde. Für Klaus Schwab, Gründer des Davoser Weltwirtschaftsforums, sind die Boni-­Exzesse Zeichen für den Zerfall sozialer Werte: An die Stelle des Gemeinschaftsgedankens in der Gesellschaft sei die Profitmaximierung des Einzelnen getreten, schrieb er im «Wall Street Journal». Seine Klientel wird es nicht gerne hören: Viele Banker gehören zu den Stammgästen am jährlichen Davoser Stelldichein.

Zaghafte Reformen. Der Zeitpunkt für einschneidende Reformen wäre jetzt. Das ist jedem klar, dem der Schrecken des Beinahezusammenbruchs des Finanzsystems noch in den Gliedern steckt. Erste Massnahmen sind erfolgt, doch bleiben sie eher zaghaft. So hat die US-Investmentbank Goldman Sachs im vierten Quartal ihren Bonustopf nur noch zurückhaltend geäufnet – offenbar eine Reaktion auf die massive ­öffentliche Kritik. Reagiert hat auch die britische Barclays Bank, welche die Boni ihrer Banker auf drei Jahre sperrt. An der enormen Gesamtsumme im Banking ändert das alles freilich wenig. 145 Milliarden Dollar werden allein die US-Banken für 2009 an Salären zahlen – ein neuer Rekord.

Weiter gehender Reformeifer verpufft, weil sich die Branche querlegt. Die Argumentation der Banken ist simpel: Es sei der Konkurrenzdruck, der ihnen in Lohnfragen Fesseln anlege. Wer nicht mit­mache, dem liefen die Leute davon. ­«Unsere Aktionäre verlangen von uns, die besten Leute einzustellen. Um diese zu beschäftigen, müssen wir wettbewerbsfähig sein – auch bei den Salären weltweit», betonte etwa CS-Präsident Hans-Ulrich Doerig jüngst.

Ohne Bonus: Exodus. Krisenbanken wie die UBS, die sich nicht in gleicher Weise grosszügig zeigen können, bieten anschauliche Beispiele für das moderne Söldnerwesen im Banking. Ganze Teams liefen der Bank im vergangenen Jahr davon. Laut UBS-Insidern entgingen der Bank dadurch Erträge in Höhe von mehreren hundert Millionen Franken. Die latente Drohung vieler Banker, bei finanziell attraktiveren Angeboten einfach den Arbeitgeber zu wechseln, ist für Michael Kramarsch, Experte für Managementvergütung beim Unternehmens­berater Towers Watson, aber nichts ­anderes als «zur Kunstform erhobene ­Erpressung».

Auffallend dabei ist, dass sich die Chefs beim eifrigen Verweisen auf die Löhne der Konkurrenz meist nur nach oben orientieren. In der Tat schlagen die Amerikaner selbst Topsaläre wie jenes von Brady Dougan locker. Gönnen sich die US-Chefs, wie erwartet wird, für 2009 wieder Boni in Höhe der Vorkrisenzeit, so ist die Benchmark hoch: 2007 etwa bekam John Thain, Ex-Chef der Investmentbank Merrill Lynch, 83,8 Millionen Dollar. Sein Kollege Lloyd Blankfein von Goldman Sachs strich fürs Jahr 2007 rund 70 Millionen Dollar ein. Die Bankchefs horten zudem dicke Pakete von Aktien ihrer eigenen Firma. Das Aktienpaket von James Dimon, CEO von J.P. Morgan Chase, ist beispielsweise 163 Millionen Dollar wert. Als der langjährige Goldman-Sachs-Obmann Henry Paulson im Juni 2006 zurücktrat, durfte er seine Goldman-Sachs-Aktien im Wert von 480 Millionen Dollar vorzeitig verkaufen. «Eine halbe Milliarde Dollar für einen Menschen, verdient in ein paar Jahren: Welche Arbeit kann so viel wert sein?», fragte «Der Spiegel».

