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Jubiläum 
Boeing: Die Geschichte eines amerikanischen Traums

1916 legte der deutsche Auswanderer Wilhelm Böing den Grundstein für Boeings Flug- und Raumfahrt-Imperium. Heute, 100 Jahre später, steht der Konzern vor grossen Herausforderungen.

Veröffentlicht 11.07.2016

Es begann mit einem schlichten Bootshaus am Lake Union. Hier, in Seattle im US-Bundesstaat Washington, wollte William Boeing eine Jacht bauen. Doch dann entdeckte der Unternehmer seine Faszination für das Fliegen und funktionierte das Gebäude kurzerhand zur Flugzeugfabrik um.

Am 15. Juli 1916, vor hundert Jahren, gründete er mit einem Startkapital von 100'000 Dollar die Pacific Aero Products Company. Damit war die Basis für Boeings Flug- und Raumfahrt-Imperium gelegt, das heute Weltmarktführer ist. Zuletzt hatte der Konzern einen Börsenwert von fast 82 Milliarden Dollar.

Der legendäre «Red Barn» - der erste Werksschuppen - steht heute als Meilenstein der Unternehmensgeschichte im Luftfahrtmuseum von Seattle.

Deutsche Wurzeln

Was wenig bekannt ist: Auch deutscher Pioniergeist spielte eine wichtige Rolle bei dieser Geschichte. Denn Boeings Wurzeln liegen in Westfalen. Im Jahr 1868 brach der deutsche Auswanderer Wilhelm Böing von Hohenlimburg im Sauerland nach Amerika auf, um dort sein Glück als Unternehmer zu versuchen.

Er gründete einen erfolgreichen Holzhandel und verdiente genug Geld, um seinen Sohn William auf Privatschulen und an die Eliteuni Yale zu schicken. Aus dem deutschen Namen Böing entstand das amerikanische Boeing - das zum Synonym für das grösste Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt wurde.

Vor Herausforderungen

Doch im Jubiläumsjahr steht der Konzern, der stark von US-Rüstungsaufträgen profitiert und dessen Historie auch dunkle Kapitel wie den verheerenden Atombomben-Abwurf auf Hiroshima durch einen Boeing-B-29-Bomber umfasst, vor Herausforderungen. Der Konkurrenzdruck durch den Erzrivalen Airbus macht den Amerikanern zu schaffen. Anleger blickten zuletzt eher bange in die Zukunft, die Boeing-Aktie hat seit dem Jahresbeginn über zehn Prozent eingebüsst.

Wurde Airbus in den 1970er Jahren noch belächelt, haben sich die Europäer längst zum gleichwertigen Konkurrenten aufgeschwungen. Nach dem ersten Passagier- und Frachtjet A300 setzte Airbus Ende der 1980er Jahre mit der A320-Modellfamilie auf den wichtigen Markt der Mittelstreckenjets - und machte der etablierten Boeing 737 Konkurrenz.

Ein Getriebener

Im neuen Jahrtausend musste der Jumbo-Jet 747, mit dem Boeing einst Langstreckenflüge erschwinglich gemacht hatte, seine Rolle als weltgrösster Passagierjet an die A380 von Airbus abgeben.

Mittlerweile ist der US-Hersteller ein Getriebener. Beim Zeitplan für die Modernisierung der lukrativen Kurz- und Mittelstreckenjets liegen die Amerikaner gut ein Jahr hinter den Europäern - und mussten beim Marktanteil deutlich Federn lassen. Inzwischen gehen rund 60 Prozent der Bestellungen in diesem Bereich auf das Konto von Airbus. Düster sieht es für Boeing bei der jüngsten Jumbo-Variante aus, der erneuerten 747-8. Angesichts mangelnder Neuaufträge sollen ab September nur noch sechs Jumbos pro Jahr die Werkshallen verlassen.

Verkaufsschlager «Dreamliner»

Viel besser verkaufen sich Boeings jüngster Spross, der Langstreckenjet 787 «Dreamliner», und lange Zeit auch seine grössere Schwester 777. Letztere bekommt derzeit eine Frischzellenkur. Die 777X soll deutlich sparsamer sein und dem jüngsten Airbus-Modell A350 trotzen. Beim Rumpf des «Dreamliner» hat Boeing als erster Hersteller im grossen Stil Verbundwerkstoffe statt Aluminium eingesetzt - und als Technik-Pionier viel Lehrgeld bezahlt.

Das erste Exemplar des Hightech-Jets lieferte der Hersteller über drei Jahre später aus als geplant. Zwischenzeitlich wurde der Traumflieger sogar zum Alptraum: Nach einem Feuer und Schmorbrand bei den Batterien an Bord zweier «Dreamliner» verhängten Aufsichtsbehörden Anfang 2013 ein Flugverbot - bis das Problem zumindest eingekesselt war.

Status verteidigt

Trotz solcher Probleme konnte Boeing seinen Status als grösster Flugzeugbauer der Welt bislang verteidigen. Den einzig verbliebenen heimischen Rivalen im Passagierjet-Geschäft, den US-Hersteller McDonnell Douglas, verleibte sich der Konzern schon vor 19 Jahren ein. Und mit 762 Verkehrsmaschinen lieferte Boeing im vergangenen Jahr 127 Stück mehr aus als Airbus.

Ausserdem baut Boeing Militärhubschrauber, Drohnen, Kampfjets, Satelliten und Komponenten für die Internationale Raumstation ISS. Auch zeichnete der Konzern für den legendären US-Bomber B-52 verantwortlich, der seit den 1950er Jahren bei der US-Luftwaffe im Einsatz ist. Beim Entwicklungsauftrag für einen neuen US-Bomber mussten sich Boeing und sein Partner Lockheed Martin jüngst jedoch dem Konkurrenten Northrop Grumman geschlagen geben.

(sda/ccr)

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