Im Juni 2009 wurde die Investmentfirma Waterfall Talf Opportunity gegründet und mit 15 Millionen Dollar Eigenkapital ausgestattet. Kurz darauf erhielt die Firma mehrere Kredite von der amerikanischen Notenbank (Fed) im Umfang von insgesamt 210 Millionen Dollar. Das geht aus der offiziellen Liste von Kredittransaktionen der Fed hervor und ist an sich noch nicht sehr aussergewöhnlich, weil die Fed damals, während der Finanzkrise, sehr vielen Investmentgesellschaften unter die Arme griff.

Erstaunlich ist hingegen, dassChristy Mack und Susan Karches als Hauptinvestoren bei Waterfall Talf Opportunity genannt werden. Christy Mack ist die Gattin vonJohn Mack, dem früheren Co-CEO der CS und heutigen VR-Präsidenten der US-Bank Morgan Stanley. Susan Karches ist die Witwe vonPeter Karches, einem langjährigen Arbeitskollegen John Macks, zuletzt Leiter Investment Banking bei Morgan Stanley. Gemäss einem Artikel in «Rolling Stone» verfügen weder Christy Mack noch Susan Karches über irgendwelche Investmenterfahrung. Über Christy schreibt das Magazin, sie sei «dünn, blond und reich» und habe abgesehen von Wohltätigkeitsveranstaltungen kein relevantes Geschäftswissen.

Es mutet auf jeden Fall abenteuerlich an, dass die zwei fachlich unerfahrenen Frauen über ihre Investmentfirma für über 200 Millionen Dollar komplizierte Subprime-Papiere kauften, deren komplexe Strukturen die Finanzkrise mitverursacht hatten.

Unter anderem kaufte Waterfall Talf Opportunity von der Credit Suisse Subprime-Papiere für rund 12 Millionen Dollar und von der UBS sogar für rund 25 Millionen Dollar.

Aus heutiger Sicht war der Kauf wahrscheinlich ein lukratives Geschäft. Damals waren die Subprime-Papiere an einem Tiefpunkt angekommen, und sie haben seither massiv an Wert gewonnen. Die Indizes für diese Papiere haben seit dem Jahr 2009 stark zugelegt.

Ein netter Zusatzverdienst für John Mack, der allein im Jahr 2006 als CEO von Morgan Stanley über 40 Millionen Dollar verdiente. Im gleichen Jahr stand er unter Verdacht, Insiderhandel betrieben zu haben.

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