Doch es gibt auch Gegenbeispiele. ­Stephen Green, Chef der erfolgreichen HSBC, die im Krisenjahr 2008 als eine von nur wenigen Banken tüchtig Gewinn machte, bekam im letzten Jahr 1,26 Millionen Pfund. Bescheiden ist man in skandinavischen Ländern wie Schweden, wo die Löhne der Bankenchefs im einstelligen Millionenbereich liegen (siehe Tabelle «Grosser Unterschiede» im Anhang). So erhielt beispielsweise Christian Clausen, CEO von Nordea, 1,7 Millionen Franken für 2008, als seine Bank drei Milliarden Euro Gewinn machte.

Dass weltweit eher die bescheideneren Lösungen angesagt sind, zeigen auch die Beispiele aus Asien. Die japanische Mizuho, eine der drei grössten japanischen Banken, zahlt ihrem elfköpfigen Management inklusive CEO eine Gesamtsumme von umgerechnet gerade mal 3,9 Millionen Franken.

Hat sich eine Bank aber einmal auf die Dynamik der sich nach oben drehenden Lohnspirale eingelassen, wird es schwer, den Mechanismus zu durchbrechen. Wer das Spiel nicht mitmache, riskiere in der Tat Abgänge von Schlüsselmitarbeitern, betont Salärexperte Kramarsch. «Die Lösung kann daher nur von aussen kommen – durch Druck der Regulatoren», ist der Experte überzeugt. Wichtig sei dabei, ­international zu einheitlichen Auflagen zu gelangen, um die Banken nicht in den ­einen Ländern gegenüber andern zu benachteiligen. Man müsse dabei «nicht nur gut, sondern auch schnell agieren». Denn die Erinnerung an die Krise verblasse bereits: «Es ist desillusionierend, mit welchem hanebüchenen Selbstbewusstsein viele Banker wieder auftreten.»

Der Markt soll es richten. Derzeit ringen die G-20-Staaten um ein neues Salärsystem. Doch die bisherigen ­Lösungen sind eher zahm. Ausser einigen Grundsätzen zur Ausrichtung auf Langfristigkeit und zu einer vermehrten Anbindung ans Risiko wurde wenig verändert. Eine Beschränkung der absoluten Höhe der Boni hatte bisher nicht den Hauch einer Chance. Getreu den wirtschaftsliberalen Ansichten der westlichen Welt will man diese Frage dem Markt überlassen. Der Druck der Finanzlobby erwies sich vor allem in den Zentren New York und London als übermächtig.

Wer in Regulierungsfragen eine Vorreiterrolle spielen will, wie es etwa die Schweiz auf Druck des neuen Nationalbank-Chefs Philipp Hildebrand tat, riskiert den Zorn der Branche. Die Schweiz führte im Herbst 2008 vor allen anderen verbindliche Richtlinien ein, etwa zu einer höheren Eigenkapitalquote und zur Einführung einer Verschuldungsgrenze. Hildebrand, so der Vorwurf vieler Banker, sei nichts als ein eitler Notenbanker, der sich auf Kosten der Wettbewerbs­fähigkeit der Schweizer Banken profilieren wolle.

Die heutigen Boni-Vorschriften der Finma taugen wenig, um die Exzesse in der Bezahlung der Banker zu unterbinden. Dies zeigt das Beispiel der PIP-Papiere, die CS-Chef Dougan bald zum Schweizer Rekordhalter machen werden. Obwohl bereits vor fünf Jahren konstruiert, ­entspricht das PIP-Programm (Performance Incentive Plan, also Leistungsanreizprogramm) den heutigen Leitplanken der Finma. «Der Plan entspricht exakt dem, was die Aufsichtsbehörden heute für ein nachhaltig ­aus­gerichtetes, verantwortungsvolles Vergütungssystem fordern», so CS-Chef Dougan. «Nur wenn die Mitarbeiter gut arbeiten und die Aktionäre profitieren, wird auch das Management belohnt – sonst geht es leer aus.» Der PIP-Plan sei, so Investment-Banking-Chef Calello, «seiner Zeit voraus gewesen».

