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Biolabel Demeter sucht die Nähe zu Coop und Migros

Bio: Getrieben wird das Wachstum von den Grossverteilern. Keystone

Biologisch produzierte Lebensmittel boomen in der Schweiz. Und so bahnt sich möglicherweise eine Win-Win-Situation im Schweizer Handel an - für Coop, Migros und dem Biolabel Demeter.

Veröffentlicht 22.09.2016

Eine klassische Win-Win-Situation bahnt sich möglicherweise im Schweizer Handel mit Bioprodukten an: Coop und Migros wollen ihr ertragreiches Geschäft mit Bio-Lebensmitteln weiter ausbauen und das Biolabel Demeter muss weitere Absatzkanäle suchen. Tests starten nächstens.

Biologisch produzierte Lebensmittel sind in der Schweiz gefragt wie noch nie. Getrieben wird das Wachstum von den Grossverteilern. Die Verkäufe der kleinen Bioläden und des Fachhandels stagnieren hingegen. Coop ist klarer Marktleader mit einem Anteil von rund 45 Prozent. Stark zulegen konnte 2015 auch Migros. Ihr Umsatz beim Bio- und Alnatura-Sortiment schnellte innert Jahresfrist um fast 15 Prozent in die Höhe.

Das sind auch Gründe, warum Demeter Schweiz künftig stärker mit den beiden Grossverteilern kooperieren will. Die nach den besonders strengen Demeter-Richtlinien produzierenden Bauern beliefern traditionell den tendenziell teureren Biofachhandel (Drogerien, Reformhäuser, Bioläden). Aktuell gehen gut zwei Drittel der Demeter-Produkte im Biofachhandel über den Ladentisch. Rund ein Drittel verkaufen die Bauern direkt ab Hof.

Notwendige Absatzförderung

Bei Demeter Schweiz hat man aber feststellen müssen, dass in den letzten vier Jahren nicht alle biologisch-dynamisch produzierten Nahrungsmittel im Fachhandel abgesetzt werden konnten. Ein Teil davon musste unter dem «weicheren» Biolabel «Knospe» verkauft werden. Konkret waren das im Jahr 2014 rund 100 Tonnen Obst, 50 Tonnen Fleisch und knapp 80 Tonnen Lager- und Frischgemüse, wie Christian Butscher, Geschäftsleiter von Demeter Schweiz, auf Anfrage erklärt.

Für die betroffenen Bauern dürfte dies eine deutliche Umsatzeinbusse bedeutet haben. Führen doch die Demeter-Richtlinien, die unter anderem den Einsatz von Hilfsstoffen, den Stickstoffgehalt und die Produktionsbedingungen festlegen, zu einem Mehraufwand sowie geringeren Erträgen und rechtfertigen so einen höheren Verkaufspreis.

Butscher kann die Preisdifferenz gegenüber konventionell hergestellten Lebensmitteln nicht beziffern, betont aber, dass heute die Preise in der konventionellen Landwirtschaft zu tief seien. Es gehe Demeter auch nicht darum, möglichst hohe Preise zu erzielen.

Künftig kein Luxuslabel

«Demeter ist in den letzten Jahrzehnten vermehrt in ein Luxussegment gerutscht. Das wollen wir ändern», begründet Butscher die Annäherung an die Grossverteiler. Selbstverständlich wolle man auch künftig «keine Discounter-Schiene» fahren. Es sei aber das Ziel in Zusammenarbeit mit den Grossverteilern, Demeter zu fairen Preisen breiten Bevölkerungsschichten anzubieten.

Demeter ist das älteste Ökolabel weltweit und geht auf den Anthroposophen Rudolf Steiner (1861-1925) zurück. Butscher spricht von einer «Demokratisierung» und einer konsequenteren Umsetzung der von Steiner vertretenen Ideen durch die Kooperation mit Coop und Migros.

Demeter-Grundsätze  anstandslos unterzeichnet

Entsprechend erfreut sei er über deren Anfragen Anfang des Jahres gewesen. Migros und Coop hätten die Demeter-Grundsätze für eine Zusammenarbeit anstandslos unterzeichnet und zudem seien noch weiterführende gemeinsame Ziele formuliert worden.

Die von Coop und Migros akzeptierten Demeter-Anforderungen sehen unter anderem vor, dass Demeter-Produkte für Konsumenten klar als solche erkennbar sein müssen. Der Verband bietet mindestens einmal pro Jahr Schulungen für das Verkaufspersonal an. Gefordert wird zudem die Unterstützung der Grossverteiler zur Weiterentwicklung des biologisch-dynamischen Landbaus in Bildung, Forschung oder Projekten.

Pilotprojekt von Migros Zürich

Das auf sechs Monate befristete Pilotprojekt von Migros Zürich mit Lebensmitteln in Demeter-Qualität startet am 18. Oktober an neun Standorten. 17 Grundnahrungsmittel werden verkauft.

Der orange Riese kommt damit nach eigenen Angaben «der zunehmenden Kundennachfrage nach einem breiteren Angebot an Bioprodukten differenziert nach». Konkrete Zahlen zum Projekt werden nicht kommuniziert, wie Migros-Sprecher Francesco Laratta auf Anfrage erklärt.

Bereits heute bietet Migros Zürich rund 25 Demeter-zertifizierte Produkte der Alnatura-Linie an. Rund 200 Demeter-Produkte sind in den sechs Alnatura-Bio-Supermärkten erhältlich.

Bei Coop werden ab Herbst zusätzliche Demeter-Produkte voraussichtlich zunächst im Raum Zürich und Nordwestschweiz zu kaufen sein. Dabei stehe nicht der Umsatz im Vordergrund, sondern die zusätzliche Auswahl für die Kunden, heisst es auch bei Coop Schweiz auf Anfrage. Ausserdem wolle man hierzulande den Anbau nach Demeter-Richtlinien fördern.

(sda/ccr)

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