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Bertelsmann will Gruner + Jahr alleine flott machen

Künftig entscheidet Bertelsmann allein über Zeitschriften wie «Stern», «Geo» oder «Brigitte».Keystone

Paukenschlag in der Medienbranche: Gruner + Jahr gehört künftig vollständig zu Europas grösstem Medienkonzern Bertelsmann. Die Verlegerfamilie Jahr zieht sich nach jahrelangen Widerstand zurück.

Veröffentlicht 06.10.2014

Europas grösster Medienkonzern Bertelsmann zieht den Umbau des gebeutelten Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr künftig alleine durch. Mitten in der Printmedienkrise kauft Bertelsmann der Gründerfamilie Jahr ihre Sperrminorität ab, wie die Partner am Montag mitteilten.

Wenige Wochen nach dem Start einer weiteren kostenträchtigen Restrukturierungsrunde gab die Familie ihren jahrelangen Widerstand gegen einen Ausstieg auf. Sie akzeptierte Branchenkreisen zufolge einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag von ihrem Partner, der dafür nun auch Pensionslasten und Investitionen alleine schultert.

Keine Angaben zum Kaufpreis

«Den Wert einer solchen eindeutigen Aktionärsstruktur kann man gar nicht hoch genug einschätzen», sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe in einer Telefonkonferenz. Zum Kaufpreis wollte er sich nicht äußern. «In solchen Zeiten des Wandels sind klare Abstimmungsprozesse enorm wichtig.»

Der Verlag mit Flaggschiffen wie «Geo», «Stern» und «Brigitte» hatte lange nur zögerlich auf die Abwanderung von Lesern und Anzeigenkunden ins Internet reagiert. Vorstandschefin Julia Jäkel, die vor zwei Jahren in die Chefetage aufrückte, schloss die defizitäre Wirtschaftszeitung «Financial Times Deutschland», leitete einen Konzernumbau ein und forcierte die Expansion im Digitalgeschäft.

«Wir werden das investieren, was nötig ist»

Rabe kündigte weitere Investitionen in den Hamburger Verlag an. Er unterstütze die vom Gruner + Jahr-Vorstand auf den Weg gebrachten Schritte uneingeschränkt, erklärte der Bertelsmann-Chef. Dabei sei der zuletzt genannte Betrag von 500 Millionen Euro lediglich eine Richtgrösse. «Wir werden das investieren, was nötig ist», sagte Rabe.

Anlass zur Hoffnung gebe eine Stabilisierung der Vertriebs- und Anzeigenerlöse im zweiten Halbjahr. Dennoch werde der Umsatz von zuletzt 2,1 Milliarden Euro etwa 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro im laufenden Jahr schrumpfen - auch durch den Verkauf des US-Druckereigeschäfts. Der Betriebsgewinn war 2013 um knapp zehn Prozent auf 193 Millionen Euro gesunken.

Bekenntnis zum Journalismus

Während Verlage wie Axel Springer und Hubert Burda die Umstellung auf das Digitalgschäft weit vorangetrieben haben, zählt Gruner + Jahr zu den Schlusslichtern. Springer und Burda erwirtschaften bereits mehr als die Hälfte ihrer Erlöse im Internet, Gruner + Jahr lediglich ein Zehntel. Anders als die Konkurrenz, die auch journalismusfremde Angebote wie Online-Shops und Rubrikenanzeigen betreibt, will Gruner + Jahr vor allem mit journalistischen Inhalten im Netz punkten.

Zu Bertelsmann gehören auch der Fernsehkonzern RTL Group, der weltgrösste Buchverlag Penguin Random House und das Musikrechte-Unternehmen BMG. «Diesen klaren Bekenntnissen zu den Bereichen Fernsehen, Buch und Musik folgt nun ein weiteres klares Bekenntnis zum Journalismus», sagte Rabe.

Spekulationen über einen Verkauf des Verlags im Ganzen oder in Teilen wies Rabe zurück. Auch an der Sperrminorität der Hamburger Tochter am Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» werde er festhalten. Bei Gruner + Jahr hatten sich die übrigen Mitbegründer bereits vor Jahrzehnten zurückgezogen.

Grössten Stellenabbau seit Jahren angekündigt

Angesichts unerwartet deutlich schrumpfender Zeitschriftengeschäfte hatte Gruner + Jahr Ende August im deutschen Kerngeschäft seinen grössten Stellenabbau seit Jahren angekündigt. Bis zu 400 der 2400 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden, Entlassungen wurden nicht ausgeschlossen. Damit will das Unternehmen seine Kosten um 75 Millionen Euro senken. Nicht betroffen sind die Tochterunternehmen Motor Presse Stuttgart («auto motor und sport», «Men's Health») und Dresdner Druck- und Verlagshaus («Sächsische Zeitung»). Weltweit beschäftigt Gruner + Jahr knapp 8600 Mitarbeiter.

(reuters/ccr)

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