Die genaue Summe, die Dougan oder Calello schliesslich bekommen, kann stark variieren. Im PIP-Programm ist ein kräftiger Hebel eingebaut, der den Begünstigten je nach Entwicklung des Aktienkurses bis zum Neunfachen ihrer Anteilscheine einträgt. So können zu Dougans 50 Millionen gut und gerne noch ein paar Dutzend Millionen dazukommen, sollte der Kurs stark abheben.

Stürzt der Kurs aber ab, muss Dougan zittern. In der dritten Januarwoche, als US-Präsident Barack Obama sein neues Regelwerk von Restriktionen für die Grossbanken ankündigte, sank der Kurs innert zweier Tage um rund zehn Prozent – und Dougan war auf dem Papier auf ­einen Schlag um etliche Millionen ärmer. In den Tagen darauf, als der Kurs sich ­erholte, kehrten die Millionen wieder ­zurück. Entscheidend ist der Durchschnittskurs der ersten drei Monate des laufenden Jahres.

Zu grosser Hebel. Die enormen Schwankungen zeigen, wie absurd es ist, aktienkursbasierte Lösungen als leistungsgerechte Anreize zu verkaufen. Die Entwicklung des Aktienkurses der CS hatte in den hektischen ­Tagen Mitte Januar nichts mit der konkreten Leistung Dougans zu tun. Hätte der US-Präsident überhaupt nicht oder erst einige Wochen später beschlossen, die Banken an die Kandare zu nehmen, wäre der Kurs der Grossbanken wohl noch schneller gestiegen und der CS-Chef ­ohne eigenes Zutun noch reicher geworden. Zum Glück, mag sich Dougan sagen, hat er für Obamas Wahlkampf nur 2300 Dollar gespendet. Problematisch ist auch der enorme Hebel der PIP-Papiere. Dass dieser der CS selber etwas unheimlich wurde, zeigen die späteren Boni-Lösungen, die alle einen deutlich kleineren Multiplikator aufweisen. Die im letzten Herbst ein­geführten variablen Salärvehikel haben ­einen maximalen Hebel von drei.

Und nicht zuletzt ist auch das Argument der Langfristigkeit nicht stichhaltig. Der von der Finma als Mindestfrist gesetzte Zeithorizont von drei Jahren liegt nämlich an der unteren Grenze. Eine Dreijahresspanne hätte an der jüngsten Krise wenig geändert. Schliesslich stand die Branche vor dem Absturz von 2008 sechs Jahre lang in voller Blüte.

Will man die Langfristigkeit wirklich einbringen, müssten deutlich längere ­Perioden gewählt werden. Ein solches Bonusprogramm hat in der Schweiz etwa die Berner Kantonalbank (BEKB), die einzelne ihrer variablen Vergütungen erst nach zehn Jahren auszahlt. «Will man den langfristigen Erfolg messen, so muss die Spanne mindestens einen vollen Konjunkturzyklus umfassen», ist BEKB-Chef Jean-Claude Nobili überzeugt. Ökonomen haben ausgerechnet, dass ein Konjunkturzyklus in der Schweiz rund sieben Jahre umfasst. Für die BEKB-Mitarbeiter ist das Modell bisher aufgegangen: Sie durften sich nach der Zehnjahresfrist auf eine Prämie in Höhe von rund einem Drittel ihres Salärs freuen.

Doch solche Modelle sind im Banking Einzelfälle geblieben. Die Mitarbeiter ­wären in der Regel nicht eben begeistert, wenn sie so lange auf ihre Entlöhnung warten müssten.

Auch das heute so vielversprechende PIP-Programm der CS stiess bei seiner Verkündung Ende 2004 bei den Bankern nicht nur auf Gegenliebe. Es entstammt der Feder von Oswald Grübel, dem heutigen UBS-Chef, der damals an der Spitze der CS stand. Ziel war es, Schlüsselmitarbeiter langfristig an die Bank zu binden. Nachdem nach einem unterdurchschnittlichen Jahr im CS-Investment-Banking nur wenig Geld in der Kasse zum Verteilen bereitgelegen hatte, beschloss Grübel, seine Leute stattdessen mit der Aussicht auf spätere Topauszahlungen zu ködern. Neben Brady Dougan, Walter Berchtold und Paul Calello kamen ein halbes Dutzend weitere Mitglieder der CS-Konzernleitung sowie rund 300 Kaderleute der Bank in den Genuss des PIP-Programms. Grübel selber hat seine PIP-Anteile bei seinem Wechsel zur UBS im vergangenen Frühling an die CS zurückgegeben und sich den Ausfall von der UBS abgelten lassen. Da seine PIP-Einheiten wegen des damals sehr tiefen CS-Aktienkurses nur wenig wert waren, kam die UBS laut Schätzungen mit einer Zahlung in einstelliger Millionenhöhe davon.

Einfluss auf die Auszahlung an seine Topleute hat der CS-Verwaltungsrat keinen, denn die Richtlinien wurden bereits bei der Erstellung der PIP-Programme abgesegnet. Die Beträge dafür wurden in den vergangenen Jahren bereits verbucht. 114 Millionen waren es 2008, 451 Millionen 2007 und 462 Millionen 2006.

Dass die Banker freiwillig auf die Zahlungen verzichten werden, um gegen aussen ein Signal zu setzen, ist wenig wahrscheinlich. So zog es etwa Spartenchef Berchtold selbst im Verlustjahr 2008 vor, Millionenboni einzustreichen. Sein Bereich, das Private Banking, habe erfolgreich gearbeitet, lautete die Begründung der Bank. Als Mitglied der Konzernleitung würde Berchtold freilich auch für das Gesamtresultat der CS Group in der Verantwortung stehen. Doch dies schien als Argument keine Rolle zu spielen.

Banker wollen nicht. Schwerer noch als die fehlende Reformkraft der Regulatoren wiegt allemal der fehlende Reformwille der Banker selber. Ihre Branche langfristig zu schützen und zu stabilisieren sowie die eigene Firma zu stärken, läge nicht zuletzt auch im Interesse der Aktionäre. Doch bei der Verteilung der Milliardengewinne unter Aktionären, Chefs und Mitarbeitern ziehen einmal mehr die Topkader das grosse Los. Hintanstehen müssen die Unternehmen: Ihre Reserven werden nur minimal aufgestockt. Der dringende Wunsch der Regulatoren im Nachgang der Krise, mit ­neuen Gewinnen in erster Linie die Kapital­decke zu stärken, ist nur zögerlich umgesetzt worden.

Die soliden Kapitaldecken, auf die sowohl UBS wie CS immer wieder verweisen, werden durch verschiedene Studien arg relativiert. So arbeitet die Bank für ­Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel an neuen Methoden zur Bewertung des Kapitals. Gemessen an diesen Richt­linien würde die Kapitaldecke der Schweizer Banken laut einer Studie der italienischen Bank UniCredit deutlich weniger glanzvoll aussehen. Bei der Credit Suisse etwa erwiese sich das Kapital vor allem im Verhältnis zum Verschuldungsgrad als gering.

Würde man bei den Salären sparen, stünde mehr Kapital zur Verfügung. Doch das geschieht nicht. So bleibt die Diskussion um die Boni der hilflose Versuch, ­einen Arbeitsmarkt zu regulieren, der sich mit Händen und Füssen dagegen wehrt. Die Banker haben ganz einfach zu viel zu verlieren. Das Motto der persönlichen Bereicherung, wie es Allen Wheat seinem Freund Brady Dougan vor zehn Jahren näher brachte, gilt trotz einer existenz­bedrohenden Finanzkrise so ausgeprägt wie eh und je.

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